Bewegungsstudie Arbeitsalltag wird zum Bewegungskiller

Beamte, die grün wählen und in Bayern wohnen, sind aktiver als Selbständige aus Berlin. Diese und viele andere Weisheiten hat die Bewegungsstudie 2013 der Techniker Krankenkasse (TK) ans Licht gebracht.

Wie zu langes Sitzen den Körper belastet
MuskelnIm Sitzen werden die Muskeln nicht gefordert und gekräftigt. Langes Sitzen führt also dazu, dass sich die Muskeln zurück bilden. Wer in der Freizeit nicht mit Sport gegensteuert, sitzt sich also sukzessive schlapp. Quelle: dpa
WirbelsäuleDas hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf unsere Fitness: Da auch die Rückenmuskulatur leidet, verliert die Wirbelsäule ihr natürliches Stützkorsett. Im schlimmsten Fall kann es zu Bandscheibenproblemen kommen. Quelle: dpa/dpaweb
BauchVom langen Sitzen werden die Muskeln aber nicht nur schwächer. Sie produzieren auch weniger des Enzyms Lipoproteinlipase, das als Katalysator beim den Fettabbau dient. Wer lange sitzt, hat also auch ein größeres Risiko, dick zu werden. Quelle: gms
FüßeEin besonders im Sommer verbreitetes Phänomen: Bei ausbleibender Bewegung sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an, wodurch die Füße anschwellen. Quelle: REUTERS
BeineWie in den Füßen, sammelt sich auch Flüssigkeit in den Beinen an. Gehen hilft, die Flüssigkeit abzubauen. Wer während der Arbeit gar nicht oder nur selten aufstehen kann, sollte immer wieder die Position der Füße verändern und das Gewicht abwechselnd auf Zehenspitzen und Fersen verteilen. Quelle: dpa
NackenDie über den Tag gespeicherte Flüssigkeit sorgt nämlich nicht nur für schwere Beine und dicke Füße, sie kann auch nachts beim Liegen in den Nacken wandern. Eine mögliche Folge: Schlafapnoe. Quelle: dpa
BlutdruckWer viel sitzt und sich auch nach Feierabend wenig bewegt, riskiert außerdem Bluthochdruck. Quelle: dpa
HerzDauerhaftes Sitzen kann sich so langfristig auch auf unser Herz-Kreislauf-System auswirken. Quelle: dpa
LungenBei Menschen mit Herzproblemen wegen zu langem Sitzen kann sich Flüssigkeit in den Lungen aufstauen. Quelle: Reuters
KopfWeitere Gefahr der mangelnden Durchblutung des Körpers: Im schlimmsten Fall können sich in den Blutgefäßen kleine Gerinsel bilden, die Schlaganfälle verursachen können. Quelle: dapd

Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa ließ die Kasse 1000 Bundesbürger ab 18 Jahren zum Thema Bewegung und Fitness befragen. Das Ergebnis ist erschreckend: Sieben Stunden am Tag verbringt jeder Erwachsene im Schnitt im Sitzen. Von den Berufstätigen sitzt jeder Dritte sogar mehr als neun Stunden. Es scheint, als bliebe für Bewegung im deutschen Arbeitsalltag keine Zeit mehr.

„Nur vier von zehn Menschen hierzulande sind im Alltag noch zu Fuß unterwegs. So kommen zwei Drittel nicht einmal mehr auf eine Stunde Bewegung am Tag – jeden Gang zum Kopierer eingerechnet“, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner. Aufgrund des hektischen Joballtags bleiben bei jedem zweiten jener, die viel im Sitzen arbeiten müssen, kleine Bewegungspausen auf der Strecke.  Dabei würden sich viele Menschen mehr Zeit für Bewegung im Alltag wünschen, heißt es weiter. Insgesamt hätten 90 Prozent der Berufstätigen gerne Bewegungsnagebote in ihrem Betrieb – doch fast jedem dritten Arbeitnehmer in Deutschland wird so ein Angebot gar nicht gemacht. Lediglich 40 Prozent der Befragten gaben an, dass es an ihrem Unternehmen gute Fahrradabstellmöglichkeiten gebe. In 35 Prozent der Fälle wurden den Befragten im Unternehmen Duschen zur Verfügung gestellt und 23 Prozent gaben an, dass ihr Unternehmen Betriebssport anbiete.  

Die nackten Zahlen zu interpretieren ist nicht ganz einfach. Aufgrund einer Umfrage zu behaupten, gerne mehr Sport machen zu wollen, ist das eine. Doch wie viele es wirklich ernst meine, ist kaum zu überprüfen. Interessant ist dennoch der Vergleich mit den Zahlen, die bei der Frage nach Sport in der Freizeit herausgekommen sind.

Danach treibt nicht einmal mehr jeder zweite Deutsche Sport. Die Gründe für die Entscheidung für die Couch und gegen die Turnschuhe sind hauptsächlich der „innere Schweinehund“ und körperliche Beschwerden, wozu auch Übergewicht zählt. Wobei die letztere Begründung besonders häufig von Menschen über 66 genannt wurde.  

Dennoch schätzen die Experten die Tendenz kritisch ein. „Besonders bedenklich finde ich, dass sich eine ganze Bevölkerungsgruppe immer weiter von der Bewegung abzukoppeln scheint – und das in allen Lebensbereichen“, sagt der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas. Denn die Studie hat auch gezeigt, dass alle, die Sport vermeiden, sich auch vor der Bewegung im Alltag drücken. Konkret: Statt des Fahrrades wird vor allem das Auto für den Arbeitsweg genommen. Außerdem gab jeder dritte Antisportler an, dass in seinem Umfeld niemand mehr Sport treibt.

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