Blutdruck Welcher Blutdruckwert ist gesund?

Mit steigendem Blutdruck wächst das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass Hypertonie medikamentös stärker vermindert werden sollte als bisher.

Ein Arzt misst den Blutdruck. Quelle: dpa

Ist 120 die neue 140? Das Ergebnis der „Sprint“-Studie in den USA war im vergangenen Jahr, dass zumindest für bestimmte Bluthochdruck-Patienten ein systolischer Zielwert von 120 günstiger ist als die bisher anvisierten 140. Seither strömen auch in deutsche Arztpraxen und Kliniken ratsuchende Patienten. „Viele fragen, wann sie nun auf 120 eingestellt werden“, sagt Yvonne Dörffel, Leiterin der Medizinischen Poliklinik der Charité in Berlin. Deutsche Experten sind uneins, in welchem Maße das Ergebnis praxistauglich ist. „Ich sehe nicht, dass das überhaupt bei einer höheren Zahl von Hochdruckpatienten gemacht werden sollte“, meint Dörffel.

In Deutschland hat nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin fast jeder dritte Erwachsene Bluthochdruck. Damit verbunden ist ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, koronare Herzerkrankung und Herzinsuffizienz, aber auch für chronische Niereninsuffizienz und Demenz.

Zehn Tipps für ein langes Leben
Sich außer Atem bringen...Eine Viertelstunde am Tag sollte ihr Herz richtig Arbeit bekommen. Gehen Sie Laufen oder Radfahren, so treiben Sie die Herzfrequenz am besten nach oben. Das ideale Level für diese Training liegt 50 Prozent über dem Ruhewert. Sport verringert das Risiko von Herzkrankheiten, Fettleibigkeit, Diabetes und Depression. Leistungssport hilft übrigens auch im Kopf fit zu bleiben. Studien zeigen, dass ältere Menschen, die sich viel bewegen, die Hirnsubstanz vor dem Schrumpfen schützen. Quelle: dpa
Das Gläschen Wein am Abend...Rotwein in Maßen kann das Risiko für Herzkrankheiten senken. Wer sich etwas gönnen will, kann das Angenehme also mit dem Nützlichen verbinden, indem er abends ein Schlückchen Rotwein trink. Ein Gläschen wohlgemerkt - keine Flasche. Ideal ist ein Glas für Frauen, zwei für Männer. Quelle: dpa
Der Körper liebt Routinen - geben Sie sie ihm...Eine der besten Möglichkeiten, um körperlichen Stress zu vermeiden, ist Regelmäßigkeit: Zur selben Zeit aufstehen (auch am Wochenende), zur selben Zeit Mahlzeiten einnehmen (unabhängig von Feiertagen oder gesellschaftlichen Anlässen) und Sport treiben. Besonders danken wird Ihnen Ihr Körper Routinen für Schlafen, Essen, Bewegung und Medikamenteneinnahme, damit bleibt er im Gleichgewicht. Quelle: Fotolia
Tun, was einem Spaß macht...Hobbies zu pflegen ist wichtig - für Körper und Geist. Ob Klettern, Tanzen oder Schach spielen - leben Sie ihre Leidenschaften aus, tun Sie Dingen, die Ihnen Spaß machen, ob allein oder in der Gruppe entscheiden Sie. Probieren Sie öfter auch einmal neues aus, das hält die Begeisterungsfähigkeit aufrecht. Wer als Mittdreißiger gerne Fußball gespielt hat, entdeckt in den Fünfzigern vielleicht seine Leidenschaft fürs Schwimmen. Quelle: Fotolia
Im Alltag öfter Durchatmen...Was macht uns am meisten krank? Stress im Büro - das ist traurig, aber wahr. Daher überlegen Sie, wie Sie den Stress am Arbeitsplatz reduzieren können. Einfache Verhaltensregeln können die nervliche Belastung mindern, z.B. in der Mittagspause einen kurzen Spaziergang machen; tief durchatmen - besonders vor unangenehmen Telefonaten. Nach Feierabend Frust lieber bei einer Jogging-Runde statt zwei Gläsern Bier abbauen. Oder überlegen Sie, was Sie zwischendurch aufmuntert und besuchen Sie einmal am Tag zu einem festen Zeitpunkt ihre Lieblingswebsite. Lächeln erlaubt - gerade im Büro! Quelle: Fotolia
Essen Sie gut...Es ist nicht neu, aber die wenigsten von uns tun es: viel Obst und Gemüse essen - möglichst farbenfroh, also rote, gelbe und grüne Sorten mischen. Auch Tiefkühl-Gemüse enthält viele Vitamine. Fleisch und Wurst gehören auch auf den Speiseplan, aber nicht öfter als drei mal pro Woche. Zu viel Fleisch erhöht das Risiko für manche Herz-Kreislauferkrankungen. Mindestens drei Portionen Kaltwasserfisch pro Woche wie Lachs, Forelle, Heilbutt, Kabeljau oder Hering gehören stattdessen auf den Tisch. Quelle: Fotolia
Aufstehen und bewegen - gerade im BüroLange Sitzphasen führen zur Verspannungen und Kopfschmerzen und haben negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel - unabhängig davon, wie viel man sich insgesamt am Tag bewegt. Daher: Hinter hochkriegen und öfter mal zwischendurch aufstehen und bewegen, bewegen, bewegen... Quelle: Fotolia

Blutdrucksenkende Medikamente sollten bei allen Patienten mit hohem Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko eingesetzt werden - unabhängig von ihrem Blutdruck, forderten Mediziner kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Der Grenzwert von 140 für die Behandlung mit Tabletten sei zu hoch. Die Wissenschaftler hatten 123 Studien von 1966 bis 2015 ausgewertet, an denen insgesamt mehr als 600 000 Menschen beteiligt waren. Einschränkend merken sie unter anderem an, dass die Studien teils nur bedingt vergleichbar waren.

