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CO2-Recycling Der Klimakiller als Rohstoff

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Positiver Klimaeffekt

Welche Politiker eine Dreckschleuder fahren
Klimaschützer der LandesregierungenDer Hamburger Innensenator und SPD-Politiker Michael Neumann (links) fährt laut einer aktuellen Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sehr klimaschonend: Sein BMW 520d verbraucht mit 123 Gramm pro Kilometer am wenigsten CO2. Hinter ihm liegt Hamburgs Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD), ihr Mercedes Benz C220 braucht 125 Gramm CO2/km. Quelle: dpa
Klimaschützer der LandesregierungenSparsam im Verbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß ist auch der Audi A4 von Brandenburgs Finanzminister Helmut Markov (Linkspartei): 127 Gramm CO2/km.
Klimaschützer der LandesregierungenBremens grüne Finanzsenatorin Karoline Linnert (Foto) fährt einen Mercedes Benz E220 - und verbraucht vergleichweise wenig CO2 (130 g/km), ebenso ihre Kollegin, die Senatorin für Soziales, Anja Stahmann. Quelle: ap
MinisterpräsidentenBesonders große Klimasünder sind der DUH-Erhebung zufolge die Ministerpräsidenten, deren Dienstwagen die Zielmarke zum Teil um das Doppelte übertreffen - so etwa Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (links) von der CSU (278 Gramm CO2/km). Ebenso hoch im Verbrauch fährt sein Innenminister Joachim Herrmann (beide BMW 750i). Quelle: Reuters
MinisterpräsidentenSeehofers hessischer CDU-Kollege Volker Bouffier (277 Gramm CO2/km) liegt auf Platz zwei der Landeschefs-Klimasünder. Quelle: dpa
MinisterpräsidentenDie nordrhein-westfälische SPD-Regierungschefin Hannelore Kraft liegt mit ebenfalls 277 Gramm CO2/km auch auf Platz 3 der Klimasünder unter den Ministerpräsidenten. Quelle: Reuters
Klimasünder der LandesregierungenDer Regierende Buergermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), sollte vielleicht öfter mit dem Fahrrad fahren. Sein CO2-Ausstoß pro Kilometer liegt bei 266 Gramm. Quelle: ap

Doch Verpackungen sind nur eines von vielen Einsatzfeldern neuer Kunststoffe. Mindestens ebenso wichtig für den Alltag sind Schäume. Sie sind Basis für Turnschuhe, Sturzhelme, Matratzen und Dämmplatten. Auch sie lassen sich aus CO2 herstellen. Führend auf dem Feld ist der Chemiekonzern Bayer. In den vergangenen Monaten stellte das Unternehmen bereits etliche Tonnen flüssigen Basisstoff für Schäume aus CO₂ her – sogenannte Polyole.

Ein Katalysator auf Basis von Zink macht das möglich. Die zähflüssige Substanz besteht knapp zur Hälfte aus dem Treibhausgas. Sie wird zum gefragten Schaum weiterverarbeitet, der bisher aus Erdöl hergestellt wird. „Das können wir nun durch CO2 ersetzen“, sagt Bayer-Chemikerin Peters.

Die Chemieindustrie wäre unabhängig

Es wäre ein radikaler Richtungswechsel, denn bis dato hängt die chemische Industrie vom Erdöl ab. Um diese Abhängigkeit zu verringern, kooperiert Bayer mit dem Energiekonzern RWE als CO₂-Lieferant. Ab 2015 soll die industrielle CO2-Plastik-Produktion anlaufen.

All das nützt dem Klima. Kunststoffe aus Kohlendioxid sind „gute Langzeitspeicher“ für das Klimagas, sagt der Chemiker Walter Leitner von der RWTH-Aachen. Die Produkte haben eine lange Lebensdauer und können oft problemlos recycelt werden. Das Kohlendioxid bleibt dabei im Material gebunden. Nur wenn es in einer Müllverbrennungsanlage verfeuert würde und wieder in die Luft entweicht, wäre der Klimaeffekt dahin.

So weit zur Theorie. Doch was bringt das Klimaplastik wirklich? Die Forscher rund um den RWTH-Chemiker rechnen daher nach. Noch sind die Bilanzen nicht ganz fertig. Aber Bayer-Mitarbeiter deuten einen positiven Ausgang an. Mit solchen Bilanzen muss sich die Kohlendioxidindustrie messen lassen, findet die EU-Forscherin Quadrelli. Sie ist optimistisch, dass viele Techniken der Prüfung standhalten werden, zumal gerade eine Fülle neuer Verfahren entwickelt werde.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

So forscht etwa Bayer an der CO2-basierten Erzeugung von Ameisensäure, einer Massenchemikalie, die sich unter anderem als Enteisungsmittel eignet, als Grundstoff für Rheuma-Tabletten oder zum Imprägnieren von Leder.

Selbst texanische Kühe fressen neuerdings ein weißes Salz, in dem Kohlendioxid aus einer Zementfabrik aus San Antonio steckt. Es soll die Mägen der Tiere vor Übersäuerung schützen. Bei dem Salz handelt es sich um den massenhaft eingesetzten Stoff Natriumbikarbonat, der schon heute zum Backen, als Wandfarbe, Bleichmittel und Waschpulver eingesetzt wird. Bislang mussten Minenbetreiber jedes Jahr rund 40 Millionen Tonnen davon aus Seen und Bergwerken fördern. Die Herstellung des Stoffes aus Kohlendioxid sei dagegen um ein Drittel preiswerter, versichert Skyonic-Manager Jones.

Seit April 2010 produziert sein Unternehmen 40 Tonnen des auf CO2 basierenden Salzes jährlich. Im März begann der Bau einer größeren Fabrik für 125 Millionen Dollar. Sie soll 75.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich vernichten und im Gegenzug 143.000 Tonnen Salz liefern.

Das Produkt sei laut Jones so rein, dass sein Unternehmen es auch an Nahrungsmittelhersteller verkaufen werde, etwa für das Backen von Keksen und Sandkuchen. Auch Glasfabrikanten, Shrimps-Züchter und Algenproduzenten haben Interesse bekundet: Denn nach Studien der Universität Texas wachsen Algen nach Zugabe von Natriumbikarbonat drei Mal schneller.

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