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Diäten helfen nicht Warum wir immer dicker werden

Aktuelle Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Deutschen sind zu dick. Das schlägt auf die Gesundheit und die Budgets der Krankenkassen. Warum wir immer runder werden – und was wirklich gegen Bauchspeck hilft.

So essen die Deutschen am liebsten
FleischDie Deutschen lieben Fleisch. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) kommen bei vier von fünf Deutschen (83 Prozent) Fleisch und Wurst mehrmals in der Woche auf den Tisch. Quelle: AP
GeschlechtsunterschiedeBesonders Männer und Bürger aus den neuen Bundesländern bestehen auf ihr tägliches Schinkenbrötchen und ihr Schnitzel. Insgesamt ernähren sich Frauen gesünder als Männer. Schmidt sprach insgesamt von einem „eigentlich ziemlich guten Befund“. Gemeinsam mit Forsa-Chef Manfred Güllner bescheinigte der Minister den Deutschen bei ihrem Ess- und Konsumverhalten die Note 2 bis 3. Das Klassenziel sei erreicht, einige Werte müssten aber noch verbessert werden. Quelle: Fotolia
PastaLaut dem Ernährungsreport 2016 ist das Lieblingsgericht der Deutschen aber nicht Wurst oder Steak, sondern Pasta. Die dann vermutlich mit Hackfleischsauce. 35 Prozent nennen Spaghetti, Spätzle & Co als Lieblingsgericht. Quelle: AP
LieblingsessenWeitere Lieblingsgerichte nach Nudeln sind Gemüse- und Kartoffelgerichte (18 Prozent) sowie Fischgerichte (16). Salat bezeichneten 15 Prozent als ihre Leibspeise, das Schnitzel nannten nur elf Prozent. Quelle: dpa
Vegetarier und VeganerNur drei Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch und Wurst. Nur sechs Prozent der Frauen und lediglich ein Prozent der Männer geben an, nie Fleisch oder Wurst zu essen, wie aus von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten „Ernährungsreport 2016“ hervorgeht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Bio-LebensmittelIm Trend liegen eine artgerechte Tierhaltung sowie Regionales: Fast alle Befragten wären bereit, für Fleisch aus tiergerechter Haltung mehr zu zahlen. 86 Prozent der Verbraucher sind für ein besseres Einkommen der Landwirte. Etwas mehr als drei Viertel legen zudem Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Quelle: dpa
EinkaufenTrotz steigenden Angebots nutzt laut der Umfrage bisher kaum jemand (durchschnittlich weniger als 1 Prozent) die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu bestellen und sich diese nach Hause liefern zu lassen. Aber jeder Fünfte nutzt das Smartphone und „googelt“ beim Einkauf. Trotzdem fühle sich aber auch fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weniger gut bis schlecht informiert über die Lebensmittel, die sie kaufen. Quelle: dpa

Wer im öffentlichen Nahverkehr arbeitet, hat ein Problem. Bahnfahrer und Büroangestellte sitzen den ganzen Tag. Und das schlägt auf die Gesundheit. Rückenprobleme und Übergewicht sind die Folge. Doch nicht nur da. Der Krankheitsstand in deutschen Unternehmen ist in den vergangenen Jahren immer weiter angewachsen. Mittlerweile hat sich die Lage so zugespitzt, dass Unternehmen wie die Hamburger Hochbahn mit einem Gesundheitsprogramm an die Mitarbeiter herantritt.

Finanzierte Yoga- und Sportkurse für die 4500 Angestellten gehören hier ebenso zum Alltag wie Schulungen für Führungskräfte, Workshops für Berufseinsteiger und Kochkurse. Das Vorgehen des Unternehmens ist vorbildlich – und nicht ohne Eigennutz. Studien haben gezeigt, dass übergewichtige Menschen sich häufiger krank melden als normalgewichtige. „Die Krankentage von übergewichtigen Frauen sind laut Auswertungen von Krankenkassendaten sogar etwa doppelt so hoch“, sagt der Hamburger Diabetologe und Ernährungsmediziner Matthias Riedl.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht unter diesen Umständen für die Gesundheit in der Bundesrepublik schwarz. „2030 wird das deutsche Gesundheitswesen angesichts der Adipositas- und Diabeteswelle nicht mehr finanzierbar sein“, behauptete die Organisation bereits 2003 und untermauert die Prognose mit konkreten Zahlen:

