Diebstahlschutz Geldautomaten sollen sich selbst verteidigen

Immer wieder werden Geldautomaten gestohlen, aufgebrochen oder gleich vor Ort gesprengt. Schweizer Forscher tüfteln jetzt an einer Selbstverteidigungsmaßnahme für die Automaten. Vorbild ist ein Käfer.

Gesprengt, gestohlen, aufgebrochen: Geldautomaten sollen sich künftig gegen Diebe wehren können. Quelle: dpa/dpaweb

Erst am 22. März ist es wieder passiert: Eine Einbrecherbande hat im Berliner Stadtteil Friedrichshain einen kompletten Geldautomaten aus einer Bank gestohlen. Fünf bis sechs maskierte Männer stürmten in die Filiale am Strausberger Platz, rissen den Automaten im Vorraum aus der Verankerung und schleppten ihn ins Freie. Dort wartete bereits ein Kleinlaster. Die Diebe wuchteten den Automaten auf die Ladefläche. Vier Täter stiegen in den Transporter ein, die anderen flüchteten zu Fuß. In der Vergangenheit waren in Berlin wiederholt Automaten gesprengt worden, um an Bargeld heranzukommen, Diebstähle kompletter Automaten sind dagegen eine Seltenheit. Europaweit hat es in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres rund 1000 solcher Angriffe gegeben.

Laut einem Bericht des Spiegels, wollen Forscher der ETH Zürich Geldautomaten deshalb künftig das nötige Rüstzeug zur Selbstverteidigung mitgeben. Und zwar sollen Diebe mit heißem, farbigem Schaum besprüht werden, wenn sie versuchen, einen Geldautomaten gewaltsam zu öffnen. Durch die Farbe soll sowohl das Geld unbrauchbar, als auch der Dieb identifizierbar gemacht werden. Für letzteres wären auch DNA-Marker denkbar, wie sie beispielsweise die Deutsche Bahn zur Verfolgung von Kupferdieben einsetzt.

