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Bildung "Jedes Kind kann rechnen lernen"

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"Die hohe Versagerquote ist völlig überflüssig"

Mechanische Abläufe einbläuen - Lehrer fördern das Verständnis für mathematische Zusammenhänge zu wenig Quelle: dpa

Was läuft denn konkret falsch?

Vielfach bekommen Kinder nur mechanisch Abläufe eingebläut. Das Verständnis für die mathematischen Zusammenhänge fördern viele Lehrer dagegen zu wenig. Die Folge: Viele Kinder arbeiten mit für sie unpassenden Rezepten.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Die schriftlichen Rechenarten etwa, Subtrahieren und Addieren. Die meisten Kinder lernen, dass sie als Gedächtnisstütze unten beim Übertrag eine kleine Eins hinschreiben sollen. Eine Methode, die Kultusministerien vorgeschrieben haben, als Buchhalter noch von Hand addierten und es keine Rechenmaschinen gab. Wichtiger für das Mathematikverständnis wäre aber, dass die Kinder verstehen, warum der Weg richtige Ergebnisse liefert.

Was muss der Schüler da verstehen?

Wenn ich beim Addieren der Einer auf zwölf komme, dann bündele ich zehn dieser Einer zu einem Zehner. Das notiere ich mit der kleinen Eins, weil ich diesen einen Zehner nun zu den anderen Zehnern addieren muss. Dieses Vorgehen muss man nicht vorgeben, der Lehrer kann die Schüler dazu bringen, es selbst zu entdecken. Aber wenn man es vorgibt, dann muss man hinterher auch darüber sprechen, warum das ein sinnvolles Vorgehen ist. Die Frage muss immer lauten: Warum funktioniert dieses Verfahren?

Wo die Schulen am besten sind
Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat Quelle: dpa
Schülerinnen und Schüler der Klassen drei und vier der Grundschule Langenfeld Quelle: dpa
SaarlandStärken: Im Saarland machen 51,9 Prozent das Abitur. Das ist über Bundesdurchschnitt und befördert das Land damit in die Spitzengruppe im Ländervergleich. Auch in puncto Integration ist das Saarland weit vorne: Nur 4,3 Prozent aller Schüler sind vom Regelschulsystem ausgeschlossen und werden in speziellen Förderschulen unterrichtet. Schwächen: Wirkliche Schwächen haben die Schulen beziehungsweise das Bildungssystem im Saarland laut dem Chancenspiegel nicht. In den einzelnen Bereichen der Kategorien Durchlässigkeit und Kompetenzförderung bewegt sich das Bundesland immer im Mittelfeld. So hat ein Kind auf einer sozial starken Familie eine dreimal höhere Chance, aufs Gymnasium zu gehen als ein Kind aus einer schwächer gestellten Familie. Das ist unschön, aber immer noch überdurchschnittlich gut. 15,9 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe 1 besuchen eine Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 26,9 Prozent). Ländervergleich: Untere Gruppe. Auch das Verhältnis 1:3,3 beim Wachsel der Schulform (pro Schüler, der von der Real- oder Hauptschule "aufsteigt", wechseln 3,3 Schüler vom Gymnasium auf die Realschule beziehungsweise von Real- zu Hauptschule) liegt noch unterhalb des Bundesdurchschnitts von 1:4,3. Auch im Lesen sind saarländische Schüler aud den vierten und neunten Klassen mittelmäßig. huGO-BildID: 25450255 ARCHIV - Schüler und Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat. Zu den Ergebnissen der Koalitionsrunde vom Wochenende gehört das Ziel, noch in dieser Wahlperiode eine Grundgesetzänderung zu erreichen, die das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufhebt. Foto: Frank Rumpenhorst dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Eine behinderte Schülerin sitzt am 01.11.2011 im Gebäude einer Integrierten Gesamtschule Quelle: dpa
Constanze Angermann steht vor dem Finale des Schreibkampfes "Frankfurt schreibt! - Der große Diktatwettbewerb" vor einer Tafel Quelle: dpa
 Ein Schulkind bearbeitet Schulaufgaben Quelle: dpa
Malstunde in der deutsch-chinesischen Kita im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Quelle: dpa

Warum ist das so wichtig?

Es gibt viele Kinder, die beispielsweise in höheren Klassen noch mit den Fingern addieren und subtrahieren. Die haben nicht verstanden, dass sie Mengen miteinander vereinen oder trennen und dass die Zahlen lediglich Kennzeichen für diese Mengen sind. Der Schüler muss verstehen, was mit diesen Mengen passiert. Aber darüber wird leider im Unterricht kaum geredet.

Wie vielen Kindern erschließt sich das denn nicht von selbst?

Ich habe mit meinem Jenaer Rechentest untersucht, welche Kinder nach dem ersten Schuljahr noch erheblichen Förderbedarf haben. Das war etwa ein Viertel der Schüler.

Das ist eine erschreckend hohe Quote, oder?

Ja, sie ist erschreckend, vor allem weil sie vollkommen überflüssig ist. Denn es gibt ja Lehrer, bei denen lernen alle Kinder rechnen.

Wirklich alle?

Alle!

Und was zeichnet deren Unterricht aus?

Der Lehrer übt nicht stur Rechentechniken mit allen Schülern – egal, ob die das verstehen oder nicht. Er diskutiert stattdessen, warum eine Technik funktioniert.

Kann das mit Klassengrößen von 25 Kindern und mehr überhaupt funktionieren?

Natürlich sind kleinere Klassen besser. Aber unsere Erfahrung ist, dass zwei Drittel der Kinder gar nicht beschult werden müssten. Ihnen reicht es, wenn der Lehrer interessante Aufgaben stellt, den Lösungsweg erarbeiten sie selbst. Umso intensiver muss der Lehrer dann auf das verbleibende Drittel eingehen, das eben nicht alleine klarkommt.

Versagen denn bloß die Lehrenden, oder gibt es auch ein Problem mit der Lehrerausbildung?

Die Mathematikdidaktik hat sich mit der Frage, wie ich Schülern am besten die Grundlagen der Mathematik beibringe, leider lange zu wenig beschäftigt. Erst langsam tut sich wieder was. Inzwischen gibt es auch neue Handbücher für Lehrer. Aber das kann nur der erste Schritt sein.

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