Sehr skeptisch äußerte sich der Leiter des Hypertoniezentrums München, Martin Middeke, über die Meta-Analyse: „Man kann nicht alles über einen Kamm scheren. Die Behandlung des Blutdrucks ist immer eine individuelle Therapie.“

Dass ein erhöhter Blutdruck ab etwa 115/70 mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht, sei aus großen Studien schon lange bekannt, erklärt Bernd Sanner, Chefarzt am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal. „Umgekehrt hat man sich dann gefragt: Wenn man versucht, einen überhöhten Blutdruck zu senken, welcher Zielwert ist dann gesundheitlich sinnvoll?“

Zehn Mittel gegen Stress
Plane den TagDer beste Weg Stress zu bekämpfen ist zu vermeiden, dass er überhaupt entsteht. Das funktioniert durch Planung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des US-Psychologen und Selbsthilfe-Autors Robert Epstein unter 3000 Teilnehmern in 30 Ländern. Die meisten der Befragten nannten eine gute Planung als wirksamstes Mittel gegen Stress. Quelle: dpa
Schau dir süße Tiere anDas Internet quillt über von süßen Tierfotos und -videos. In seinem Buch „59 Seconds: Change Your Life in Under a Minute“ berichtet Autor Richard Wiseman von einer Studie, in der sich die Probanden Tierfilme angeschaut haben. Ihre Herzfrequenz und ihr Blutdruck sanken in weniger als einer Minute. Quelle: dpa
Geh in die NaturDie Nähe zur Natur hilft, Stress zu vergessen. Eine Umfrage unter mehr als 4500 Niederländern zeigt, dass Menschen, die in einer Gegend mit viel Grün innerhalb eines Umkreises von drei Kilometern leben, weniger von stressigen Lebenssituationen beeinflusst werden und eine höhere mentale Gesundheit aufweisen. Quelle: dpa
Umgebe Dich mit KunstKunst senkt Stress. In einem Experiment mussten 210 US-Studenten Aufgaben an einem Computer lösen – manche davon in einem Raum mit Naturgemälden und abstrakter Malerei. Jene Teilnehmer, die von Kunst umgeben waren, fühlten weniger Wut und Stress. Quelle: dpa
Definiere deine AufgabenMehr Anforderungen, mehr Druck? Im Gegenteil, fand eine US-Studie unter knapp 1500 Armeekadetten heraus, die an einem 35-tägigen Assessment-Center teilgenommen haben. Je mehr Anforderungen, an die Kadetten gestellt wurden, desto weniger beruflichen Druck verspürten sie. Schließlich waren sie sich über ihre Rolle im Klaren. Andere waren unsicherer – und somit auch gestresster. Quelle: Fotolia
Verzichte auf ÜberstundenÜberstunden machen wohlhabender? Das stimmt, aber sie machen nicht glücklicher. Der zugleich anfallende Stress, die Erschöpfung und Konflikte zwischen Arbeit und Freizeit gleichen den Effekt auf die Zufriedenheit wieder aus, stellt eine Studie der Pennsylvania State University fest. Quelle: dpa
Sieh das PositiveStress fängt im Kopf an. Wer sich ständig sorgt, empfindet mehr Stress als Menschen, die positiv denken. In einer Studie mussten Probanden Aufgaben erledigen, während sie entweder über ein persönlich Besorgnis erregendes Thema oder über ein erfreuliches Thema nachdenken sollten. Das Resultat: Wer sich Sorgen machte, war weniger produktiv. Das bedeutet am Ende noch mehr Stress. Also lieber zuversichtlich sein und effizient arbeiten, als sich über den Stress den Kopf zu zerbrechen und kaum voran zu kommen. Quelle: Fotolia

Bei der „Sprint“-Studie wurden zwei Behandlungsansätze verglichen: Ein Teil der Patienten erhielt eine intensive Therapie mit einem systolischen Blutdruck unter 120 als Ziel. Der andere Teil bekam die Standardtherapie, die einen Wert von 140 anstrebt. Mehr als 9300 Menschen wurden einbezogen.

Das im „New England Journal of Medicine“ vorgestellte Ergebnis liest sich durchaus beeindruckend: Gut ein Viertel weniger Todesfälle gab es demnach bei intensiver Therapie und ein Drittel weniger kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Koronarsyndrom, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz. Beeindruckend ist allerdings auch die Liste der Einschränkungen - und die der Nebenwirkungen.

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