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Als vierte Nation„Indien ist auf dem Mond“

Woran Russland kürzlich scheiterte, hat Indien nun geschafft: eine sanfte Mondlandung. Die unbemannte Mission soll neue Erkenntnisse über die wenig erforschte Südseite des Mondes liefern. 23.08.2023 - 15:37 Uhr

Ein Mann, der die bevorstehende Landung des indischen Mondfahrzeugs Chandrayaan-3 auf der Mondoberfläche bejubelt, schwenkt eine indische Flagge.

Foto: dpa

Auch wenn sie nicht die Ersten sind, einfach ist eine Mondlandung keineswegs: Das wird erst Recht deutlich, wenn man sich den Erdtrabanten genauer ansieht. Er ist übersät mit Trümmern von Missionen, die scheiterten. Zuletzt passierte das auch der ersten russischen Mondmission seit rund einem halben Jahrhundert: Die Raumsonde „Luna-25“ ist laut der russischen Raumfahrtbehörde am Samstag auf dem Mond zerschellt.

Doch nun hat Indien als viertes Land überhaupt eine sanfte Landung auf dem Mond geschafft. Die Mondsonde „Chandrayaan-3“ habe am Mittwochabend indischer Ortszeit wie geplant auf dem Erdtrabanten aufgesetzt, teilte die indische Weltraumbehörde ISRO mit. „Sanfte Landung auf dem Mond. Indien ist auf dem Mond“, sagte der Chef der indischen Weltraumbehörde ISRO, Sreedhara Panicker Somanath, kurz danach. Es sei ein großer Sprung, sagte der vom BRICS-Gipfel in Südafrika zugeschaltete Premierminister Narendra Modi. Eine sanfte Mondlandung war zuvor nur der Sowjetunion, den USA und China geglückt.

Die Sonde war am 14. Juli von der Satish Dhawan Space Station im Bundesstaat Andhra Pradesh gestartet. Sie hatte zunächst die Erde umkreist und war dann in eine Mondumlaufbahn gewechselt. Mit der unbemannten Mission will Indien die kaum untersuchte Südseite des Mondes rund zwei Wochen lang erforschen. „Chandrayaan“ bedeutet „Mondfahrzeug“ auf Sanskrit.

Inder feiern die erfolgreiche Landung von Chandrayaan-3 im Nehru Planetarium.

Foto: dpa

Indiens erster Landeversuch auf dem Mond war ebenfalls misslungen: Vor vier Jahren krachte das Landemodul bei der Mission „Chandrayaan-2“, die wie die jetzige aus einem Orbiter, einem Lander und einem Rover bestand, auf die Oberfläche des Erdtrabanten. Später teilte die Weltraumbehörde mit, dass es während der Annäherung an den Mond Probleme mit dem Bremsen gab. Der Orbiter umkreist aber bis heute den Mond.

Für die jetzige Mission seien Anpassungen vorgenommen worden, um die Probleme der Vorgängermission zu beheben, hieß es von der ISRO. Die erste Sonde „Chandrayaan-1“ war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen.

Schneller schlau: Weltraum-Recht
Als erste und grundlegende völkerrechtliche Vereinbarung des Weltraumrechts gilt der Weltraumvertrag, der 1967 unterschrieben wurde und dem heute 107 Staaten zugestimmt haben (Stand: Juli 2017). Darin sind Grundsätze festgelegt, die die staatlichen Weltraumaktivitäten regeln. So wird etwa das Hoheitsrecht an Teilen des Weltraums, am Mond und an anderen Himmelskörpern ausgeschlossen. Für Forschung und wirtschaftliche Nutzung ist der Weltraum weitestgehend frei. Aber es gibt Beschränkungen. So muss die Erforschung und Nutzung des Weltraums Sache der gesamten Menschheit sein. Geschlossen wurde der Vertrag einst insbesondere aus Furcht vor einem Wettrüsten im All vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.
Das Weltraumrettungsübereinkommen wurde kurz nach dem grundlegenden Weltraumvertrag 1968 verabschiedet und regelt die Gewährung von Hilfe an in Not geratene Raumfahrer und zur Rückgabe von in den Weltraum gestarteten Gegenständen.
Mit dem Weltraumhaftungsübereinkommen wurde 1972 die Haftung im Weltraum in Regeln festgelegt. Zur Sicherstellung angemessenen Schadensersatzes für durch Weltraumgegenstände verursachte Schäden gibt es seitdem einen handfesten Rechtssatz – allerdings bezieht dieser sich in erster Linie auf staatliche und nicht auf private Aktivitäten im Weltraum.
Nach dem allgemeinen Weltraumvertrag gilt der Mondvertrag von 1979 als die wichtigste Vereinbarung im Weltraumrecht. Darin wurden spezielle Regelungen über die Nutzung des Monds und der eventuellen Ausbeutung seiner Naturschätze festgehalten. Allerdings ist dieser Vertrag wenig bindend, denn im Vergleich zum Weltraumvertrag wurde der Mondvertrag bislang nur von 18 Staaten ratifiziert.Stand: August 2023