  • Direkte Behandlungskosten für Adipositas lagen in der Bundesrepublik in Höhe von 85,71 Millionen Euro
  • Die indirekten Kosten durch Arbeitsunfähigkeit oder Frührente bei immerhin 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro
  • Und der nationalen Produktivität gingen angeblich 500.000 Erwerbsjahre im Jahr verloren
  • Zudem gingen die Trendrechnungen der WHO davon aus, dass alleine bis 2020 mit einem Anstieg der Gesamtausgaben von mindestens 25,7 Milliarden Euro zu rechnen ist – und das alleine in Deutschland.

Die Hochrechnungen der Weltgesundheitsorganisation sind mittlerweile über zehn Jahre alt. Das Problem hat sich seitdem aber eher verschärft. Zwar ist die Zahl der Übergewichtigen zwischen 1998 und 2012 laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts gesunken. Dafür werden die Adipösen, also mit einem Body-Maß-Index (BMI) von über 30, immer mehr.

Wie sich der BMI berechnet

Die Zahlen hierzulande entsprechen inzwischen denen der USA. Gemeinsam mit Großbritannien und Finnland führen die Deutschen die Ranglisten der europäischen Dicken an. Gut ein Drittel der Bevölkerung hat ein leichtes, 14 Prozent ein deutliches Übergewicht.

Studie: Übergewichtige sterben früher

Worauf Veganer bei der Ernährung achten müssen
Vitamin B12Dieses Vitamin ist für verschiedene Prozesse im Körper sehr wichtig: Zellteilung, Bildung von roten Blutkörperchen sowie Stoffwechsel. Ein Mangel an Vitamin B12 äußert sich durch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Nervosität oder Depressionen. Unser Körper kann Vitamin B12 nicht selber herstellen, und es kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch oder Eiern vor. Auch fermentierte pflanzliche Lebensmittel oder Algen können zwar eine Form des Vitamin B12 enthalten, diese ist jedoch für uns nicht verwertbar. Wer sich vegan ernährt, sollte mit seinem Arzt besprechen, wie die Versorgung sichergestellt werden kann; eine Supplementierung ist sinnvoll. Quelle: Fotolia
KalziumMilch und Milchprodukte wie Käse oder Joghurt sind hierzulande die Hauptquelle für den Mineralstoff Kalzium. Besonders für das Wachstum der Knochen und damit zur Vorbeugung von Osteoporose ist Kalzium sehr wichtig. Der tägliche Bedarf an Kalzium ist recht hoch: Erwachsene brauchen rund 1000 Milligramm pro Tag, Jugendliche 1200 Milligramm. Das Problem bei der veganen Ernährung: Pflanzliche Produkte enthalten zwar auch Kalzium, aber in geringeren Mengen  und in schlechter verwertbarer Zusammensetzung. Sesam liefert pro 100 Gramm rund 800 Gramm Kalzium, auch Mandeln, Soja oder grüne Gemüsesorten wie Brokkoli, Grünkohl oder Rucola bringen Kalzium auf den Teller. Erhältlich sind auch speziell angereicherte Säfte oder Sojadrinks. Tipp: Auch Mineralwasser hilft. Mindestens 200 Milligramm Kalzium pro Liter sollte es bieten. Quelle: dpa
Vitamin DEin Mangel an Vitamin D kann besonders bei Kindern schwerwiegende Folgen haben: Die Knochen können sich nicht richtig entwickeln. Das Vitamin ist nämlich maßgeblich am Einbau von Kalzium in die Knochen beteiligt. Auch andauernde Müdigkeit oder Nervosität können mit einem Mangel an Vitamin D einhergehen. Vitamin D kommt wie Vitamin B12 ausschließlich in tierischen Produkten wie Milch, fettreichem Seefisch oder Eigelb vor. Um ausreichend mit Vitamin D versorgt zu sein, empfiehlt es sich für Veganer unter Umständen, auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen – besonders in den Wintermonaten. Im Sommer gibt es eine andere schöne Möglichkeit, die Speicher aufzufüllen: Eine Viertelstunde die Nase in die Mittagssonne halten. Dann kann die Haut selbst genug Vitamin D produzieren. Quelle: dpa
EisenVor allem Frauen leiden oft unter Eisenmangel. Bei Untersuchungen hatten fast die Hälfte der Veganerinnen einen handfesten Mangel. Das Problem liegt darin, dass  Eisen  in pflanzlichen Nahrungsmitteln zwar häufig in großen Mengen enthalten ist, vom Körper aber deutlich schlechter aufgenommen werden kann als das Eisen aus tierischen Produkten. Daher sollten die Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden. Außerdem hilft es, viele Nüsse, Samen sowie Hülsenfrüchte zu essen und diese immer mit Vitamin C (zum Beispiel ein Glas Orangensaft zum Essen) zu kombinieren, weil dann das Eisen vom Körper besser aufgenommen werden kann. Quelle: Fotolia
JodJod ist besonders wichtig für die Schilddrüse und damit für die Hormone im Körper. Seefisch gilt als eine der Hauptquellen für Jod. In diversen Untersuchungen wiesen Veganer häufig eine geringere Jodzufuhr mit der Nahrung auf als Menschen, die auch tierische Lebensmittel essen. Veganer können jedoch einen Jodmangel verhindern, indem sie Jodsalz verwenden und hin und wieder Algen essen. Quelle: dpa
EiweißEiweiß ist wichtig für unser Immunsystem, die Nervenimpulse, den Transport von Fetten und Sauerstoff und viele andere Prozesse im Körper. Veganer können den Bedarf vor allem mit Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen oder Linsen decken. Auch Spinat, Champignons, Weizenkeime oder Nüsse und Kerne sind gute Eiweißquellen. Quelle: dpa

