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Ausgezeichnet Die Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises

Die Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises wirtschaften profitabel, ohne Mensch und Natur auszubeuten.

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Geräucherter Fisch Quelle: dpa

Nur so viel rausholen, wie nachwächst, was nicht nachwächst, schützen, und was auf den Tisch kommt, muss schmecken. Mit diesem scheinbar simplen Dreiklang schaffte es die Deutsche See GmbH auf das Siegertreppchen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Der erste Platz in der Kategorie Unternehmen ist der Lohn für einen mühsamen Weg: Seit zehn Jahren kämpfen Egbert Miebach und Peter Dill als Eigner und Geschäftsführer der Fischmanufaktur gegen Überfischung und Meeresverschmutzung. Sie setzen lieber auf Artenschutz, Biofisch und nachhaltiges Wirtschaften auch ihrer Lieferanten.

"Wir wissen, aus welchen Gebieten der Fisch stammt, ob er gezüchtet oder frei gefangen wurde, und wir wissen meist sogar, von welchem Schiff er kommt", sagt Dill. Ist die Herkunft unsicher, verzichtet er auf das Geschäft.

Deutsche See schont Fischbestände

Ziel dieser Firmenpolitik ist es, die Umwelt und zugleich die weltweiten Fischbestände zu schonen: Laut der Food and Agriculture Organisation (FAO) sind knapp ein Drittel der Bestände dezimiert oder erholen sich von der Überfischung. Genau dort will Deutsche See ansetzen.

Die Bremerhavener, die im Jahr mit 1700 Beschäftigten knapp 400 Millionen Euro umsetzen, fragen regelmäßig Wissenschaftler, welche Fischgründe überstrapaziert sind. Ist eine Spezies gefährdet, weichen sie auf andere Fanggebiete aus.

In Rahmen dieser Strategie hat Deutsche See schon vor Jahren den überfischten Blauflossenthunfisch aus dem Sortiment genommen und durch den Gelbflossenthunfisch ersetzt. Auch bei Rotbarsch, der immer seltener wird, konzentrieren sich die Bremerhavener auf die isländischen Rotbarschbestände. Dort wird streng darauf geachtet, wie viele Tiere die Fischer aus dem Wasser holen.

Probleme sollen in den Fokus der Verbraucher rücken

Der Anteil der Fische, die in Aquakulturen, also riesigen, streng kontrollierten Käfigen im Meer aufwachsen, beträgt bei Deutsche See 35 Prozent. Zugleich erhöht das Unternehmen ständig die Menge an Biofisch, der in besonders sauberem Wasser aufwächst und mit Bio-zertifiziertem Futter gemästet wird. 2001 hat Deutsche See sein Biosortiment gestartet. Der Anteil beträgt heute fünf Prozent. Keine andere Fischmanufaktur in Deutschland kommt auf einen ähnlichen Wert.

Dass die Produkte von Deutsche See etwas teurer sind als die der Konkurrenz, gehört zum Selbstverständnis des Unternehmens: "Unsere Produkte kosten zwar ein wenig mehr, aber wir arbeiten mit unseren Kunden zusammen, damit sie verstehen, dass unser Preis fair ist", sagt Deutsche-See-Geschäftsführer Miebach. Nur wenn die Bremerhavener genügend einnehmen, um ihre Lieferanten ordentlich zu bezahlen, "können sie unseren Forderungen nach nachhaltigem Fisch entsprechen", sagt Miebach. Dass dieses Geschäftsmodell auch die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises überzeugte, ist für Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Preises, kein Wunder: "Deutsche See verbindet Wohlstand und Genuss mit der Schonung wertvoller Ressourcen." Zwar hat die Lebensmittelbranche das Problem der Überfischung erkannt. Es bleibt aber abzuwarten, ob diese Sorge durch die Auszeichnung an Deutsche See auch in den Fokus der Verbraucher rückt.

LichtBlick

580.000 Kunden können nicht irren. Auch der Bundestag gehört dazu und das Abgeordnetenhaus in Berlin: Geht es um Wärme und Energie, setzen sie alle auf den Hamburger Ökostromanbieter, der wie kaum ein anderes Unternehmen für grünen Strom steht. 1999 bot Lichtblick im gerade liberalisierten Energiemarkt erstmals Ökostrom an. 2007 folgte ein Ökogas-Produkt mit der Beimischung von klimaneutralem Biomethan. Heute ist Lichtblick mit seinen 250 Mitarbeitern deutscher Marktführer im Bereich Ökostrom. Die Energiewende soll schon bald in den Kellern der Kunden stattfinden. 2009 kündigten die Hamburger an, mit der Installation von 100.000 vernetzten und intelligent gesteuerten Mini-Blockheizkraftwerken in die dezentrale Stromerzeugung einzusteigen. Hausbesitzer können sich von Lichtblick mit einer umweltschonenden Gasheizung ausstatten lassen, die auch Strom produziert. Für 2011 ist der Eintritt in den Massenmarkt geplant. Mit dem Konzept wird das Hamburger Unternehmen die nachhaltigste Marke 2010.

