Diäten helfen nicht Warum wir immer dicker werden

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Auch Dünne verfetten

Zehn Fakten aus dem Fleischatlas 2014
Unser täglich FleischWar Fleisch noch vor zehn, zwanzig Jahren ein Luxusgut, das sich nicht jeder leisten konnte, gehört inzwischen für immer mehr Menschen weltweit, auch in den Schwellenländern, Fleisch täglich auf den Tisch. In der EU ist vor allem Schweinefleisch beliebt: Durchschnittlich 32,3 Kilogramm Schweinefleisch wurden zwischen 2010 und 2012 pro Kopf und Jahr konsumiert. Es folgt Geflügelfleisch mit 20,8 Kilo und Rind bzw. Kalb mit 11,1 Kilo. Abgeschlagen mit 2,0 Kilo ist das Fleisch von Schafen und Ziegen. Hier gibt es den aktuellen Fleischatlas zum Download Quelle: dpa
Hochleistungsrassen überleben nur mit PharmazeutikaDie Nutztiere in der industriellen Landwirtschaft sind so hochgezüchtet, dass sie anfällig für Schädlinge, Krankheiten und Wetterextreme werden. Heute kontrollieren zum Beispiel drei Unternehmen 95 Prozent des Marktes für Brathähnchen; zwei Unternehmen beherrschen 94 Prozent des Zuchtbestandes an Legehennen. Diese genetisch einheitlichen Hochleistungsrassen können ohne spezielle eiweißreiche Ernährung, teure Medikamente und klimatisierte Umgebung nicht überleben. Langfristig gefährdet das nicht nur die Nutztierrassen, von denen ein Viertel bereits vom Aussterben bedroht ist, sondern auch die Lebensmittelsicherheit, weil die Handlungsmöglichkeiten bei künftigen Umweltproblemen, schwierigen Marktsituationen und dergleichen erheblich eingeschränkt werden. Quelle: dpa
Boomländer haben großen FleischhungerDie weltweite Mittelschicht isst zu viel Fleisch - zunehmend auch in China, Indien und anderen Boomländern. Hier wird aufgrund der immensen Nachfrage der wachsenden Mittelschicht das größte Wachstum in der Fleischnachfrage entstehen. Der Fleischverbrauch nahm in Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika (das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung) von 2003 bis 2012 um 6,3 Prozent pro Jahr zu. Von 2013 bis 2022 soll er nochmal jährlich um 2,5 Prozent wachsen. Zugleich ist in Indien der Vegetarismus tief verwurzelt. Bei Umfragen geben ein Viertel bis ein Drittel der Inder an, Vegetarier zu sein - die Zahl der Fleischesser nimmt dennoch zu. Die Anpassung an die westliche Lebensweise machte den Verzehr von Fleisch zum Statussymbol. Quelle: dapd
Fleischproduktion verbraucht kostbare RessourcenDrei Viertel aller landwirtschaftlichen Nutzflächen werden in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht. Für die Produktion von Nahrungsmitteln direkt für den Menschen wären sie viel effizienter zu verwenden. Weltweit wandern von der Jahresernte an Getreide wie Weizen oder Hafer mehr als 40 Prozent in die Futtertröge. Das sind fast 800 Millionen Tonnen. Hinzu kommen 250 Millionen Tonnen Ölschrote, etwa aus Sojabohnen. Anschaulich lässt sich sagen, dass für ein Gericht wie Curryhuhn etwa 1,36 Quadratmeter Land pro Person benötigt werden. Für einen Hamburger sind es sogar 3,61 Quadratmeter - davon 3,38 nur für das Fleisch. Quelle: dpa
Proteine aus alternativen QuellenUm zu naturgemäßeren Agrarsystemen zu finden, versuchen viele Organisationen und Netzwerke, andere Arten der Ernährung einzuführen. So werden etwa Wasserpflanzen wie Seetang als pflanzliche Protein-Alternativen beworben. In Asien sind sie bereits weit verbreitet: In Südkorea etwa werden 16,5 Kilogramm pro Person und Jahr verzehrt, in China sind es 7,9 Kilogramm. Quelle: dpa
Proteine aus alternativen QuellenEine andere Möglichkeit sind Insekten als Bestandteil der Nahrung. In Industrieländern verhindert allerdings bislang weitverbreiteter Ekel die Einbindung dieser Tiere in den Speiseplan. Einige Unternehmen loten die Möglichkeiten dennoch aus. So hat etwa die New Yorker Firma Exo einen Proteinriegel entwickelt, der Mehl aus Grillen enthält. Das ist clever, denn der essbare Anteil einer Grille beträgt 80 Prozent! Zum Vergleich: Bei Schwein und Geflügel sind es 55, bei Rind sogar nur 40 Prozent. Grillen emittieren zudem 80 Prozent weniger klimaschädliches Methangas als Vieh. Quelle: dpa
Tierseuchen regen ökologisches Bewusstsein anNicht nur in den Industrieländern, auch in weiten Teilen Asiens entwickeln die Menschen angesichts der Folgen der Massentierhaltung wie Vogelgrippe oder toten Schweinen, die in Flüssen entsorgt werden, ein Interesse für ökologische Lebensmittelproduktion. Der Markt für Bio-Produkte, der allerdings nicht zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten aufgeschlüsselt wird, wird Prognosen zufolge stark wachsen. Allein in Indien wird bis 2015 mit einer Verfünffachung des Umsatzes kalkuliert. Quelle: dpa
Größter Fleischverarbeiter der Welt…… ist JBS aus Brasilien. Nach mehreren Übernahmen mauserte sich das 1953 gegründete Unternehmen zum weltweit größten Produzenten von Rindfleisch und Geflügel. JBS ist weit verzweigt, liefert in 150 Länder und gehört mittlerweile zu den zehn führenden internationalen Lebensmittel- und Getränkekonzernen. Mit einem Umsatz von 38,7 Milliarden Euro im Jahr 2012 schlägt der Konzern sogar Unilever, Cargill und Danone. Die Schlachtkapazitäten sind gewaltig: Täglich können 85.000 Rinder, 70.000 Schweine und 12 Millionen Vögel geschlachtet werden. Quelle: dpa
Kleine Metzger verlieren an BedeutungDie Metropolen der Welt wachsen so schnell, dass kleine Läden und der Metzger um die Ecke ihre Bedeutung verlieren. Übernommen wird der Fleischverkauf von Supermärkten und Fast-Food-Ketten. Normierte Waren erleichtern den massenhaften Absatz - das verschafft den Lebensmittelketten auch enorme Macht über die Lieferanten, die sich dem Preisdiktat beugen müssen. Durch den Preisdruck haben Produkte aus der Region kaum noch eine Chance: Millionen Kleinhändler weltweit haben durch die Eröffnung von Supermärkten ihre Existenzgrundlage verloren, weil sie nicht umsatzstark genug waren. Quelle: AP
Hormonbehandlungen sind üblichDicht an dicht saugen Ferkel an den Zitzen ihrer Mutter. Sauen in konventioneller Haltung werden systematisch mit Hormonen versorgt. So werfen sie oft 15 Ferkel - bei 14 Zitzen. "Überzählige" Ferkel werden dann meist getötet. Im Gegensatz zu sogenanntem Hormonfleisch von Tieren, die mit Wachstumshormonen behandelt wurden damit sie schneller Gewicht zulegen, ist die Behandlung mit Sexualhormonen in der EU erlaubt. In industriellen Ställen werden die Hormone eingesetzt, um den Zyklus der Sauen gleichzuschalten und so die passende Anzahl Sauen zur gleichen Zeit gebären zu lassen. Nach nicht einmal drei Wochen Säugezeit wird die Sau mithilfe weiterer Hormongaben sofort wieder tragend gemacht - eine "leere" Sau verursacht nur Kosten. Quelle: dpa