Zu viel Körperfett kann mitunter tödlich sein. Ein idealer BMI liegt zwischen 22,5 und 25. Berechnungen des Wissenschaftlers Gary Whitlock haben ergeben, dass ein BMI um 30 bis 35 die Lebenserwartung bereits um zwei bis vier Jahre verringert. Ab einem BMI von 40 schwindet die Lebenserwartung um acht bis zehn Jahre. Das entspricht einem früheren Tod, mit dem auch Raucher rechnen müssen. Grund sind Folgeerkrankungen aufgrund der Adipositas.

Allein in Deutschland ist in Folge der starken Gewichtszunahme die Zahl der schweren Leber-, Magen- und Diabetes-Erkrankungen laut WHO in den vergangenen 30 Jahren deutlich angestiegen. Dazu kommen Gelenkbeschwerden, Hauterkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen.

All das ist seit Jahrzehnten bekannt. Dennoch fällt das Abnehmen den Deutschen offensichtlich schwer. Eine aktuelle Studie des Allensbach-Instituts zeigt, dass 45 Prozent der Deutschen gerne abnehmen würden – 39 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen. Dabei wollen vor allem die Übergewichtigen mit 84 Prozent der Befragten Pfunde lassen. Doch die Zahlen haben sich seit Ende der 80er Jahre kaum verändert. Warum werden die übergewichtigen Bundesbürger also eher noch dicker als dünner?

Wie man dick wird

Grund dafür sind zum einen die Lebensumstände. Deutschland ist zu einer Dienstleistungsnation geworden, in der die Bürger ihren beruflichen Alltag vor allem sitzend verbringen. „Etwa Dreiviertel der Bevölkerung machen überhaupt keinen Sport. Das ist in unserer digitalisierten Gesellschaft ein Problem, weil wir uns heute viel weniger bewegen und die Energiezufuhr daran nicht angepasst haben“, sagt Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler an der Universität Paderborn.

Alternative Ernährungsformen

Konkret bedeutet das: Wir nehmen über die Nahrung jede Menge Energie zu uns, die gar nicht mehr verbrannt wird. Denn Bewegung der Muskulatur ist der einzige Weg, überschüssige Energie abzuführen. Jede überflüssige Kalorie wandelt der Körper in Fettzellen um. Der Vorgang an sich ist genetisch im menschlichen Körper veranlagt und ein Zeichen dafür, das wir kerngesund sind. Um nicht zu verhungern, wird jedes Gramm zusätzliches Fett in den Muskeln, der Leber und dem Fettgewebe gespeichert.

