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Banarjee, Duflo, Kremer Wirtschaftsnobelpreis geht an Armutsforscher

Wirtschaftsnobelpreis geht 2019 an die Armutsforscher Esther Duflo, Abhijit Banarjee und Michael Kremer. Quelle: REUTERS

Der Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an die drei Ökonomen Abhijit Banarjee, Esther Duflo und Michael Kremer „für ihren experimentellen Ansatz zur Linderung der globalen Armut“.

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Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die drei Ökonomen Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer. Das Trio erhält die renommierte Auszeichnung für seinen experimentellen Ansatz zur Linderung der globalen Armut, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekanntgab. „Die Forschung der diesjährigen Preisträger hat unsere Fähigkeit zur Bekämpfung der globalen Armut erheblich verbessert“, so die Akademie.

Alle drei Preisträger lehren an US-Universitäten: Abhijit Banerjee, 1961 in Kalkutta in Indien geboren, machte 1988 seinen Doktor an der Harvard University in Cambridge und lehrt als Ford-Foundation-International-Professor Ökonomie am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Esther Duflo, 1972 in Paris geboren, lehrt ebenfalls am MIT in Cambridge und hat die Abdul-Latif-Jameel-Professur für Armutsbekämpfung und Entwicklungsökonomik inne. Michael Kremer, 1964 in den USA geboren, promovierte 1992 an der Harvard University und arbeitet heute als Gates-Professor für Entwicklungsgesellschaften an seiner Alma Mater.

„Das ist eine super Entscheidung. Erstens weil die Forschung der Laureaten von höchster ökonomischer Bedeutung ist, denn es geht um absolute Armut und deren Reduktion, nicht um Verteilungsfragen reicher Länder. Zweitens ist der Ansatz innovativ“, betont der Ökonom Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE). Seine Begründung: „Durch Feldexperimente hat die Ökonomie die Chance auf ein kontrolliertes Experiment ähnlich wie die Naturwissenschaften. Drittens ist die Forschung extrem anwendungsorientiert und praxisnah. Daher bietet sie direkte Ansatzpunkte für die Politik. Statt abstrakter mathematischer Modelle bieten Duflo und Co praxisnahe Forschung. Das wirkt auch dem Vorwurf entgegen, die Ökonomen seien weltfremd.“

Duflo ist erst die zweite Frau und zugleich die jüngste Person, die je den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen hat. Sie habe nach eigener Aussage nicht damit gerechnet, bereits in ihrem Alter mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet zu werden. Duflo hätte gedacht, dass man viel älter sein müsse, um sich den Preis zu verdienen, sagte die 46-Jährige. Die Auszeichnung erfülle sie mit Demut, sagte sie, als sie während der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger angerufen wurde. Der Generalsekretär der Wissenschaftsakademie, Göran Hansson, machte klar, Duflo erhalte den diesjährigen Preis nicht, weil sie eine Frau sei, sondern wegen ihrer herausragenden Forschung. Die Preisträgerin selbst sagte, sie hoffe, alle Wirtschaftswissenschaftlerinnen repräsentieren zu können. Sie wolle Frauen dazu inspirieren, ihrer Forschung weiter nachzugehen. Auch sollte ihre Auszeichnung viele weitere Männer dazu bringen, Frauen den Respekt zu zollen, den sie verdienten.

Ökonom Hans-Werner Sinn befürwortet diese Entscheidung: „Duflo ist eine hervorragende Ökonomin. Das CES hatte sie daher schon in den vergangenen Jahren mit Preisen ausgezeichnet.“ Der ehemalige Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht Feldexperimente hingegen eher skeptisch: „Die Menschen wissen, dass es sich um ein Experiment handelt. Das kann ihre Reaktionen und das Ergebnis verzerren.“

In der vergangenen Woche waren in Stockholm bereits die Auszeichnungen in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur vergeben worden, am Freitag folgte dann die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers in Oslo.

Alle Preise sind in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Dieses Preisgeld bekommen die Geehrten am 10. Dezember, dem Todestag von Dynamit-Erfinder Alfred Nobel, überreicht - zusammen mit einer Medaille und einer Urkunde.

Der Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der nicht auf Nobels Testament zurückgeht. Er wird vielmehr seit Ende der 1960er Jahre von der schwedischen Reichsbank gestiftet und gilt somit streng genommen nicht als klassischer Nobelpreis. Seit der ersten Verleihung im Jahr 1969 war bisher erst ein Deutscher unter den Preisträgern: Der Bonner Wissenschaftler Reinhard Selten erhielt ihn vor 25 Jahren gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi für ihre wegweisenden Beiträge zur nichtkooperativen Spieltheorie. Besonders häufig wurden US-Amerikaner ausgezeichnet, darunter auch die vor Duflo bisher einzige Frau, die Professorin Elinor Ostrom.

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