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Arianna Huffington "Nur noch Stress und Überlastung"

Die Unternehmerin und Gründerin des Onlinemagazins "Huffington Post" Arianna Huffington warnt vor dem Angriff auf die letzte Ruhezone.

Huffington, 65, gründete im Jahr 2005 das Onlinemagazin „Huffington Post“. Sie ist eine der erfolgreichsten Medienunternehmerinnen der Gegenwart. Im April erscheint ihr neues Buch „The Sleep Revolution“. Quelle: laif

Frau Huffington, fühlen Sie sich derzeit müde?

Nein, glücklicherweise nicht.

In Ihrem neuen Buch diagnostizieren Sie die Krise des Schlafs. Was ist die Hauptursache für diese Krise?

Das ist die weitverbreitete Annahme, Überarbeitung und Burn-out seien der Preis für Erfolg in unserer Arbeitswelt. Dabei ist es doch so: In unserem Alltag fühlt es sich so an, als hätte der Tag nicht genug Stunden. Wir suchen also nach etwas, was wir herauskürzen können. Und Schlaf ist ein einfaches Ziel. Fakt ist aber: Gegen unsere Definition von Erfolg hat der Schlaf keine Chance.

Was nimmt den Schlaf unter Beschuss? Die Anforderungen eines beschleunigten Geschäftslebens oder uns selbst auferlegte Anforderungen?

Alles, unglücklicherweise. Die Kombination einer schlicht fehlgeleiteten Definition des Erfolges in der heutigen Welt – der nur aus Überlastung und Stress entstehen kann – zusammen mit der Ablenkung und Verlockung einer 24/7 vernetzten Welt, gefährdet unseren Schlaf wie nie zuvor.

Müssen wir zu Leistungsmaschinen werden, um den Ansprüchen der 24/7-Netzwerkgesellschaft gerecht zu werden?

Nein, denn genau dieses Denken hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. Die 24/7-Existenz allzeitiger Erreichbarkeit macht es wichtiger denn je, mit unserer Arbeit Maß zu halten. Viel zu lange haben zu viele von uns, besonders Frauen, geglaubt, dass Ausgebranntsein der notwendige Preis für Leistung und Erfolg ist. Aktuelle Studien verdeutlichen: Das ist schlicht falsch. Es gibt keine Kosten-Nutzen-Abwägung zwischen einem guten Leben und hoher Leistung. Leistung lässt sich vielmehr steigern, wenn es gelingt, Zeit zur Erholung, Weisheit und Empathie einzuplanen.

Arianna Huffingtons

Ein großer Teil der Manager und Politiker in Deutschland schläft weniger als fünf Stunden pro Nacht. Ist das ein globaler Trend?

Ja, aber gleichzeitig gibt es eine globale Bewegung in die entgegengesetzte Richtung. Wir haben eine wachsende Anzahl von Führungskräften, die verstehen: Ausgeruhte Mitarbeiter sind bessere Mitarbeiter. Im Sport, in Schulen, in der Medizin, und am Arbeitsplatz bahnt sich Schlaf seinen Weg zurück in die bedeutsame Position, die er verdient. Das beginnt damit, wie wir über Schlaf nachdenken, indem wir Schlafmangel nicht weiter mit Leistung und Erfolg gleichsetzen.

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