Doch genau hier liegt auch das Problem für jene, die überflüssige Pfunde wieder loswerden wollen. Einmal aufgebaute Fettzellen lassen sich mit einer Diät, Sport oder gesunder Ernährung zwar entleeren, doch bleiben sie auch nach dem Gewichtsverlust erhalten. „Hat eine Person einmal 105 Kilogramm gewogen, hält der Körper dieses Gewicht künftig für erstrebenswert“, sagt Matthias Riedl. Der Kampf gegen das eigene Körperfett beginnt.

Diäten helfen nur kurzfristig

Wie gesund ist Fleischverzicht?
EiweißmangelIn Fleisch ist jede Menge Eiweiß enthalten. Um beim Fleischverzicht trotzdem genug Eiweiß zu sich zu nehmen, müssen Vegetarier neben pflanzlichen Lebensmitteln auch jede Menge Eier und Milchprodukte verzehren. Auch Getreide und Hülsenfrüchte enthalten viel Eiweiß, allerdings können diese die tierischen Produkte wie Milch und Eier nicht ersetzen. Wer Vegan lebt, und auch darauf verzichtet, muss quasi zum Ernährungsexperten werden und die pflanzlichen Proteinquellen geschickt miteinander kombinieren, damit dem Körper genügend Eiweiß für Zellen, Muskeln, Organe und Knochen zur Verfügung steht. Quelle: dpa
CalciummangelStrahlend weiße und gesunde Zähne brauchen vor allem eins: Calcium. Auch für den Knochenbau, bei der Muskel- und Nerventätigkeit und der Blutgerinnung macht sich das Element bemerkbar. Vegetarier müssen zwar sehr auf ihr Ernährung achten, doch Calciummangel ist nur in den seltensten Fällen ein Problem. Gerade Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Buttermilch sind reich an Calcium. Auch rein pflanzliche Lebensmittel, wie Broccoli, Kohl, weiße Bohnen, Samen oder Lauch enthalten das Element - wenn auch in deutlich geringerer Menge als Milchprodukte. Entsprechend schwierig ist es für Veganer eine ausreichenden Menge zu sich zu nehmen. Quelle: ZBSP
Jod-MangelEin paar Bio-Doraden könnten helfen: Immer wurde in der Vergangenheit bei Vegetariern Jodmangel festgestellt, und gerade in Fisch ist viel Jod enthalten. Allerdings wird der Jodmangel bei Vegetariern inzwischen deutlich seltener beobachtet. Grund könnte die verstärkte Verwendung von Jodsalz in deutschen Haushalten sein. Ein anderer der stärkere Verzehr von Tiefkühlprodukten. Durch die Tiefkühlkost gelangen immer mehr pflanzliche Lebensmittel aus Gegenden mit mehr Jod in jodarme Gegenden wie Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation beziffert den Minimalbedarf an Jod für Erwachsene mit 60 bis 120 Mikrogramm pro Tag. Einige Lebensmittel enthalten Substanzen, die die Jodaufnahme hemmen und dadurch den Jodbedarf erhöhen können. Hierzu gehören unter anderem Blumenkohl und Rettich. Aber auch Nitrat, Rauchen oder bestimmte Arzneimittel haben einen hemmenden Einfluss. Die wichtigste Folgeerkrankung des resultierenden chronischen Jodmangels ist der Kropf, eine Schilddrüsenvergrößerung. Quelle: dpa
EisenmangelBekommt der Körper zu wenig Eisen treten Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Konzentrationsproblemen auf. In Fleisch steckt jede Menge Eisen. Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird vom menschlichen Körper deutlich schlechter aufgenommen. Entsprechend müssen Vegetarier besser auf ihre Ernährung achten. Zu Lebensmitteln, in denen viel Eisen enthalten ist, gehören Vollkornbrot aus Roggen oder Weizen, Haferflocken, Hülsenfrüchte wie Linsen und weiße Bohnen, Blattgemüse (Spinat), Nüsse, Samen, Hirse, Pfifferlinge, Amarant oder Quinoa. Besonders gut wird Eisen in Kombination mit Vitamin C aufgenommen. Das Vitamin steckt in Orangen, Paprika, Rosenkohl oder Sauerkraut. Quelle: AP
Vitamin-B12-MangelDas Vitamin-B12 übernimmt im Körper wichtige Funktionen beim Fettstoffwechsel und ist unentbehrlich für den Aufbau der roten Blutkörperchen. Vegetarier haben in der Regel weniger ein Problem mit Vitamin-B12-Mangel, sofern sie auch tierische Produkte wie Milch und Eier zu sich nehmen. Schwieriger ist es bei Veganern. Denn das Vitamin kann nicht von Pflanzen gebildet werden. Zwei Ausnahmen: Geringe Mengen finden sich in vergorenem Gemüse wie Sauerkraut und teilweise in Algen wieder. Quelle: dpa
FleischkonsumWer glaubt, dass regelmäßiger Fleischkonsum die einzig wahre Ernährung ist, liegt falsch. Auch Fleischesser müssen darauf achten, wie viel Fleisch sie essen. Denn der Konsum von zu viel tierischem Fett schadet der Gesundheit, da diese Fette Entzündungen auslösen können. Dadurch werden Krankheiten wie Arthrose, Arthritis und Reuma begünstigt. Massiver Konsum von tierischen Fetten kann sogar zu Magen- oder Darmkrebs führen. Experten empfehlen daher nicht mehr als 300 bis 450 Gramm fettarmes Fleisch pro Woche zu sich zu nehmen. Rotes Fleisch wie Rind, Schwein und Lamm sollten eher selten gegessen werden. Sie interessieren sich für Ernährungsmythen? Klicken Sie hier. Quelle: dpa

