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Design Wie neue Formen erfunden werden

Innovationen betreffen nicht nur Technologien. Ob Musik, Kunst, Mode oder Möbel – auch schöne Dinge, die unser Leben bereichern, sind auf Innovationen angewiesen.

Innovation in Formen
WaschtischDieses als Prototyp entwickelte Modell von Lago ist nicht nur hauchdünn, das Material lässt sich zudem verbiegen. Quelle: Presse
MolekularkücheKüchenavantgardist Ferran Adrià ersann in einem Labor neue Techniken wie die Schäume Quelle: Presse
KüchenmesserDie Klinge von Fisslers „bionic“ ahmt Biberzähne nach und muss nie geschärft werden. Quelle: Presse
HockerMit Laser geschnittenes Alu, das an der Perforation geknickt wird. Filigran und dennoch stabil. Quelle: Presse
OutdoorkleidungDünne, winddichte Materialien, die Schweiß nach außen transportieren, erlauben der Sportmodeindustrie mehr Gestaltungsfreiheit. Quelle: Presse

Die Idee soll keiner sehen, die Lösung sich klein, fast unsichtbar machen und den Betrachter an der Nase herumführen, damit er nicht gleich weiß, um was für einen Gegenstand es sich handelt. In diesem Fall heißt das Produkt „Straßenfeger“. Es ist im Sixties-Design hellblau und orange bemalt, sein Rahmen und sein Gummiriemenantrieb machen das Fahrrad zu einem Hingucker. Wer zweimal hinguckt, sieht: Im Vorderrad steckt ein Elektromotor; die einseitig montierte Gabel versteckt den Akku, dessen Reserveanzeige dezent oben am Lenkerkopf leuchtet. Electrolyte heißt der Berliner Hersteller, der es nicht nur schafft, mit 16 Kilo ein sehr leichtes Pedelec herzustellen, sondern auch eins, das nicht nach einem Fahrrad mit Hilfsmotor für nicht mehr ganz so bewegungsfreudige Menschen aussieht.

Möglich ist diese Verwandlung eines technischen Mauerblümchen-Produkts für die Radwege durchs Grüne in ein zeitgenössisches Lifestyle-Objekt für die Straßen Berlins dank der Zusammenarbeit von Techniker und Gestaltern. Die Zeiten, in denen Ingenieure sich clevere Lösungen ausdachten und Designer hinterher eine gute Form finden mussten, sind genauso Vergangenheit wie die, in denen Designer eine Leuchte, ein Auto oder Sofas zeichneten und die Techniker rätseln mussten, wie das Fantasieobjekt denn funktionieren könne. „Die wesentlichen Impulse im Design werden heute durch die Technologie getrieben“, sagt Peter Zec, Geschäftsführer des Designpreises Red Dot Design Award. „Je technischer das Produkt, desto höher der Anteil an Designern, die zum Unternehmen gehören und von Anfang an die Gestaltung begleiten.“

Innovation und Technologie – von gutem Essen bis zur Mode gehen diese Begriffe Hand in Hand mit der Schönheit des Gegenstands oder dem Genuss, den er dem Menschen bietet. Als der spanische Koch Ferran Adrià begann, in akribischer Kleinarbeit Pilze, Gemüse oder Fleisch zu katalogisieren und in einer Datenbank die Eigenschaften einzupflegen, legte er den Grundstein für die Erneuerung der Hochküche. Adrià verwendete zudem Zubereitungstechniken aus der sogenannten Molekularküche, deren mit flüssigem Stickstoff gefrorene Zutaten bis dahin unbekannte Geschmackserfahrungen ermöglichten.