Abnehmen ist also eine Kopfsache. Nur wer über körperliche Probleme klagt oder sich als zu dick empfindet, wird auch an sich arbeiten. Doch je dicker unsere Gesellschaft wird, desto geringer wird das Bewusstsein für ein gesundes Gewicht. „Dicke werden vor allem in der Gesellschaft anderer Übergewichtiger noch dicker“, sagt Matthias Riedl. Grund dafür sei, dass wir uns immer stark an unserer Umwelt orientieren. Britische Studien zeigen, dass sich unsere Wahrnehmung alle zehn Jahre um etwa zehn Prozent zugunsten des Hüftspecks orientiert. Wer heute übergewichtig ist, empfindet sich also viel schlanker, als er sich vor zehn oder zwanzig Jahren empfunden hätte.

Von dieser Verfettung sind übrigens nicht nur Menschen betroffen, die offensichtlich etwas zu viel auf den Rippen haben. Auch jene „die essen können, was sie wollen“, können durch eine zu kalorienreiche Ernährung ernsthaft krank werden. Bei ihnen legt sich das Körperfett nicht an den Hüften ab, sondern sammelt sich direkt um die inneren Organe – vor allem die Leber.

„Daher sind wir heute eigentlich weg vom BMI als Größeneinheit, sondern schauen uns den Bauchumfang an“, erklärt Matthias Riedl. „Der ideale Bauchumfang liegt bei Frauen bei unter 80, bei Männern bei unter 94.“ Nimmt man diesen Maßstab, steigt die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland nochmal an.

Was hilft?

Was also tun, im Kampf gegen den Bauch? Über alle Berufs- und Altersgruppen hinweg müsse ein umdenken stattfinden, glaubt Helmut Heseker aus Bielefeld und gibt konkrete Tipps. „Wir müssen Sport in den Alltag integrieren und ihn ebenso wichtig nehmen, wie unsere beruflichen Termine“, sagt der Mediziner. Sport müsse so selbstverständlich werden wie das Zähneputzen.

„Doch durch Sport allein wird niemand abnehmen“, sagt Helmut Heseker aus Paderborn. „Ohne eine zusätzliche Ernährungsumstellung geht es nicht. Vor allem bei den energiedichten Lebensmitteln, die uns die Hersteller heutzutage im Supermarkt anbieten.“ Zuckerhaltige Getränke oder Joghurt sind nur ein Beispiel dafür.

Der Ernährungswissenschaftler rät „Kalorien da wegzulassen, wo es nicht weh tut.“ Konkret: Hier und da auf Butter verzichten, die Soße beim Kantinenessen weglassen, nur zwei statt vier Kartoffeln essen. Durch die Reduktion der tagtäglichen Kalorien werde viel mehr gewonnen also durch eine klassische Diät.

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