WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Blutdruck Welcher Blutdruckwert ist gesund?

Seite 2/2

Herzschwäche eine der Haupttodesursachen

Ausgeschlossen wurden Diabetiker, Menschen, die bereits einen Schlaganfall hatten und solche mit symptomatischen Herzkrankheiten, Eiweißausscheidungen und sekundärer Hypertonie, listet Dörffel auf. Das sind Patienten, deren Bluthochdruck auf einer konkreten Krankheit wie Schlafapnoe oder einem Nierenleiden beruht. „Die primäre Hypertonie, die etwa 90 Prozent der Fälle ausmacht, geht auf genetische Komponenten und vor allem Lebensstilfaktoren zurück.“ Stress und überhöhter Salzkonsum zählen dazu, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine fettreiche Ernährung.

Die verbreitete Ansicht zu den „Sprint“-Ergebnissen sei, dass sich das Drittel weniger kardiovaskulärer Ereignisse vor allem auf Schlaganfälle und Herzinfarkte beziehe, erklärt Dörffel. „Das ist falsch, dabei gibt es keinen deutlichen Unterschied.“ Einen Rückgang gebe es vielmehr vor allem bei den Herzschwäche-Zahlen. Genau das sei die Falle im gesamten Konstrukt, betont die Medizinerin.

Welche Faktoren unsere Gesundheit beeinflussen
Sozioökonomischer StatusGesundheitschancen und Krankheitsrisiken sind sozial ungleich verteilt. Sozial benachteiligte Menschen sind auch gesundheitlich schlechter gestellt und anfälliger für einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Depression. Auch sterben sie in der Regel früher. Dieser Zusammenhang ist nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erkennen, sondern auch in Industriestaaten. Sichtbar wird der Unterschied auch beim Einkommen: Frauen mit niedrigem Einkommen haben eine um acht Jahre geringere Lebenserwartung als solche, die besser verdienen. Bei Männern beträgt der Unterschied sogar elf Jahre. Quelle: Bericht "Gesundheit in Deutschland 2015" des Robert Koch Instituts Quelle: dpa
Arbeitsbelastung2013 waren in Deutschland 68,8 Prozent der Frauen und 77,7 Prozent der Männer im Alter zwischen 15 und 65 Jahren erwerbstätig. Die Zahl steigt kontinuierlich - und damit die gesundheitlichen Risiken: Die Belastungen und Anforderungen im Job haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – Fehlzeiten und Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen sind typische Folgen. Die Arbeitsbedingungen insgesamt haben sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch deutlich verbessert: Immer mehr Menschen arbeiten im Dienstleistungsbereich, weniger im Industrie- oder Agrarsektor. Quelle: dpa
ArbeitslosigkeitKnapp 2,9 Millionen Menschen waren in Deutschland im Jahr 2014 ohne Job. Das kann sich auch auf die Gesundheit auswirken: Wer arbeitslos oder geringfügig beschäftigt ist, leidet häufiger unter seelischen Belastungen, greift häufiger zur Zigarette und treibt weniger Sport als jemand, der ein geregeltes Berufsleben hat. Quelle: dpa
Familiäre LebenssituationDie private Lebensform beeinflusst das gesundheitliche Wohlbefinden sowie die eigene Einstellung zur Gesundheit. Vor allem Kinder leben dann besonders gesund und können ein sicheres Bindungsverhalten entwickeln, wenn sie eine gute Beziehung zu den Eltern oder anderen primären Bezugspersonen pflegen. Auch das Familienklima, der Erziehungsstil sowie schwere Erkrankungen eines Elternteils haben Einfluss auf die gesundheitliche Entwicklung von Kindern. Eine Trennung der Eltern wiegt besonders schwer im Kindes- und Jugendalter. Starke Konflikte, ein Umzug in ein neues Wohngebiet sowie ein Schulwechsel können zu psychosozialen Belastungen führen. Im Erwachsenenalter leben in der Regel die Frauen und Männer gesünder, die in einer festen Partnerschaft oder Ehe leben. Quelle: dpa
MigrationEtwa 20 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt, 2013). Der gesundheitliche Zustand von Migranten hängt sowohl vom Herkunfts- als auch vom Zuwanderungsland ab. Je länger der Aufenthalt dauert, desto mehr nehmen die Einflüsse aus dem Herkunftsland wie beispielsweise schlechtere Hygiene oder eine mangelhafte ärztliche Versorgung ab. Doch oft verhindern sprachliche und kulturelle Barrieren weiterhin eine optimale gesundheitliche Versorgung in der neuen Heimat. Häufiger leiden Migranten aber auch an seelischen Belastungen. Viele von ihnen treiben weniger Sport und ernähren sich weniger gesund. Allgemein sind Menschen mit Migrationshintergrund jedoch nicht gesünder oder häufiger krank als andere. Quelle: dpa
Wohnen und UmweltDie Wohnverhältnisse in Deutschland sind in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich besser geworden – vor allem in den Städten. Da immer mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen und dieser Trend auch künftig zunehmen wird, wandeln sich die Wohn- und Lebensbedingungen entsprechend. In den Städten ist zwar die Infrastruktur besser, doch auch die Schadstoffbelastung höher: Zu den Emissionen des Straßenverkehrs kommen Abgase aus verschiedenen Fabriken. Besonders schädlich für die Menschen sind Feinstaub und Stickstoffdioxid – und der mit Abstand größte Verursacher von Stickstoffoxiden sind Autos, insbesondere Dieselfahrzeuge. Auch Lärmbelästigungen durch Verkehr oder Nachbarn sind in den Ballungszentren verbreiteter als in ländlichen Regionen. Quelle: dpa
Körperliche und sportliche AktivitätenWer häufig Sport treibt, fühlt sich nicht nur gut, sondern tut gleichzeitig etwas Gutes für die Gesundheit: Das Risiko, an Diabetes, Krebs, Osteoporose oder Depression zu erkranken, sinkt automatisch. Und regelmäßiger Sport hilft dabei, Herz und Kreislauf fit zu halten und entsprechenden Erkrankungen vorzubeugen. In Deutschland treiben mehr als drei Viertel der Kinder und Jugendlichen Sport. Etwa zwei Drittel der Erwachsenen sind zumindest gelegentlich aktiv. Je älter die Menschen werden, desto häufiger vergeht ihnen die Lust, sich zu bewegen. Fitness-Fazit: Die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfüllen lediglich zwei Fünftel der Erwachsenen und ein Viertel der Minderjährigen. Quelle: dpa

