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Die Zucker-Lüge "Zucker macht weder dick, noch süchtig, noch Karies"

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Zucker ist nicht schuld

Ich finde es sehr nachvollziehbar, dass Menschen, die in Form von süßen Limos, übersüßten Pausensnacks oder Betthupferln mehr Kalorien aufnehmen, als sie verbrauchen, zunehmen und dick werden.

Brendel: Sie haben es gerade selbst gesagt. Nur wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbraucht, wird dick. Nicht die Zuckerzufuhr ist entscheidend, sondern das Maß an Bewegung und Sport. Hier haben gerade bei Kindern und Jugendlichen die Eltern eine große Verantwortung. Das ist eine Frage des Lebensstils, um den wir uns heute dringend kümmern müssen.

Es geht also nicht um eine isolierte Betrachtung des Zuckers, der immer wieder als Hebelpunkt benutzt wird von all jenen, die gegen die Ernährungswirtschaft zu Felde ziehen und die die Bevölkerung reglementieren wollen.

Die größten Ernährungsmythen
Verlängern Chili-Schoten das Leben? Quelle: REUTERS
Schokolade Quelle: dpa
Je mehr Vitamine desto besser Quelle: dpa
Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
Kartoffeln machen dick Quelle: dpa
Öko-Lebensmittel sind gesünder Quelle: dpa

Warum erinnern mich ihre Worte so sehr an das Mantra der Nahrungsmittelkonzerne und ihrer Lobbyisten? Die antworten reflexartig auf den Vorwurf, sie mischten zu viele und immer mehr wohlschmeckende Kalorien in Form von Fett oder Zucker in ihre Waren, mit genau diesem Argument.

Brendel: Ich schätze mal, weil es stimmt. Tatsächlich hat der Zuckerverbrauch in Deutschland seit dreißig Jahren ja gar nicht zugenommen. Das ist belegt. Was dagegen drastisch zugenommen hat, sind Computerspiele und ähnliches, was Menschen von Bewegung und Sport fern hält. Das sollte als Dickmacher gebrandmarkt werden. Und ich finde, man kann der Lebensmittelwirtschaft auch keinen Vorwurf daraus machen, dass sie ihren Kunden wohlschmeckende Produkte anbietet. Wir Menschen essen nun einmal gerne Süßes.

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Müller: Das ist evolutionär bedingt. Schon ein Baby lächelt, wenn es etwas Süßes auf der Zunge spürt.

Zu Zeiten, als jede Kalorie noch erjagt oder gesammelt werden musste, war das ja sicher auch sehr sinnvoll. Heute im Angesicht von prall gefüllten Supermärkten ist das aber wohl eher kontraproduktiv.

Müller: Nur um das klar zu stellen: Ich bin nicht dafür, dass Lebensmittel übermäßig gesüßt werden oder Zucker im Übermaß konsumiert wird. Aber ich wehre mich dagegen, dass Zucker verteufelt wird und Menschen Angst haben, überhaupt noch Zucker zu sich zu nehmen.

Zurück zum Zuckerverbrauch. Wenn der angeblich nicht zugenommen hat, wieso sind Limos oder Joghurtdrinks dann – vor allem in Nordamerika aber oft auch bei uns - inzwischen oftmals so pappsüß, dass viele Menschen sie widerlich finden? Und warum süßt die Industrie Softdrinks und Lebensmittel mit Fruktose aus Maissirup?

Brendel: Wir beschreiben vor allem die deutsche und europäische Situation.

Müller: Und wir schreiben nur über den Haushaltszucker, die Saccharose. Das führen wir im Buch auch ganz klar aus.

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Der Gleichklang Ihrer Worte mit den Botschaften der Lebensmittel-Industrie ist so auffällig – und manche Ihrer früheren Auftraggeber wie Coca Cola oder Nestle sind so klar positioniert, dass ich Sie fragen möchte: Ist das Buch ein Auftragswerk? Bezahlen Lebensmittelkonzern oder deren Verbände Sie dafür?

Brendel: Nein…

Müller: … natürlich nicht. Ich erkläre hiermit an Eides statt, dass ich - um das Buch zu schreiben - keinerlei Geld oder Inzentivierung von einem Unternehmen oder einen Verein bekommen habe oder noch bekommen werde. Wir können Ihnen auch gerne die Verträge offen legen, obwohl ich das sehr ungewöhnlich fände. Wir wollen nichts weiter, als den Menschen die völlig unbegründete Angst vor dem unbegründet verteufelten Zucker nehmen.

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