Sich auf eine Trennkost-, Brigitte-, Schlaf- oder Schokoladendiät einzulassen, hilft jedoch kaum weiter. Die Allensbach-Studie zeigt eindeutig, dass lediglich 20 Prozent aller Befragten, die eine Diät gemacht haben, diese auch als erfolgreich einstufen. Ebenfalls 20 Prozent sahen den Diät-Versuch als gescheitert an, 56 Prozent sprechen von „teilweise erfolgreich“.

„Diäten sind immer falsch. Die Menschen nehmen sie als eine Vorschrift war, von der sie irgendwann genug haben“, erklärt Matthias Riedl aus Hamburg. Entsprechend zeigt die Waage kurz nach einer Diät schnell wieder höhere Zahlen an als vorher: Der bekannte Jo-Jo-Effekt stellt sich ein. Im Körper läuft dabei folgendes ab: Wer sich knallhart an die Regeln einer Diät hält, nimmt weniger Energie zu sich, als er verbraucht. Aufgrund dieser gewollten Mangelernährung, zieht der Körper die fehlenden Kalorien aus dem Fett- oder Muskelgewebe ab. Allerdings wird vor allem Wasser sowie kurzfristig verfügbare Energie aus den Muskelzellen abgezapft, statt das für harte Zeiten sorgsam eingelagerte Fett. Gleichzeitig verringert der Körper seinen Grundumsatz, um ob der reduzierten Kalorienzufuhr, Energie zu sparen.

Wer also nach einer Diät wieder auf die ursprüngliche Ernährung umschwenkt, muss den Körper erst wieder auf den ursprünglichen Energieverbrauch trimmen. Bis dahin nimmt der Mensch noch mehr Kalorien auf, die wiederum vom Körper gespeichert werden. Ein Teufelskreis. Besonders hinterhältig wirkt dabei auch das Hormon Leptin. Es spiel bei der Regulierung des Fettstoffwechsels eine entscheidende Rolle im Körper. Es blockiert Neuronen, die appetitstimulierende Stoffe produzieren, und aktiviert Neuronen, die appetitzügelnde Botenstoffe ausschütten. Dank Leptin schwindet also unser Hungergefühl. Sobald sich allerdings Fettdepots im Körper reduzieren, nimmt auch die Konzentration des Leptin ab, damit wir wieder Hunger empfinden und ordentlich Essen – im Sinne der menschlichen Überlebensstrategie.