Puma

Noch ist Puma nicht das nachhaltigste Unternehmen seiner Branche. Aber der Sportlifestyle-Konzern will es werden. Spätestens in fünf Jahren wollen die Herzogenauracher in ihren Niederlassungen, Geschäften und Lagern weltweit die CO2-Emissionen, den Energie- und Materialverbrauch sowie die Abfallmengen um jeweils 25 Prozent reduzieren. Zum Sortiment gehört Baumwolle „made in Africa“: Puma vermittelt Kleinbauern umweltschonende Anbaumethoden. Die Bauern werden durch Dividendenzahlung am Erfolg beteiligt und können so ihren Kindern die Schule bezahlen. Auch setzt sich Puma mit seinen knapp 10.000 Mitarbeitern für die Rettung aussterbender Tierarten in Afrika ein. Es organisiert zum jährlichen Weltfriedenstag am 21. September weltweite Fußballspiele, rüstet die Mannschaften aus und sponsert Künstler auf allen Kontinenten. In der Kategorie Zukunftsstrategie ist Puma die Nummer eins unter allen deutschen Konzernen.

Gesobau

Ein Weg, den Ausstoß an Klimagasen zu begrenzen, ist die energetische Sanierung von Immobilien. Denn immerhin ein gutes Drittel der in Deutschland verbrauchten Energie wird für die Heizung und warmes Wasser benötigt. Wie das zugleich wirtschaftlich geht, zeigt das Berliner Wohnungsbauunternehmen Gesobau beispielhaft bei der Quartiersentwicklung des Berliner Märkischen Viertels. Dort gehören Gesobau 15.000 Wohnungen, die vor der Renovierung aufgrund mangelhafter Gebäudesubstanz, ungenügender Dämmverhältnisse und antiquierter Wärmeversorgung 40.0000 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr verursachten. Bis 2015 werden 13.000 Wohnungen modernisiert und damit die CO2-Emission auf 17.000 Tonnen reduziert. Zudem wird das Viertel bunter: Eine vielfältige Nachbarschaft gut gemischt nach Alter, Geschlecht und Herkunft soll entstehen. Gesobau erhält den ersten Preis für "Zukunftsstrategien im Mittelstand".

Studiosus Reisen München

Tourismus bringt Umweltzerstörung und soziale Spannungen mit sich – besonders der Massentourismus. Der europäische Marktführer für Studienreisen steuert dem entgegen und will vor allem die Energiebilanz seiner Reisen verbessern. Studiosus schult nicht nur Mitarbeiter und Vertragspartner zum Beispiel in Sachen umweltbewusstes Autofahren. Das Unternehmen hat auch als erster europäischer Reiseveranstalter ein eigenes System eingerichtet, das die betriebliche Umweltpolitik regelt. Kunden können die auf ihren Flügen freigesetzten CO2-Emissionen durch Spenden an die Studiosus Foundation kompensieren. Die fördert zum Beispiel Aufforstungsprojekte in Mexiko oder Waisenhäuser in Vietnam. Mit dieser Strategie erklimmt Studiosus ebenfalls einen ersten Platz beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis und siegt in der Kategorie "Zukunftsstrategie im Mittelstand". Sauber ist übrigens auch das Papier, auf dem Studiosus-Mitarbeiter schreiben: Es ist 100 Prozent recycelt.

C&A Europa/C&A Mode

Baumwollherstellung ist ein schmutziges Geschäft: Insektizide und Pflanzenschutzmittel schaden Umwelt und Mensch. C&A investiert daher massiv in biologisch angebaute Baumwolle, die weder mit chemischem Dünger noch mit Pflanzenschutzmitteln bearbeitet wurde. Zudem lässt die Klamottenkette die Farmer bei der Umstellung auf den grünen Anbau nicht allein. Sie unterstützt die Landwirte mit Know-how und durch eine Abnahmegarantie: Zehn Prozent Anteil an der gesamten Baumwollbekleidung macht das Geschäft mit Biobaumwolle bei C&A aus, verarbeitet in 18 Millionen Hemden und Hosen. Ihre Anzahl wird bis Ende 2010 auf 23 Millionen steigen und C&A zum führenden Textilunternehmen bei Mode aus Biobaumwolle machen. Gut für den Kunden: Er muss nicht draufzahlen, Biobaumwollprodukte kosten bei C&A so viel wie herkömmliche Baumwollkleidung. Gut für C&A: Es erhält den ersten Preis in der Kategorie "Produkte/Dienstleistungen".

Daimler

Lastwagen machen Krach und stinken. Und sie werden immer mehr. Was Energieverbrauch und Verpestung der Luft angeht, ist Rettung in Sicht. Der Mercedes-Benz Atego 12t BlueTec Hybrid spart bis zu 15 Prozent an Kraftstoff und CO2-Emissionen im Vergleich zu konventionell angetriebenen Lkws. Im langsamen Stadtverkehr übernimmt nämlich ein Elektromotor den Antrieb. Erste Flottentests mit großen Kunden laufen. Daimler wird damit die Nummer eins bei Produkte/Dienstleistungen. 

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