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Axel Haverich im Interview "Tabubruch als Regel"

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Verrückte, die Menschen-Klonprojekte propagieren

Die Volkskrankheiten der Deutschen
AU-Bescheinigung Quelle: dpa
Gehirnansicht Quelle: dpa/dpaweb
Mammographie Quelle: dpa/dpaweb
Depressionen Quelle: dpa
Angststörungen Quelle: dpa
Raucherin Quelle: dpa
Fettleibigkeit Quelle: dpa

Auch wenn die US-Forscher es nicht vorhaben: Grundsätzlich zeigt ihre Arbeit, dass auch Menschen dupliziert werden könnten. Wird sich die Debatte nun wieder aufschaukeln und Verrückte wie die Realiens-Sekte Menschen-Klonprojekte propagieren und Forscher engagieren?

Ganz bestimmt. Und es wird erneut den Ruf nach Gesetzen und Regelungen geben. Zumindest in Deutschland halte ich das reproduktive Klonen aber für völlig ausgeschlossen.

Nur wenige Tage vor der Klon-Nachricht hatte es über Angelina Jolies Brustamputation nach einem positiven Brustkrebs-Gentest eine recht sachliche Diskussion über deren medizinischen Sinn gegeben. Können Sie sich eine ähnlich sachliche Debatte über das therapeutische oder gar das reproduktive Klonen in zehn Jahren vorstellen?

Bisher noch nicht, aber fragen Sie mich in 15 Jahren noch einmal. Man muss sich drauf einstellen, dass Dinge, die lange Zeit für unmöglich gehalten wurden, eines Tages doch akzeptabel sind. In der Geschichte der Medizin ist der Tabubruch ja fast schon die Regel.

Wie meinen Sie das?

Nehmen Sie mein Feld, die Herzoperationen. Sie waren noch um 1880 völlig indiskutabel. Damals meinte der bedeutende Chirurg Theodor Billroth: Jeder, der es wagen würde, das menschliche Herz anzufassen, sollte die Anerkennung seiner Kollegen auf immer verlieren. Als der Erste es 1896 doch tat, wurde er zum Außenseiter. Heute operiert mein Team in Hannover täglich neun bis zehn Herzen – und macht Menschen gesund.

In Arbeit
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Halten Sie es für möglich, dass das therapeutische Klonen in 15 Jahren als ethisch korrekt gelten könnte?

Ich würde es nicht ausschließen. Denn gerade in der Medizin ist es ja häufig so, dass solche Entscheidungen an Einzelschicksalen festgemacht werden, die dann auch Verständnis wecken.

So wie bei Familie Nash aus den USA, die ihr neues Baby genetisch so designen ließ, dass es als Zellspender für die sechs Jahre ältere, kranke Schwester taugte?

Ja, aber hier ist ganz klar eine Grenze überschritten worden, die wir nicht überschreiten dürfen. Auch nicht in 15 oder 30 Jahren. Ein Zellhäufchen im Labor wachsen zu lassen, ist eine Sache. Ein Kind als Ersatzteillager zu funktionalisieren eine andere. Hier würde ich christlich abendländisch argumentieren: Jedes Leben muss aus sich selbst heraus lebenswert sein.

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