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Börsengang Wie die CIA Palantir groß gemacht hat

Die CIA-Zentrale in Virginia. Der Investmentarm des US-Geheimdienstes war maßgeblich daran beteiligt, Palantir groß zu machen.  Quelle: REUTERS

Mehr als 30 Prozent Kurszuwachs am ersten Handelstag: Palantir ist erfolgreich an die Börse gegangen. Ohne den CIA-eigenen Fonds In-Q-Tel wäre das Start-up nicht zu dem geworden, was es heute ist. Kann diese Art der staatlichen Schützenhilfe ein Vorbild auch für Deutschland sein?

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Der Börsengang von Palantir in New York ist geglückt: Die Aktien der Datenanalysefirma sind auf rege Nachfrage von Anlegern gestoßen. Der Einstandskurs lag bei 10 Dollar und damit erheblich über dem Referenzpreis von 7,25 Dollar. Insgesamt wurde das Unternehmen im frühen US-Handel am Mittwoch mit rund 17 Milliarden Dollar bewertet. Dass das kalifornische Datenunternehmen jetzt an die Börse gegangen ist, hat es dies zu einem guten Teil dem US-Geheimdienst CIA zu verdanken – genauer, dessen Investmentarm In-Q-Tel. Der staatliche Fonds investiert seit 1999 pro Jahr geschätzte 120 Millionen Dollar in Form von Eigenkapital in jene High-Tech-Start-ups, deren Technologie den US-Geheimdiensten und Militärs künftig nützen könnte. Inzwischen hat er sich an mehr als 250 Gründungen beteiligt, den meisten in den USA. Seit Neuestem investiert er aber auch zunehmend in Deutschland.

Eine der allerersten Beteiligungen dieses verschwiegenen Investors war Palantir. Für so manchen Beobachter in der hiesigen Start-up-Szene, aber auch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), ist der Fall deshalb heute ein Paradebeispiel dafür, wie strategische staatliche Start-up-Förderung im Idealfall auch hierzulande ablaufen sollte.

Es war das Jahr 2003, als Peter Thiel, Mitgründer des Zahlungsdienstleisters PayPal, auf die Idee kam, eine Software zu schaffen, mit der sich Terroristen aufspüren lassen. In den Jahren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war das schließlich ein alles überlagerndes Thema. Basis, so stellte sich Thiel das Vorhaben vor, sollte ein Tool sein, mit dem er einst PayPal vor russischen Cyberkriminellen geschützt hatte. Er holte seinen früheren Stanford-Kommilitonen Alexander Karp an Bord, investierte selbst von seinen Millionen, die der Verkauf von PayPal an Ebay gebracht hatte, in die Idee. Einige Monate später stellten Karp und Thiel das Konzept mehreren Wagniskapitalfirmen vor. Eine dieser Firmen lehnte zwar ab, verwies die beiden aber an jenen damals noch jungen Investmentarm der CIA.

In-Q-Tel – der Name ist eine Kombination aus dem englischen Wort für Spionage „Intelligence“ und der James-Bond-Figur „Q“ – investierte schließlich im September 2005 zwei Millionen Dollar in Palantir. Noch im selben Jahr stellte Karp die Technik den Spionen selbst vor, erzählte er 2009 in einem Interview dem „Wall Street Journal“. In-Q-Tel arrangierte Treffen mit Analysten eines US-Geheimdienstes. Mit denen gemeinsam entwickelte Palantir schließlich eine Suchmaschine, die tatsächlich Terroristen aufzuspüren vermag. Das Unternehmen schaffte es, die gewaltigen Datenmengen, auf denen die US-Spione saßen, zielgerichtet zu durchforsten und Verbindungen herzustellen, die vorher verborgen blieben.

Palantir markierte hierzu Vornamen, Nachnamen, Telefonnummern, Adressen, Flugdaten, Kontonummern. So konnten die Analysten später nach Verbindungen suchen. Ihnen gelang es mit Hilfe von Palantir schließlich, ein Netzwerk aus Selbstmordattentätern in Syrien aufzudecken, die Software half, Terroristen in Pakistan zu finden und sie enttarnte feindliche Spione. Selbst beim Aufspüren von Osama Bin Laden soll Palantirs Suchalgorithmus eine entscheidende Rolle gespielt haben.


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Heute wird die Technik des kalifornischen Unternehmens auch außerhalb der Geheimdienstwelt eingesetzt. Der Darmstädter Merck-Konzern, der Ölmulti BP und die Bank Credit Suisse gehören zu den Kunden von Palantir. BP etwa, wo die Software dabei hilft, neue Öl- und Gasvorkommen aufzuspüren, ist seit 2014 Anteilseigner bei Palantir. Der Konzern schätzt laut „Sunday Times“, dass er die Ölproduktion etwa in der Nordsee dank Palantir um zehn Prozent steigern konnte. 2019 setzte Palantir mit solchen und anderen Projekten immerhin 743 Millionen Dollar um. Eine Veröffentlichung bei der US-Börsenaufsicht beziffert den ungefähren Wert des Unternehmens mit 20 Milliarden Dollar. Die New Yorker Börse hatte den Referenzpreis für die Palantir-Papiere jetzt auf 7,25 Dollar festgesetzt. Damit ist Palantir mit 15,76 Milliarden Dollar bewertet. Beim Börsendebüt legten die Palantir-Aktien in New York dann einen Kurssprung von 38 Prozent hin. Damit kommt die Datenanalysefirma auf einen Börsenwert von fast 22 Milliarden Dollar. Die Aktie kletterte auf zehn Dollar.

Die USA unterstützten Hightech-Start-ups deutlich konsequenter, sagt Matthias Wachter, beim Bundesverband der Deutschen Industrie unter anderem für die Sicherheitswirtschaft zuständig. Deutschland müsse da ähnlich konsequent vorgehen. „Wir brauchen mehr Ankeraufträge für hiesige Technologie-Start-ups. Das hilft den Unternehmen, schneller an den Markt zu kommen, schneller zu wachsen und schneller Investoren zu finden“, so Wachter.

Und bei Unternehmen, die strategisch für Deutschland wichtig sind, muss sich der Staat Start-up-Experten zufolge wie In-Q-Tel in den USA im Zweifel auch schon mal selbst beteiligen. In-Q-Tel jedenfalls zählt Palantir noch heute offiziell zu seinem Fonds-Portfolio.

Mehr zum Thema: China will zur dominierenden Militärmacht werden. Deshalb versucht das Land nun, weltweit Innovationen abzugreifen, die für den Bau neuer Rüstungstechnik taugen. Im Fokus: deutsche Hightech-Start-ups.

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