Biomasse aus dem Teich Forscher machen Treibstoff aus Entengrütze

Sie schwimmt auf Teichen und Seen und soll bald auch Autos antreiben. Forscher setzen auf Wasserlinsen als Biomasse. Aus ihnen soll der bislang so umstrittene Biotreibstoff Ethanol gewonnen werden.

Aus Entengrütze soll Bio-Treibstoff werden. Quelle: dpa/dpaweb

Teichbesitzer hassen und bekämpfen sie, Aquarienfreunde kaufen sie extra in der Zoohandlung, um sich ein möglichst natürliches Gewässer ins Wohnzimmer zu holen. Und jetzt sind auch Forscher auf sie aufmerksam geworden: Die Wasserlinse, im Volksmund auch Entengrütze genannt, ist jetzt die neue Hoffnung am Treibstoffhimmel. Statt aus Mais und Raps soll nun aus Entengrütze Bioethanol gewonnen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Wasserlinse vermehrt sich - sehr zum Missfallen der Teicheigner - wie Unkraut und es ernährt sich auch niemand davon. Die Diskussion um Lebensmittel im Tank fiele also weg.

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Außerdem gedeiht die Entengrütze wegen ihrer Robustheit auch auf verschmutztem oder Salzwasser. Und sie lässt sich einfach von der Wasseroberfläche abfischen. Laut einem Bericht des Magazins Industrial and Engineering Chemistry Research, aus dem die Süddeutsche Zeitung zitiert, kann die Entengrütze auch zur Herstellung von Diesel oder Kerosin genutzt werden. "Wasserlinsen produzieren pro Hektar und Jahr im Schnitt etwa fünfmal soviel Biomasse wie Mais. Und sie blockieren dabei keine Anbauflächen für Nahrungsmittel", zitiert das Blatt den Jenaer Chemiker Klaus Appenroth.

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Einziges Problem bei der Biosprit-Produktion aus Wasserlinsen wären die Temperaturen hierzulande: Die Wasserlinse hat es gerne warm. Fällt die Temperatur unter zehn Grad, hört die Pflanze auf, sich zu vermehren. Man müsste die Pflanzen also zumindest über die kalten Monate im Labor züchten, statt einfach die Teiche der Republik abzuernten.

In Europa gibt es drei Arten der Pflanze, unter anderem mit dem klangvollen Namen "Bucklige Wasserlinse". Weltweit sind 15 Arten bekannt. Nur sind sich Forscher noch uneinig, welche Art sich am Besten zur Gewinnung von Ethanol eignet. Noch gibt es bloß Laborversuche.

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