Materialtechnologie macht Mode innovativ

Die schönsten Produkte der Welt
LG Heimkinosystem BH9440Der Schall aus fünf Kanälen, der im Wohnzimmer Rundum-Klang erzeugen soll, benötigt einen Haufen mehr Lautsprecher als das gute alte Stereo, das mit lediglich zwei Lautsprechern auskam. Je dominanter die Heimkinoausrüstung, desto nötiger deren optische Qualität – die die 40 Juroren des Red Dot Award mit dem Zusatz „Best of the Best“ würdigten, den in der Liste von 1120 mit dem Red Dot ausgezeichneten aus 4815 eingereichten Produkten lediglich 72 erhielten. Hersteller: LG Electronics Inc. Produkttyp: Heimkinosystem Produkt: BH9440 Designer: In-house Design Herkunft: Seoul (Südkorea) Quelle: Presse
Phiaton Bridge KopfhörerAuch der Kopfhörer Phiaton gehört wie die folgenden ausgewählten Produkte zu der Reihe Best of the Best des Red Dot Awards. Qualität der Kabel und Sitz auf dem Kopf überzeugten die Jury, die aus Designern besteht. Hersteller: Phiaton Corporatio Produkt: Phiaton Bridge Produkttyp: Kopfhörer Designer: TEAGUE, Seattle, USA Herkunft: Irvine, USA Quelle: Presse
ThinkPad X1 CarbonEs ist die Materialqualität aus Magnesium und Carbonfasern, die die Juroren begeisterte. Stabil und leicht – die konstruktiven Gegensätze schlechthin, wie jeder Lego-Architekt weiß – sind in diesem Laptop vereint. Design beginnt bei der Funktion und endet bei der Form – das zeigen die ausgezeichneten technischen Geräte aus der Reihe Best of Best. Hersteller: Lenovo Produkt: ThinkPad X1 Carbon Produkttyp: Notebook Designer: In-House Design Herkunft: Morrisville, USA Quelle: Presse
NOM (Nature of Material) HockerLeichtigkeit und Stabilität sind es auch, die bei den stapelfähigen Hockern und Tischen von NOM überzeugen. Jedes Stück ist aus einer Platte Aluminium geformt. Diese wird zunächst mit Laser geschnitten und dann in Form gepresst. Ein Herstellungsprozess, den die Red Dot-Jury an Origami erinnert. Hersteller: Cappellini Produkt: NOM (Nature of Material) Produkttyp: Stuhl und Tisch Designer: Bakery Studio - Ran Amitai and Gilli Kuchik (Tel Aviv, Israel) Herkunft: Meda, Italien Quelle: Presse
Ora-Ito TischVerdreht und in kreisender Bewegung wirkt das Gestell des dennoch laut Red Dot-Jury stabilen Glastischs, dessen Unterkonstruktion aus Kunststoff hergestellt wurde. Hersteller: ROCHE BOBOIS Produkt: Ora-Ito table Produkttyp: Dining table Designer: ORA-ITO Herkunft: Paris, Frankreich Quelle: Presse
Fresh Air Geruchsfreier KomposteimerDesign ist in der kleinsten Küche und für die überraschendste Funktion. Der Komposteimer für die Küche hat die eher unangenehme Aufgabe, die langsam verrottenden Dinge wie Eierschalen oder Brotreste einerseits zu beherbergen und andererseits den Nutzer nicht olfaktorisch über den Vorgang zu unterrichten. Das – so die Jury – erledigt der Komposteimer, der zudem formschön ist. Hersteller: Full Circle Home Produkt: Fresh Air Geruchsfreier Komposteimer Produkttyp: Komposteimer für die Küche Designer: In-House Design Herkunft: New York, USA Quelle: Presse
Accademia POP Badewanne Limited EditionWas auf den ersten Blick lediglich wie eine schöne Wanne aussieht, erforderte von den Konstrukteuren einige Arbeit. Das verwendete Material Duralight wurde für die Wanne Accademia in eine Form gebracht, die zuvor nicht möglich schien – um dann doch so elegant und simpel ist, dass ihre harmonischen und passenden Proportionen der Jury des Red Dot den Zusatz „Best of the Best“ wert waren. Hersteller: Teuco Guzzini SpA Produkt: Accademia POP Badewanne Limited Edition Produkttyp: Badewanne Designer: Carlo Colombo (Mailand, Italien) Herkunft: Montelupone, Italien Quelle: Presse

Adrià plant inzwischen nach der Schließung seines Restaurants El Bulli ein Institut, das sich der Zukunft der Spitzengastronomie widmen soll. „Innovation ist auf diesem Feld der entscheidende Faktor für den Erfolg“, sagt Bernd Matthies, Restaurantkritiker des „Berliner Tagesspiegel“. Auch wenn Deutschland nicht wie einst Frankreich, dann Spanien und nun Skandinavien die Spitzenküche inhaltlich vorantreibe, beantwortet Matthies die Frage, ob er sich Sorgen mache, ob hierzulande Stillstand drohe, mit einem simplen: „Nö.“

In Arbeit
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In der Modebranche hingegen hat Deutschland nur wenig Einfluss. „Gestalterisch wird deutsche Mode mit dem Bauhaus verknüpft: reduziert und spartanisch“, sagt Sabine Resch von der Akademie für Mode & Design in München. Die Dozentin für Modetheorie kennt jedoch den wichtigen Einfluss deutscher Unternehmen auf die Mode: „In der Gewebetechnologie sind deutsche Unternehmen weit vorne.“

Vor allem die Sportartikelhersteller entwerfen immer neue Produkte, deren Eigenschaften mit Leinen und Baumwolle nicht zu realisieren waren. „Es ist seit mehr als zehn Jahren ausschließlich die Materialtechnologie, die in der Mode Innovationen bringt“, sagt Resch. Zu den Errungenschaften gehören Nanofasern, die Schweiß abtransportieren und dabei Form und Farbe nicht verändern. Dank Lasermessern sind Schnittkanten und Auslassungen möglich, die sich Designer zuvor nur in der Fantasie ausmalen durften, die immer feineren Garne sorgen für Wohlgefühl auf der Haut. So kann der Mensch den Fortschritt nicht nur sehen, sondern spüren.

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