Biotechnik Ohne Moos nix los

Der diesjährige Ernst & Young-Report attestiert der deutschen Biotechnik-Industrie zwar großes Potenzial, stellt aber angesichts eines ausgedörrten Kapitalmarkts fest, dass die Branche stagniert. Steuerbefreiung auf Biotech-Investments soll Abhilfe schaffen.  

Die Biotechnik hat Potential. Quelle: ZBSP

Das Bild, das der gerade vorgestellte Deutschen Biotechnologie-Reports der Beratung Ernst & Young (EY) zeichnet, ist düster: Die deutsche Biotech-Branche befinde sich in einem Zustand fortwährender Stagnation. Die Zahl der Unternehmen sei mit 409 annähernd gleich geblieben, ebenso die Zahl der Beschäftigten (rund 9700). Der Branchenumsatz ist laut EY um sieben Prozent gesunken: von 1,12 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 1,04 Milliarden Euro im Jahr 2013, ebenso die Ausgaben für Forschung und Entwicklung – unter dem Strich minus sechs Prozent.

Dass die Branche sich so wenig dynamisch entwickelt, liegt für den Studienautor und Leiter des deutschen Life Science Centers von EY, Siegfried Bialojan, ganz klar an der schwierigen Finanzierungssituation. Zwar hättenBiotech-Unternehmen 2013 insgesamt zehn Prozent mehr Kapital erhalten als 2012: Die Finanzierungssumme stieg von 294 Millionen Euro auf 325 Millionen Euro. Allerdings sei das immer noch erheblich weniger als in den viel erfolgreicheren Jahren vor der Finanzkrise. Damals akquirierten Biotech-Unternehmen durchschnittlich 500 Millionen Euro frisches Kapital pro Jahr.

Genau das Gegenteil sei in den USA der Fall: Der Markt für Wagniskapital habe sich dort deutlich erholt, börsennotierte Branchenunternehmen hätten auf breiter Front Kapitalerhöhungen vorgenommen, und 41 Biotech-Firmen schafften den Börsengang. „In Deutschland dagegen ist ein Exit über die Börse so gut wie unmöglich“, so Bialojan. Seit 2006 gab es hierzulande keinen Biotech-IPO mehr.

„Die Zeit bis zum Erreichen der Wachstumsphase ist eine gefährliche Durststrecke, die viele nicht überstehen“, sagt Bialojan. Langfristig dürften so auch immer weniger Gründer nachrücken, trotz enormer staatlicher Investitionen in die entsprechende Frühphasen-Förderung.

Ohne Moos nix los – mit dem Gunter-Gabriel-Song-Titel lässt sich die Tristesse wohl auf den Punkt bringen.

Zukunftspotenzial nicht vergeuden

Weil die Biotechnik aber enormes Potenzial hat, Umsatzzuwächse nicht nur in der Pharmaindustrie, sondern auch in der Chemiebranche, bei Biotreibstoffen und in der Lebensmittelindustrie zu generieren, müsse hier dringend etwas passieren.

Die Geschichte der Genetik
Bereits Wissenschaftler der Antike interessierten sich für Fragen der Vererbung. Etwa 500 vor Christus erklärte der griechische Philosoph Anaxagoras, dass der Embryo im männlichen Spermium bereits vorgeformt sei. Dass nur der Mann Erbanlagen besitze, behauptete auch Aristoteles etwa 100 Jahre später. Ähnliche Vorstellungen hielten sich noch bis in die Neuzeit hinein, da es an Instrumenten und Technik fehlte, um tiefer in die Forschung eintauchen zu können. Quelle: Gemeinfrei
Den Grundstein zur sogenannten modernen Vererbungslehre legte Gregor Johann Mendel. Der Augustinermönch schrieb 1865 die sogenannten Mendelschen Regeln nieder. Sie erfassen bis heute die Prinzipien für die Vererbung körperlicher Merkmale. In seiner Forschung experimentierte Mendel mit Erbsen, und zwar mit sieben unterschiedlichen Merkmalen reinrassiger Erbsenlinien, und fasste die Ergebnisse seiner Kreuzungsversuche zu drei Grundregeln zusammen. Quelle: Gemeinfrei
1869 wurden in Fischspermien erstmals Nukleinsäuren, die Bausteine der DNA (Desoxyribonukleinsäure), entdeckt. Den Zusammenhang zur Struktur der Erbsubstanz konnten Wissenschaftler bis dahin jedoch nicht herstellen. Erst 19 Jahre später entdeckte Wilhelm von Waldeyer (im Bild) die Chromosomen in menschlichen Zellen. Quelle: Gemeinfrei
1890 wies dann der deutsche Biologe Theodor Boveri nach, dass die Chromosomen Träger der Erbinformation sind.  Quelle: Gemeinfrei
William Bateson war es, der 1906 den Begriff "Genetik" für die Vererbungsgesetze einführte. Quelle: Gemeinfrei
Bereits 1903 vermutete der amerikanische Biologe Walter S. Sutton, dass paarweise auftretende Chromosomen Träger des Erbmaterials sind. Dieser Ansatz wurde ab 1907 von Thomas Morgan an der Drosophila melanogaster (eine Taufliegenart) verfolgt und ausgebaut. Morgan gelang es, Gene als Träger der geschlechtsgebundenen Erbanlagen an bestimmten Stellen der Taufliegen-Chromosomen zu lokalisieren. Für diese Leistung erhielt er 1933 den Nobelpreis für Medizin. Quelle: dpa
James Watson (im Bild) entdeckte gemeinsam mit seinem Kollegen Francis Crick 1953 die Doppelhelixstruktur der DNA. Sie stellten fest, dass das DNA-Molekül ein dreidimensionaler, spiralförmiger Doppelstrang ist, in dessen Innenraum sich die vier Basen immer paarweise zusammenschließen. Das Besondere an dieser Struktur sei, so die beiden Forscher, dass sie sich selbst kopieren könne. Damit hatten Watson und Crick auch den Mechanismus der Vererbung erklärt. Dafür erhielten auch sie den Nobelpreis. Quelle: dpa

Das Credo des Berichts ist eindeutig: Soll die Zukunftsbranche in Deutschland nicht vor die Hunde gehen, muss die Politik aktiv werden. Nicht mit weiteren Förderprogrammen, sondern mit einer Motivationshilfe für Anleger, ihr Kapital in diese Branche zu stecken. Der konkrete Vorschlag: Jeweils ein Prozent des Gesamtvermögens von Privatanlegern, Unternehmen und institutionellen Anlegern solle von der Kapitalertragssteuer befreit werden, wenn das Kapital in zertifizierte europäische HighTech-Firmen gesteckt werde.

„Ein Prozent für die Zukunft“, so lautet die Kurzformel dazu. Sie ist zugleich der Titel des diesjährigen Biotechnologie-Reports.

Die Idee dazu hatte der deutsche Biotech-Unternehmer Holger Zinke, der seine Überlegungen der WirtschaftsWoche im Interview erläutert. In Kurzform formulierte er diesen Gedanken auch bei der Weihnachtswunsch-Aktion der WirtschaftsWoche. EY habe die Idee dankenswerter Weise aufgenommen, sagt Zinke: „Soll also keiner sagen, ein Beitrag in der WiWo würde keine Wirkung entfalten.

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