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Aids Medikament soll vor HIV-Infektion schützen

Eine Tablette "Truvada" pro Tag soll helfen, das Infektionsrisiko für Aids zu senken. Besonders Risikogruppen könnten von dem Medikament profitieren. Die EU will es deshalb in Europa zulassen.

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Die schlimmsten Epidemien der Neuzeit
Schatten auf dem Röntgenbild der Lunge: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist die Tuberkulose (TB) trotz sinkender Todesfallraten – 1990 bis 2012 um 45 Prozent – noch die weltweit am häufigsten zum Tode führende heilbare Infektionskrankheit. Erreger sind Bakterien, die durch Tröpfchen in der Luft übertragen werden. Erkrankte leiden unter Kraftlosigkeit, Gewichtsabnahme und andauerndem Husten. Quelle: AP
Eine TB-erkrankte Patientin in einem Krankenhaus in Kampala, Uganda: In der Regel kann TB mit Antibiotika behandelt werden. Tuberkulose tritt heute vor allem in Ländern mit einer schlechten medizinischen Versorgung, Kriegs- und Krisenregionen auf – besonders in Staaten südlich der Sahara und in Südostasien. 2012 registrierte die WHO weltweit 8,8 Millionen Erkrankungen und 1,3 Millionen Todesfälle. Quelle: AP
Internationale Aids-Konferenz in Melbourne: Das Humane Immunschwächevirus (HIV) wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) heute mit Medikamenten bekämpfen. Quelle: REUTERS
Eine Heilung von Aids ist aber nicht möglich. Nach UN-Angaben waren 2013 weltweit rund 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Nach Daten des UN-Programms zur Aids-Bekämpfung UNAIDS starben etwa 1,5 Millionen Menschen daran. Besonders stark betroffen ist Afrika. Quelle: dpa
Anopheles-Mücke: Malaria wird durch ihren Stick übertragen. Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit kann geheilt werden, viele Erkrankte sterben aber wegen mangelnder medizinischer Versorgung. Laut WHO erreichte Malaria ihren Höhepunkt 2004 mit 232 Millionen Erkrankten und 1,2 Millionen Toten. Die meisten Fälle waren in Afrika südlich der Sahara und in Indien zu beobachten. Seitdem hat die Zahl der Malaria-Toten jedoch in vielen Ländern abgenommen. 2013 starben weltweit noch 855.000 Menschen an der Tropenkrankheit. Rund 90 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren in Afrika. Quelle: dpa
Cholera: Die Durchfallerkrankung wird durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst, das im Darm ein Gift bildet. Ursachen sind Trinkwasser, das mit Fäkalien oder Erbrochenem von Erkrankten verschmutzt ist, und verunreinigte Lebensmittel. Etwa 80 Prozent der Infektionen verlaufen milde. In schweren Fällen können aber Flüssigkeits- und Salzverlust in Stunden zu Kreislaufkollaps, Muskelkrämpfen bis zum Schock und Tod führen. Quelle: dpa
Im 19. Jahrhundert hatte sich die Cholera vom Ganges-Delta in Indien über die ganze Welt ausgebreitet. Sechs Pandemien in Folge töteten Millionen Menschen. Die siebente Pandemie brach 1961 aus. Die WHO geht von jährlich drei bis fünf Millionen Erkrankungen und 100.000 bis 120.000 Todesfällen aus, vor allem in Afrika, Südamerika, Südostasien und im Westpazifik. Quelle: dpa Quelle: REUTERS

Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Durch die tägliche Einnahme von „Truvada“ könnten Menschen das Risiko einer HIV-Infektion senken, erklärte die in London ansässige Behörde am Freitag. Die EU-Kommission muss der Zulassung formell noch zustimmen. Das Medikament kommt Experten zufolge vor allem für Menschen mit hohem Infektionsrisiko in Frage.

Die Entscheidung der Ema fiel zusammen mit dem Abschluss der einwöchigen Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban. Bei den Beratungen von Tausenden Forschern, Aktivisten und Regierungsvertretern hatte das neue Prophylaxe-Medikament ebenfalls eine große Rolle gespielt.

Die „PrEP“ genannte Prophylaxe basiert auf einer Kombination von Medikamenten, die bereits seit 2005 in der EU für die HIV-Behandlung zugelassen sind (Emtricitabin und Tenofovir disoproxil). Nun hätten zwei Studien bei der Nutzung der Prophylaxe ein deutlich geringeres Risiko einer HIV-Infektion nachgewiesen, erklärte die Ema. Die Behörde betont jedoch, dass das Medikament Kondome nicht ersetze, da diese auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützten.

Die wichtigsten Fakten zu Aids

„Truvada“ ist in den USA bereits seit 2012 zugelassen. In Südafrika wird das Medikament seit diesem Jahr an Prostituierte abgegeben. Experten zufolge könnte das Mittel in Deutschland monatlich rund 800 Euro pro Patient kosten. Ob Krankenkassen das zumindest für Angehörige von Risikogruppen bezahlen würden, ist noch ungewiss.

Gilead zu Preissenkung aufgefordert

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die Zulassungsempfehlung und forderte eine rasche Einführung in Deutschland. „Es ist jetzt an der Zeit, mit allen Beteiligten Möglichkeiten auszuloten, wie sie finanziert werden kann“, sagte Geschäftsführerin Silke Klumb. „Wir haben die Möglichkeit, Leben zu retten und Infektionen zu verhindern - dafür müssen wir alles tun, was möglich ist.“

Gleichzeitig forderte Klumb den Hersteller Gilead auf, den Preis zu senken, um eine breitere Verwendung zu ermöglichen. Laut der Aids-Hilfe käme das Medikament vor allem für schwule Männer mit einem hohen Infektionsrisiko infrage.


Die Welt-Aids-Konferenz war in erster Linie ein Forum des Austausches für die mit dem Kampf gegen HIV und Aids befassten Experten. Eines der wichtigsten Themen war die Frage, wie das Ziel der internationalen Gemeinschaft erreicht werden kann, die Immunschwächekrankheit Aids bis 2030 auszurotten. Viele Experten warnten, dass das Ziel mit der gegenwärtig verfügbaren Finanzierung und anhaltend hohen Infektionszahlen kaum zu erreichen sei. Die nächste Welt-Aids-Konferenz soll 2018 in Amsterdam stattfinden.

Weltweit sind rund 37 Millionen Menschen HIV-positiv. Gegenwärtig infizieren sich jährlich rund 2,1 Millionen neu. Rund 1,1 Millionen Menschen starben 2015 an den Folgen von Aids.

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