Auch Dünne verfetten

Zehn Fakten aus dem Fleischatlas 2014
Unser täglich FleischWar Fleisch noch vor zehn, zwanzig Jahren ein Luxusgut, das sich nicht jeder leisten konnte, gehört inzwischen für immer mehr Menschen weltweit, auch in den Schwellenländern, Fleisch täglich auf den Tisch. In der EU ist vor allem Schweinefleisch beliebt: Durchschnittlich 32,3 Kilogramm Schweinefleisch wurden zwischen 2010 und 2012 pro Kopf und Jahr konsumiert. Es folgt Geflügelfleisch mit 20,8 Kilo und Rind bzw. Kalb mit 11,1 Kilo. Abgeschlagen mit 2,0 Kilo ist das Fleisch von Schafen und Ziegen. Hier gibt es den aktuellen Fleischatlas zum Download Quelle: dpa
Hochleistungsrassen überleben nur mit PharmazeutikaDie Nutztiere in der industriellen Landwirtschaft sind so hochgezüchtet, dass sie anfällig für Schädlinge, Krankheiten und Wetterextreme werden. Heute kontrollieren zum Beispiel drei Unternehmen 95 Prozent des Marktes für Brathähnchen; zwei Unternehmen beherrschen 94 Prozent des Zuchtbestandes an Legehennen. Diese genetisch einheitlichen Hochleistungsrassen können ohne spezielle eiweißreiche Ernährung, teure Medikamente und klimatisierte Umgebung nicht überleben. Langfristig gefährdet das nicht nur die Nutztierrassen, von denen ein Viertel bereits vom Aussterben bedroht ist, sondern auch die Lebensmittelsicherheit, weil die Handlungsmöglichkeiten bei künftigen Umweltproblemen, schwierigen Marktsituationen und dergleichen erheblich eingeschränkt werden. Quelle: dpa
Boomländer haben großen FleischhungerDie weltweite Mittelschicht isst zu viel Fleisch - zunehmend auch in China, Indien und anderen Boomländern. Hier wird aufgrund der immensen Nachfrage der wachsenden Mittelschicht das größte Wachstum in der Fleischnachfrage entstehen. Der Fleischverbrauch nahm in Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika (das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung) von 2003 bis 2012 um 6,3 Prozent pro Jahr zu. Von 2013 bis 2022 soll er nochmal jährlich um 2,5 Prozent wachsen. Zugleich ist in Indien der Vegetarismus tief verwurzelt. Bei Umfragen geben ein Viertel bis ein Drittel der Inder an, Vegetarier zu sein - die Zahl der Fleischesser nimmt dennoch zu. Die Anpassung an die westliche Lebensweise machte den Verzehr von Fleisch zum Statussymbol. Quelle: dapd
Fleischproduktion verbraucht kostbare RessourcenDrei Viertel aller landwirtschaftlichen Nutzflächen werden in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht. Für die Produktion von Nahrungsmitteln direkt für den Menschen wären sie viel effizienter zu verwenden. Weltweit wandern von der Jahresernte an Getreide wie Weizen oder Hafer mehr als 40 Prozent in die Futtertröge. Das sind fast 800 Millionen Tonnen. Hinzu kommen 250 Millionen Tonnen Ölschrote, etwa aus Sojabohnen. Anschaulich lässt sich sagen, dass für ein Gericht wie Curryhuhn etwa 1,36 Quadratmeter Land pro Person benötigt werden. Für einen Hamburger sind es sogar 3,61 Quadratmeter - davon 3,38 nur für das Fleisch. Quelle: dpa
Proteine aus alternativen QuellenUm zu naturgemäßeren Agrarsystemen zu finden, versuchen viele Organisationen und Netzwerke, andere Arten der Ernährung einzuführen. So werden etwa Wasserpflanzen wie Seetang als pflanzliche Protein-Alternativen beworben. In Asien sind sie bereits weit verbreitet: In Südkorea etwa werden 16,5 Kilogramm pro Person und Jahr verzehrt, in China sind es 7,9 Kilogramm. Quelle: dpa
Proteine aus alternativen QuellenEine andere Möglichkeit sind Insekten als Bestandteil der Nahrung. In Industrieländern verhindert allerdings bislang weitverbreiteter Ekel die Einbindung dieser Tiere in den Speiseplan. Einige Unternehmen loten die Möglichkeiten dennoch aus. So hat etwa die New Yorker Firma Exo einen Proteinriegel entwickelt, der Mehl aus Grillen enthält. Das ist clever, denn der essbare Anteil einer Grille beträgt 80 Prozent! Zum Vergleich: Bei Schwein und Geflügel sind es 55, bei Rind sogar nur 40 Prozent. Grillen emittieren zudem 80 Prozent weniger klimaschädliches Methangas als Vieh. Quelle: dpa
Tierseuchen regen ökologisches Bewusstsein anNicht nur in den Industrieländern, auch in weiten Teilen Asiens entwickeln die Menschen angesichts der Folgen der Massentierhaltung wie Vogelgrippe oder toten Schweinen, die in Flüssen entsorgt werden, ein Interesse für ökologische Lebensmittelproduktion. Der Markt für Bio-Produkte, der allerdings nicht zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten aufgeschlüsselt wird, wird Prognosen zufolge stark wachsen. Allein in Indien wird bis 2015 mit einer Verfünffachung des Umsatzes kalkuliert. Quelle: dpa