Mit der Mission „Chandrayaan-3“ will Indien unter anderem mehr über gefrorenes Wasser auf dem Mond herausfinden, das auf und unter der Mondoberfläche nachgewiesen wurde. Solches Eis könnte unter anderem bei künftigen bemannten Mondmissionen von Nutzen sein.

„Unglaublich!“, schrieb der Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Josef Aschbacher, am Mittwoch auf der Plattform X, die zuvor Twitter hieß. „Gratuliere ISRO und allen Menschen Indiens!!“ Er sei ganz und gar beeindruckt. Der Chef der US-Raumfahrtagentur Nasa, Bill Nelson, schrieb auf X neben Glückwünschen: „Wir sind froh, Euer Partner bei dieser Mission zu sein.“

„Solche Missionen sind zukunftsgerichtet“, sagte Ajey Lele vom Manohar Parrikar Institute for Defence Studies and Analyses in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. „Man muss heute beginnen, wenn man sein Ziel in zwei, drei Jahrzehnten erreichen will.“

Journalisten filmen die Live-Übertragung der Landung des Raumschiffs «Chandrayaan-3» auf dem Mond in der ISRO-Einrichtung für Telemetrie, Ortung und Kommandonetz.

Foto: dpa

Indiens Weltraumprogramm hatte in den 1960er-Jahren begonnen. In den ersten Jahrzehnten lag der Fokus vorwiegend darauf, Satelliten günstig ins All zu befördern. Inzwischen hat Indien ehrgeizigere Ziele. Zuletzt wurde zudem bei einem Besuch von Indiens Premierminister Narendra Modi bei US-Präsident Joe Biden eine verstärkte Zusammenarbeit in Sachen Raumfahrt angekündigt.

Die Erforschung des Erdtrabanten hatte in den 1950er-Jahren während des Kalten Krieges als hitziger Wettbewerb zwischen den USA und der ehemaligen Sowjetunion begonnen. Die Sowjets landeten 1959 mit einer unbemannten Sonde auf der Mondoberfläche. Den USA gelang zehn Jahre später mit „Apollo 11“ die erste bemannte Mission. Vor zwei Jahren schickte China eine Kapsel zum Mond und holte Gesteinsproben. Im Zuge des „Artemis“-Projekts der USA sollen demnächst wieder Menschen zum Mond fliegen.

Inzwischen versuchen zudem nicht nur staatliche Raumfahrtagenturen, sondern auch Privatunternehmen, auf dem Mond zu landen. Eine solche privat finanzierte Mondlandung war im April gescheitert: Die Sonde „Hakuto-R“ der japanischen Raumfahrtfirma Ispace stürzte unkontrolliert auf den Mond. Zuvor waren andere private Mondmissionen ebenfalls gescheitert. Demnächst wollen sich zwei amerikanische Firmen – Astrobotic und Intuitive Machines – unabhängig voneinander an einer privaten Mondlandung versuchen. Motivation ist der potenziell gewinnbringende kommerzielle Transport von Gütern zum Mond.

Hören Sie auch das Chefgespräch mit SpaceX-Pionier Königsmann über die Arbeit mit Elon Musk und künftige Mars-Missionen

dpa
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