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Deutscher Innovationspreis Ein Blick auf die Nominierten

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Mittelstand: AiCuris, Celonis, Infodas

Mittelstand - AiCuris: Keine Nebenwirkungen

Patienten, die sich einer Knochenmark- oder Organtransplantation unterziehen mussten, aber auch Schwangere sind sehr anfällig für Krankheitserreger. Eine besondere Gefahr birgt das Cytomegalievirus (CMV). Etwa die Hälfte aller Deutschen trägt es in sich, kann es durch Speichel oder Blut übertragen, ohne dass das jemand merkt – und mitunter mit dramatischen Folgen. Bei ungeborenen Kindern kann eine Infektion zu Missbildungen führen. Für Transplantationspatienten zum Tod.

Medikamente gegen CMV gibt es zwar. Aber nur mit Nebenwirkungen: Sie stören etwa die Nierenfunktion oder hemmen die Blutbildung. Deshalb werden sie bei bestimmten Transplantationen nicht verabreicht.

Das Präparat Letermovir, das Helga Rübsamen-Schaeff und Holger Zimmermann entwickelt und über ihr Wuppertaler Unternehmen AiCuris seit November 2017 in Kanada und den USA, seit dem Frühjahr 2018 in Deutschland anbieten, könnte das Problem lösen: Es wirkt effektiver gegen das Virus, und Patienten vertragen es besser als bisherige Präparate. Denn Letermovir trennt den sogenannten Enzymkomplex Terminase, der für die Reproduktion des Erregers sorgt, von der DNA des Virus. Weil es nur einen Bereich des DNA-Strangs angreift und nichts anderes im Körper des Patienten, zeigt das Medikament keine Nebenwirkungen.

Die Jury des Deutschen Innovationspreises geht davon aus, dass in Zukunft mehr Transplantationen durchgeführt werden – und damit auch mehr Patienten mit geschwächtem Immunsystem dem Cytomegalievirus ausgeliefert sind. Ihnen könnte Letermovir das Leben retten. Für AiCuris, 2006 aus dem Bayer-Konzern gegründet, womöglich ein einträgliches Geschäft.

Mittelstand - Celonis: Spurensuche in Computern

In Fachkreisen gilt das Münchner Unternehmen Celonis bereits als deutsches Palantir. Das darf man durchaus als Anerkennung verstehen. Das US-Unternehmen gehört zu den wichtigsten Technologiezulieferern der amerikanischen Geheimdienste und zählt dank seiner ausgeklügelten Datenanalyse auch für weniger klandestine Branchen zu einer Handvoll Start-ups, die besonders hoch bewertet werden.

Mit den Werkzeugen von Celonis lassen sich Softwaresysteme in Unternehmen durchleuchten, die dortigen Datenspuren analysieren und die digitalen Prozesse innerhalb eines Unternehmens optimieren. Dazu durchforstet die Celonis-Software die in den sogenannten Log-Dateien abgespeicherten Prozessschritte einer IT-Anwendung und stellt diese grafisch dar. So lassen sich komplette Geschäftsprozesse visualisieren und Softwareprobleme aufdecken.

Der Fahrdienstvermittler Uber beispielsweise verbessert mit der Software von Celonis seinen Kundendienst. Auch Bayer, Siemens und Vodafone nutzen die Dienste des Mittelständlers mit inzwischen mehr als 500 Mitarbeitern weltweit.

Celonis hat sich so den zukunftsfähigen Markt für Geschäftsprozessanalyse erschlossen – und einen äußerst lukrativen. Die ersten fünf Jahre kamen die drei Gründer Martin Klenk, Bastian Nominacher, Alexander Rinke ohne fremdes Geld aus. Erst vor drei Jahren holte Celonis Investoren an Bord – und nutzte das Risikokapital, um in die USA und nach Asien zu expandieren. Mitte des vergangenen Jahres haben zwei amerikanische Wagniskapitalgeber weitere 50 Millionen Dollar investiert.

Mittelstand - Infodas: So sicher wie die Nato

Im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 33 Billionen Gigabyte an Daten verschickt. Doppelt so viel wie 2016. Und je alltäglicher solch ein Austausch von Daten in Unternehmen wird, etwa um die Buchhaltung zu digitalisieren oder die Fabrik zu vernetzen, desto wichtiger wird die Frage, wie sicher die Informationen von einem Computer zum anderen gelangen. Schließlich können Cyberkriminelle, die sich Zugang zu digitalen Bauplänen oder Bilanzen verschaffen, Geschäftsgeheimnisse ausspionieren – oder durch Sabotage Schäden verursachen.

Das Kölner Unternehmen Infodas bietet mit dem SDoTSecurity Gateway ein digitales Paket an, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik für eine Zulassung beim westlichen Militärbündnis Nato vorgeschlagen wurde und somit besonders strenge Auflagen erfüllt.

Zu diesem Paket gehören ein Hardwaremodul und eine Software, die gemeinsam dafür sorgen, dass niemand Daten in ein Netzwerk einschleusen kann, die dort nicht erwartet werden und auch nicht erwünscht sind – etwa Schadsoftware. Dazu legt man anfangs fest, welche Daten zwischen den Netzwerken ausgetauscht werden sollen. Die Software scannt anschließend kontinuierlich, ob die Daten, die beim Unternehmen eingehen, auch wirklich die sind, die dort angefordert wurden – ob es sich also beispielsweise um Geodaten handelt oder womöglich doch um vertrauliche Geschäftsgeheimnisse. Bei kleinsten Ungenauigkeiten werden die Informationen nicht weitergeleitet.

Für unstrukturierte Daten kann man verschiedene Labels mit unterschiedlichen Sicherheitsbestimmungen anlegen. Je nach Label entscheidet die Software, ob die Daten zugestellt werden oder nicht. Das SDoTSecurity Gateway nutzen bereits Airbus, die Bundeswehr und IBM. Und so zeigt Infodas, dass sich IT-Sicherheit made in Germany nicht hinter Technologien aus dem Silicon Valley verstecken muss. Der Mittelständler arbeitet bereits an einem zusätzlichen Sicherheitspaket für die vernetzte Fabrik.

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