Abnehmen ist also eine Kopfsache. Nur wer über körperliche Probleme klagt oder sich als zu dick empfindet, wird auch an sich arbeiten. Doch je dicker unsere Gesellschaft wird, desto geringer wird das Bewusstsein für ein gesundes Gewicht. „Dicke werden vor allem in der Gesellschaft anderer Übergewichtiger noch dicker“, sagt Matthias Riedl. Grund dafür sei, dass wir uns immer stark an unserer Umwelt orientieren. Britische Studien zeigen, dass sich unsere Wahrnehmung alle zehn Jahre um etwa zehn Prozent zugunsten des Hüftspecks orientiert. Wer heute übergewichtig ist, empfindet sich also viel schlanker, als er sich vor zehn oder zwanzig Jahren empfunden hätte.

Von dieser Verfettung sind übrigens nicht nur Menschen betroffen, die offensichtlich etwas zu viel auf den Rippen haben. Auch jene „die essen können, was sie wollen“, können durch eine zu kalorienreiche Ernährung ernsthaft krank werden. Bei ihnen legt sich das Körperfett nicht an den Hüften ab, sondern sammelt sich direkt um die inneren Organe – vor allem die Leber.

„Daher sind wir heute eigentlich weg vom BMI als Größeneinheit, sondern schauen uns den Bauchumfang an“, erklärt Matthias Riedl. „Der ideale Bauchumfang liegt bei Frauen bei unter 80, bei Männern bei unter 94.“ Nimmt man diesen Maßstab, steigt die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland nochmal an.

Was hilft?

Was also tun, im Kampf gegen den Bauch? Über alle Berufs- und Altersgruppen hinweg müsse ein umdenken stattfinden, glaubt Helmut Heseker aus Bielefeld und gibt konkrete Tipps. „Wir müssen Sport in den Alltag integrieren und ihn ebenso wichtig nehmen, wie unsere beruflichen Termine“, sagt der Mediziner. Sport müsse so selbstverständlich werden wie das Zähneputzen.

„Doch durch Sport allein wird niemand abnehmen“, sagt Helmut Heseker aus Paderborn. „Ohne eine zusätzliche Ernährungsumstellung geht es nicht. Vor allem bei den energiedichten Lebensmitteln, die uns die Hersteller heutzutage im Supermarkt anbieten.“ Zuckerhaltige Getränke oder Joghurt sind nur ein Beispiel dafür.

Der Ernährungswissenschaftler rät „Kalorien da wegzulassen, wo es nicht weh tut.“ Konkret: Hier und da auf Butter verzichten, die Soße beim Kantinenessen weglassen, nur zwei statt vier Kartoffeln essen. Durch die Reduktion der tagtäglichen Kalorien werde viel mehr gewonnen also durch eine klassische Diät.

