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Arianna Huffington "Nur noch Stress und Überlastung"

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"Maßstäbe für einen ungesunden Erfolg"

Können Führungskräfte überhaupt verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, wenn sie übermüdet sind?

Nein. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hat einmal gesagt: „Jeden bedeutenden Fehler, den ich in meinem Leben je gemacht habe, habe ich gemacht, weil ich zu müde war.“ Vieles von dem, womit unsere Führungskräfte konfrontiert werden, liegt jenseits ihrer Kontrolle. Aber das ist umso mehr ein Grund, die Faktoren zu optimieren, die sie unter Kontrolle haben. Das Wichtigste: die eigene Entscheidungsfähigkeit zu verbessern, indem man mehr Schlaf bekommt. Wird das die Probleme der Welt lösen? Natürlich nicht. Aber werden unsere Führungskräfte besser vorbereitet sein, um diese Problemen mit mehr Kreativität und Verantwortung anzugehen? Ohne Zweifel.

Fakten und Irrtümer zum richtigen Schlafen
Ausreichend Schlaf macht glücklicherMenschen, die regelmäßig zwischen acht und neuneinhalb Stunden schlafen, wachen am Morgen mit einem anderen Lebensgefühl auf als diejenigen, die deutlich weniger Nachtruhe haben. Das hat das amerikanische Unternehmen Jawbone in einer Studie herausgefunden. Eine längere Schlafdauer hebt die Laune. Quelle: obs
New Yorker gehen spät zu BettDie Bewohner der Mega-Metropole New York haben besseres zu tun als früh schlafen zu gehen. Das geht ebenfalls aus der Jawbone-Untersuchung hervor. Demnach geht der New Yorker im Durchschnitt zwischen 23.45 und 23.55 Uhr zu Bett. Im Stadtteil Brooklyn sogar noch später – um 00.07 Uhr. Generell tendieren die Menschen in den großen amerikanischen Städten wie Miami, Las Vegas oder New Orleans zum späten Schlaf. Quelle: REUTERS
Auch Schlaf nach Mitternacht ist gesundDie Weisheit, dass die Schlafstunden vor Mitternacht die gesündesten seien, ist nicht ganz richtig. Denn der Spruch stammt aus einer Zeit, als die Menschen noch sehr viel früher ins Bett gingen. Viel wichtiger ist es hingegen, einen ungestörten Schlaf ohne Unterbrechungen zu haben, denn gerade in den Tiefschlafphasen erholt sich der Körper am besten. Quelle: obs
Vollmond beeinträchtigt den Schlaf nichtDass es keinen Zusammenhang zwischen dem Schlaf und den einzelnen Mondphasen gibt, haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München herausgefunden. Für die im Journal „Current Biology“ präsentierte Untersuchung analysierten die Forscher große, bereits vorhandene Datensätze über den Schlaf von insgesamt 1265 Teilnehmern aus 2097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, sagt Neurowissenschaftler Martin Dresler. Quelle: dpa
Guter Schlaf fördert die Harmonie Schläft ein Mann gut, streitet er am nächsten Tag weniger mit seiner Frau. Streitet sich eine Frau wiederum weniger mit ihrem Mann, schläft sie in der Folgenacht besser – und ihr Mann tut es auch. Das haben Wissenschaftler der Universität Pittsburgh herausgefunden, die sich mit dem – bislang noch wenig erforschten – Thema Paarschlaf beschäftigt haben. Quelle: dpa
Wer betrunken zu Bett geht, schläft unruhigerWer nach einer Party zu tief ins Glas geschaut hat und im Rausch zu Bett geht, zerstört seine Schlafphasenverteilung. Das meint zumindest Conrad Wiederhold, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin aus Fulda. Wichtig sei es seiner Meinung nach, „das richtige Maß zu finden“. Denn „gegen ein, zwei Gläschen Wein oder Bier spricht dabei nichts“, so Wiederhold. Quelle: dpa
Nicht jeder kann zum Frühaufsteher werdenWenn morgens der Ticker klingelt, quälen sich viele Menschen nur mit großer Mühe aus dem Bett. Denn ob man Frühaufsteher oder Langschläfer ist, kann man sich selbst nicht aussuchen. Selbst wenn Langschläfer über einen längeren Zeitraum durch äußere Umstände zum frühen Aufstehen gezwungen werden, ändert das nichts an ihrer ursprünglichen Veranlagung. „Es ist zwar möglich, jemanden zu konditionieren, aber ein Typwechsel passiert dadurch nicht“, erklärt Schlafmediziner Professor Thomas Penzel von der Charité Berlin. Quelle: dpa

Sie haben 2005 die „Huffington Post“ gegründet und sie schnell in ein sehr erfolgreiches, kommerzielles, digitales Medienunternehmen verwandelt. Wie schaffen Sie es, Geschäftsanforderungen, wie einen 18-Stunden-Tag, mit dem Bedürfnis nach ausreichend Schlaf zu vereinbaren?

Die „Huffington Post“ war eine Erfolgsgeschichte des schnellen Wachstums. Ich war fast überall auf den Titelseiten und wurde von „Time“ als eine der 100 weltweit einflussreichsten Personen gewählt. Dann kam der Absturz. Durch dauernden Schlafmangel erschöpft, fiel ich in Ohnmacht, schlug mit meinem Kopf auf den Schreibtisch und brach mir mein Jochbein. Da habe ich mich gefragt: Sieht so Erfolg aus? War das das Leben, was ich wollte? Ich habe 18 Stunden pro Tag gearbeitet, sieben Tage die Woche, darum bemüht, ein Unternehmen aufzubauen, unsere Reichweite zu vergrößern und Investoren zu akquirieren. Aber mein Leben war außer Kontrolle geraten. Nach den traditionellen Maßstäben des Erfolgs, Geld und Macht, war ich sehr erfolgreich. Aber das sind Maßstäbe für einen ungesunden Erfolg. Ich wusste, dass ich etwas radikal verändern musste.

Was haben Sie anders gemacht?

Ich beschreibe das als Rat an mein jüngeres Selbst. Ich wünschte, ich könnte zurückgehen und mir selbst sagen: „Arianna, deine Leistung wird sich tatsächlich verbessern, wenn du nicht nur hart arbeitest, sondern auch mal abschaltest, wieder auflädst und dich erholst.“ Und schlafen! Das hätte mir eine Menge unnötigen Stress und Erschöpfung erspart.

Falsche Volksweisheiten rund um den Schlaf

Sie behaupten, auch der Schlaf sei noch ein Opfer der Ungleichheit. Warum das denn?

Eine Studie von 2013 von der Universität von Chicago hat herausgefunden, dass ein niedrigerer sozioökonomischer Status mit schlechterer subjektiver Schlafqualität zusammenhängt. Das Paradoxe hier ist: Je schwieriger unsere Lebensumstände sind, desto unerlässlicher ist es, für Stabilität zu sorgen, um die vorhandenen Herausforderungen bewältigen zu können. Es gibt einen Grund dafür, warum wir in Flugzeugen darum gebeten werden: „Setzen Sie ihre eigene Sauerstoffmaske zuerst auf und helfen Sie dann anderen Mitreisenden.“

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