„Herzschwäche ist in der getesteten Altersgruppe generell eine der Haupttodesursachen - und die Mehrzahl der verwendeten Medikamente sind genau solche, wie man sie auch bei Herzinsuffizienz verwendet“, erklärt Dörffel ihre Theorie dazu. Der Schluss liege daher nahe, dass mit der intensiven Therapie sehr gut drohende Herzinsuffizienzen verhindert wurden - die Blutdruckeinstellung hingegen für die verminderte Todesrate eine geringe Rolle spielte.

Große Unterschiede habe es zwischen Männern und Frauen gegeben, ergänzt Middeke vom HZM. „Insofern muss man genau gucken, wer letzten Endes tatsächlich profitieren kann von einer intensiven Therapie“, so sein Fazit. „Man kann das Ergebnis nicht verallgemeinern.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nach Dörffels Einschätzung sollten die angestrebten Werte für die meisten Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko unverändert bleiben - zumal beim Ziel 120 ein Absacken auf gefährlich niedrige Werte drohe. „Das kam hochsignifikant häufiger vor.“. Die intensiv therapierten Patienten seien häufiger ohnmächtig geworden, ihr Elektrolythaushalt sei öfter gestört gewesen, es habe mehr Fälle von Nierenversagen gegeben. Dörffel: „Das ist lebensgefährlich.“

    Forschung



    Bisher schauen Blutdruckpatienten in Deutschland alle drei bis sechs Monate beim Arzt vorbei und nehmen nach kurzem Beratungsgespräch ein neues Rezept mit. „Mit einem Ziel von 120 werden monatliche Kontrollen nötig, weil die Nebenwirkungen größer sind“, sagt Sanner. Für die ohnehin schon vollen Praxen sei das eine große Herausforderung. „Dieser Einsatz lohnt aber“, ist er überzeugt.

    Für sinnvoll hält er eine Anpassung auf einen Zielwert von 120 bei einem Teil der über 75 Jahre alten Blutdruckpatienten und bei Menschen über 50 mit kardiovaskulären Risiken. „Das ist schon ein relevanter Teil, bestimmt 30 bis 40 Prozent aller Patienten.“ Allerdings müsse jeder Fall einzeln entschieden werden.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%