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DFKI-Chefin Jana Koehler „Auch für die digitale Gesellschaft ist das Handwerk die Grundlage“

Digitalisierung: Was genau ist eigentlich Künstliche Intelligenz? Quelle: DFKI/Jörg Rietshausen

Jana Koehler, die neue Leiterin des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, über die Unterschiede von menschlichem und maschinellem Lernen, den Wert chinesischer Daten und dumme Empfehlungssysteme.

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Frau Koehler, der Computer, der seine menschlichen Gegner im Brettspiel Go besiegt, oder das Auto, das sich ohne Fahrer bewegt – was ist denn nun künstliche Intelligenz?
Wir haben zurzeit kein genaues Verständnis davon, was Intelligenz ausmacht. Für mich ist Intelligenz vor allem die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und ein Verhalten zu entwickeln, diese Ziele zu erreichen. Technologien der künstlichen Intelligenz stellen Verfahren für Computer zur Verfügung, um vorgegebene Ziele unterschiedlichster Art zu erreichen. Wir sind aber noch sehr weit davon entfernt, dass sich Maschinen selbständig Ziele setzen. Aus meiner Sicht sollten wir auch die Ziele für Maschinen vorgeben und einer autonomen KI enge Grenzen setzen.

Forschung zu KI gibt es seit mehr als 60 Jahren, seit einigen Jahren werden nun immer mehr Anwendungen eingesetzt, vom maschinellen Lernen bis hin zu Sprachassistenten. Haben wir das Zeitalter der KI damit endgültig betreten? 
Wir sind sicher in einer Phase angekommen, in der Computer immer besser kognitive Funktionen des Menschen übernehmen können. Nach langer Forschung und vielen Fehlschlägen übrigens – aber jetzt sehen wir beeindruckende Ergebnisse.

Trotzdem müssen wir realistisch bleiben und die Grenzen der aktuell verfügbaren Verfahren beachten. Das derzeitige maschinelle Lernen hat noch sehr wenig mit menschlichem Lernen zu tun. Im Grunde extrahieren Maschinen nur aus vielen historischen Daten Muster, die sie wiedererkennen. Aber das hat den Weg für interessante Anwendungen, wie zum Beispiel die Spracherkennung, geebnet.

Zur Person

Welche Entwicklung beeindruckt Sie besonders, wenn Sie sich daran erinnern, was Sie vor knapp 25 Jahren in Ihrer Doktorarbeit über die „Wiederverwendung von Plänen in deduktiven Planungssystemen“ untersucht haben?
Die Vielfalt der Methoden, die heute zur Verfügung stehen, und die wir in Anwendungen einsetzen können: Spracherkennung, Dialogsysteme, GPS-basierte Navigation, bei der KI die kürzesten Wege berechnet, oder die verschiedensten Verfahren, mit denen wir moderne Produktionsanlagen flexibel und optimiert betreiben können.

Im November hat die Bundesregierung ihre KI-Strategie vorgestellt, damit soll Deutschland auch wirtschaftlich der Anschluss an die USA und China gelingen. Schaffen wir damit den Durchbruch nicht nur in der Forschung, sondern auch in den Unternehmen? 
Eine Strategie ist ein langfristiger Plan, der bestimmte Themenfelder absteckt – und natürlich von der Forschung bis zur Industrie auch umgesetzt werden muss, um innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Wichtig aus meiner Sicht ist, dass wir wieder mehr auf Qualität statt Quantität achten. 

Natürlich gibt China viele Milliarden Euro mehr für KI aus als wir. Aber dort leben auch 1,3 Milliarden Menschen und bei uns 80 Millionen. China hat auch um ein Vielfaches mehr Daten zur Verfügung, wenn es um soziale Netze geht. Aber die Frage ist, ob diese Daten dann auch zu Innovationen führen werden. Unsere Daten aus der Automobil-, der Maschinen- und Elektroindustrie sind vermutlich spannender.

Wie meinen Sie das?
Entscheidend ist doch, dass es den Menschen gut geht und wir auch die Umwelt so bewahren, dass künftige Generationen gut leben können. Da können wir mit Technologie etwas beitragen. Forschung ist für mich kein Selbstzweck, sie hat eine wichtige Funktion für die Gesellschaft, damit wir künftige Herausforderungen erfolgreich bewältigen – zum Beispiel einen ressourceneffizienten Umbau der Wirtschaft.

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