Gesamtgesellschaftliches Problem

Diese Dinge sollten wir besser nur in Maßen genießen
Vitamin C ist wichtig für einen gesunden Körper. Manche greifen aus Sorge um einen Mangel zu Nahrungsergänzungsmitteln. Doch hier kann zu viel des Guten schädlich sein. Die regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit hoch dosiertem Vitamin C ist riskant: Sie kann zu Nierensteinen führen. Das gilt nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Internisten in Wiesbaden vor allem für Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes sowie diejenigen, die sich nicht bewegen oder zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. Quelle: dpa
Selbst zu viel Wasser zu trinken, kann dem Körper schaden. Dabei heißt es ja immer, man solle - gerade bei Hitze - sehr viel trinken. Wer aber mehr als fünf Liter Flüssigkeit in kurzer Zeit zu sich nimmt, kann daran sogar sterben. Dringt zu viel Wasser in die Zellen ein, verringert sich die Salzkonzentration, die Nieren quittieren ihren Dienst. Außerdem kann es zu Herzrhythmusstörungen und zu Atemnot kommen, weil auch die Lungenbläschen volllaufen. Quelle: dpa
Kaffee gilt zwar nicht per se als ungesund, stand aber durchaus schon im Verdacht, dem Körper Flüssigkeit zu entziehen oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen schuld zu sein. Diese Gesundheitsmythen sind mittlerweile von zahlreichen Studien widerlegt - Kaffee in Maßen ist für den menschlichen Körper überhaupt kein Problem. Allerdings ist Koffein, also das, was uns morgens wach macht, an sich ein Gift, das die Kaffeepflanze vor Insektenfraß schützt. Es verhindert, dass die Nervenzellen ihre Aktivität drosseln und verstärkt die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin. Wer ein Gramm Koffein - das sind 30 Tassen Espresso - zu sich nimmt, kann deshalb nicht nur nicht schlafen, er muss auch mit Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, sowie Sehstörungen rechnen. Tödlich ist Kaffee beziehungsweise Koffein allerdings erst ab einer Dosis von zehn Gramm. Das entspräche 300 Tassen Espresso. Quelle: dpa
Wer statt Kaffee zu trinken lieber schläft, wenn er müde ist, sollte wissen, dass auch zu viel Schlaf nicht gut für den Körper ist. Wer regelmäßig zehn, zwölf oder mehr Stunden schläft, hat ein höheres Krankheitsrisiko. Warum das so ist, hat die Forschung aber noch nicht herausgefunden. Quelle: Fotolia
Weniger überraschend dagegen ist, dass zu viel Schokolade nicht nur dick machen, sondern auch schlecht für die Zähne sein kann. In Maßen genossen ist Schokolade allerdings völlig in Ordnung: Je mehr Kakao in der Nascherei enthalten ist, desto mehr hebt sie unsere Laune. Quelle: dpa
Das wird der Chef gar nicht gern hören: Wir definieren uns zwar häufig über unsere Arbeit und brauchen das Gefühl, etwas Nützliches zu tun. Doch zu viel Arbeit macht krank. Dafür muss es gar kein Burnout sein. Wer mehr als acht Stunden am Tag arbeitet, hat ein um 40 bis 80 Prozent höheres Risiko für koronare Herzkrankheiten.
Doch auch vom Gegenteil - dem süßen Nichtstun - sollten wir uns nicht zu viel gönnen. Wer immer nur auf dem Sofa gammelt und fernsieht, büßt tatsächlich an Gedächtnisleistung ein. Unsere grauen Zellen wollen gefordert sein. Quelle: dpa

Bringen wir uns also durch Faulheit und zu großen Genuss um unsere eigene Leistungsfähigkeit?

So einfach darf man es sich nicht machen, findet Mediziner Matthias Riedl: „Übergewicht ist keine Privatangelegenheit, wie es die Krankenkassen gerne einstufen. Bedenkt man, dass 80 Prozent aller Krankheiten adipositasassoziiert sind, wird klar, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt.“

In Arbeit
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Damit kommen Unternehmen nicht darum herum, selbst etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu tun. Ein ausgewogenes Kantinenessen, Sportangebote und ausreichend Zeit für Bewegung während des Arbeitstages sind ein Anfang. Spannend sind auch Ansätze aus Skandinavien. In Schweden bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern immer wieder Fitnessverträge im Arbeitsvertrag mit an. Und wer sich regelmäßig an sportlichen Aktivitäten beteiligt, kann zum Teil sogar einen Bonus erhalten.

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