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Dicke Eltern, dicke Kinder Wie der Lebensstil Spuren im Erbgut hinterlässt

Eltern essen für ihre Kinder: Unvernünftiger Lebenswandel und so erworbene Krankheiten verändern das Erbgut - und werden so an den Nachwuchs weitgegeben, belegen immer mehr Studien.

Die größten Kalorienbomben
ColaDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den Folgen übermäßigen Zuckerkonsums und empfiehlt etwa für einen gesunden Erwachsenen, die tägliche Zufuhr auf rund 25 Gramm zu beschränken. In einer 330 Milliliter Flasche Cola stecken immerhin neun Teelöffel Zucker, was in etwa 36 Gramm entspricht - das Limit wäre mit einer kleinen Flasche Coca-Cola also schon gesprengt. Ein Blick auf weitere Kalorienbomben: Quelle: REUTERS
Ketchupflaschen Quelle: dpa
Wurst Quelle: dpa
Gummibärchen Quelle: dpa/dpaweb
Gläser mit Saft Quelle: obs
Milch in einem Glas Quelle: dpa
Ein gefangener Fisch Quelle: dapd

Werdende Mütter sollen gesund essen und nicht rauchen. Wissenschaftliche Studien zeigen allerdings immer deutlicher: Das reicht längst nicht aus. Auch das Essverhalten des Vaters vor der Zeugung und der Lebenswandel der Eltern insgesamt schlagen auf den Nachwuchs durch. Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes können vererbt werden. Kinder von Rauchervätern haben eher Asthma.

Zwar ändern sich durch das Rauchen oder durch fette und ungesunde Ernährung vermutlich nicht die Gene selbst. Aber die Wirkweise und Regulation bestimmter Gensequenzen wird beeinflusst - und diese epigenetischen Faktoren sind ebenfalls erblich.

„Es gibt keine Zweifel, dass es von Generation zu Generation eine Weitervererbung nicht nur der reinen Gen-Sequenzen, sondern auch der Gen-Regulationsbandbreite gibt“, sagt Thomas Meitinger, Leiter des Instituts für Humangenetik am Münchner Uni-Klinikum rechts der Isar. Tierversuche hätten das belegt. Beim Menschen seien Studien nicht zuletzt wegen der langen Generationszeiten schwieriger.

Wie sich der BMI berechnet

Bisher untersuchten Wissenschaftler vor allem den Einfluss der väterlichen Seite - schon allein weil Spermien leichter zu gewinnen und untersuchen sind als Eizellen. Nun weist eine am Montag in dem Fachjournal „Nature Genetics“ veröffentlichte Studie mit Mäusen bei Übergewicht und ernährungsbedingtem Diabetes nach: Der mütterliche Einfluss ist noch größer als der väterliche.

„Was die Eltern zum Zeitpunkt vor der Schwangerschaft für eine Konstitution haben, spielt auf die nächste Generation über“, sagt der Initiator der Studie und Direktor des vom Institut für Experimentelle Genetik (IEG) am Helmholtz Zentrum München, Martin Hrabe de Angelis.

Die Faustformel „dicke Eltern, dicke Kinder“ sei bekannt. Das Argument mancher Dicker, es liege „an den Genen“ wurde allerdings oft als Ausrede gewertet. „Jetzt ist klar, dass das auch wirklich über die Keimzellen vermittelt wird“, sagt Hrabe de Angelis. „Der Effekt ist zumindest im Tierversuch massiv.“ Und: „Das könnte eine weitere Ursache für die epidemieartige Zunahme von Diabetes Typ-2 sein.“ Denn der Anstieg weltweit lasse sich durch die Veränderung der DNA selbst kaum erklären. „Dazu schreitet der Anstieg zu schnell voran.“

Erst im Januar hatten US-Forscher im Fachjournal „Science“ eine Studie mit Mäusemännchen veröffentlicht, nach der fettreiche Ernährung des Vaters den Stoffwechsel der Nachkommen negativ beeinflussen kann. Zuvor hatten Wissenschaftler aus Kopenhagen gezeigt, dass die Anfälligkeit für Übergewicht auch bei Menschen an die nächste Generation weitergegeben werden kann. In beiden Fällen fanden die Forscher epigenetische Veränderungen in Spermien; sie betrafen etwa die Regulierung von Genen zur Steuerung von Appetit.

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