Wo die Rohstoffdiebe zuschlagen
Kabeldiebe haben im vergangenen Jahr bundesweit in 720 Fällen Kupferkabel der Deutschen Telekom gestohlen. Dabei entstand ein Schaden von 1,1 Millionen Euro. Jetzt will sich das Bonner Unternehmen im großen Stil zur Wehr setzen. Die Telekom markiert deshalb ihre Telefon- und Datenkabel mit künstlicher DNA. Das Unternehmen setzt unter anderem ferngesteuerte Mini-Hubschrauber ein, um die Markierungsflüssigkeit auf überirdische Kabel aufzubringen. In der Flüssigkeit, die von Spürhunden erschnüffelt werden kann, befinden sich neben der künstlichen DNA auch winzige Metallplättchen mit dem Logo der Telekom und einem bestimmten Code. Damit können Ermittler mit Hilfe eines Taschenmikroskops auch den Streckenabschnitt feststellen, in dem das Kabel ursprünglich verwendet wurde. Rückstände der DNA in der Markierungsflüssigkeit kann nach Angaben der Telekom sogar noch nachgewiesen werden, wenn die Kupferdrähte entmantelt und eingeschmolzen werden. Ein einziges unbeschädigtes Molekül reiche für den Nachweis aus. „Wir legen eine Spur, die eindeutig zu uns zurückverfolgt werden kann“, sagte Rüdiger Caspari, Leiter Technische Infrastruktur der Telekom. Bei Tätern seien die DNA-Spuren für längere Zeit auf der Kleidung, im Auto, auf Handschuhen, der Haut oder dem eingesetzten Werkzeug nachweisbar und könnten auch nicht abgewaschen werden. Quelle: dpa
Im Februar 2012 ist die Deutsche Telekom mit anderen betroffenen Unternehmen und Verbänden eine Allianz eingegangen, um mittels künstlicher Kupfer-DNA gemeinsam gegen dieMetalldiebstähle zu kämpfen. Dazu gehören die Deutsche Bahn, die Stromversorger RWE und Vattenfall sowie die Verbände der Deutschen Metallhändler (VDM) und Stahrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Die Unternehmen wehrten sich nicht ohne Grund. Bei Telekom, RWE und der Bahn verdoppelten sich die Schäden durch Kupferdiebe allein im vergangenen Jahr auf 20 Millionen Euro. Quelle: dapd
Bei dem Metalldiebstahl handelt es sich aber keineswegs um ein deutsches Phänomen: Seit die Rohstoffpreise deutlich anstiegen, haben auch die Metalldiebstähle zugenommen. Ermittler schätzen den Schaden EU-weit auf knapp neun Milliarden Euro. Quelle: dpa
Auch die Deutsche Bahn setzt auf künstliche DNA - und das mit einigem Erfolg. Den Angaben der Bahn zufolge wurden im vergangenen Jahr 558 Täter auf dem Gebiet der Bahn geschnappt. Wegen des Kupferklaus sind bei der Deutschen Bahn im Jahr 2012 mehr als 17.000 Züge ausgefallen oder viel zu spät gefahren. Insgesamt bescherten die Rohstoffe dem Unternehmen 4000 Stunden Verspätung. Mit ihrem leicht zugänglichen 34.000 Kilometer umfassenden Schienennetz ist die Bahn ein beliebtes Opfer - vor allem Kabel von Oberleitungen, aber auch Schienenstücke und sogar Schrauben werden gestohlen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Metalldiebstähle zwar um etwa zehn Prozent auf 2700 zurück. Der Schaden aber stieg auf 17 Millionen Euro an. „Die Diebe setzen für ein paar Euro ihr Leben aufs Spiel und verursachen dabei nicht nur einen großen materiellen Schaden für die Bahn, sondern schaden vor allem unseren Kunden“, sagte der Leiter der Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn, Gerd Neubeck. Quelle: dapd
Auch bei RWE reduzierte sich 2012 zwar die Zahl der Buntmetalldiebstähle, die Schadenssumme aber stieg auf mehr als 2,1 Millionen Euro. Regionale Schwerpunkte seien Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Quelle: REUTERS
Deutlich schlimmer waren die Diebstähle aber im Jahr 2011: Im Frühjahr begann eine regelrechte Diebstahlserie. Die Spuren führten oftmals nach Südosteuropa. Quelle: AP
Köln, 12. Januar 2011Vier Unbekannte versuchen, aus Aluminium gefertigte, mobile Schutzwände gegen Hochwasser zu entwenden. Die Täter entkommen nach einem Handgemenge mit Sicherheitskräften. Quelle: AP
Köln, 7. April 2011Diebe durchkämmen eine Woche die Stadtteile Mülheim und Buchheim und stehlen über 100 rund 40 Kilogramm schwere gusseiserne Kanaldeckel, die sie auf einem Pritschenwagen abtransportieren. Für einen Deckel zahlen Schrotthändler zwischen vier und zehn Euro. Quelle: REUTERS
Ahlen (Westfalen), 13. April 2011Eine als Schienen-Arbeitstrupp getarnte Verbrecherbande demontiert auf dem stillgelegten Teil eines Güterbahnhofs Gleise von einer Länge von 320 Metern und einem Gesamtgewicht von 72 Tonnen. Hubwagen, Kräne und mehrere 40-Tonner sorgen für den Abtransport. Quelle: dapd
Reinbek (bei Hamburg), 12. Mai 2011Unbekannte stehlen von Supermärkten 156 Einkaufswagen im Wert von mehr als 40.000 Euro. Quelle: dpa
Ortrand (Brandenburg), 25. Mai 2011Eine europaweit operierende Bande ergaunert über Scheinfirmen Transportaufträge und stiehlt Lkw-Ladungen mit rund 40 Tonnen Gussteilen. Quelle: dapd
Brüggen-Bracht (Niederrhein), 1. Juni 2011Unbekannte demontieren die Kupferverblendung am Dach einer Pilgerkapelle. Quelle: dpa
Moers (Niederrhein), 21. Juni 2011Von fast 200 Grabanlagen räumt eine Bande den gesamten Grabschmuck aus Messing, Kupfer und Bronze ab. Quelle: dpa
Ostbrandenburg, 31. Juli 2011An 22 Toiletten der Autobahn-Raststätten der Autobahnmeisterei Erkner lassen Diebe die jeweils 2.000 Euro teuren Edelstahltüren mitgehen. Quelle: dpa
Wittstock (Brandenburg), 30. August 2011Kabeldiebe klauen Kupferkabel aus Windkraftanlagen – Sachschaden: 40.000 Euro. Quelle: dpa

Auf die Idee zur Farb-Schaum-Bombe wurden die Chemiker um Professor Wendelin Stark von einem rund einen Zentimeter großen Tier. Der sogenannte Bombardierkäfer schlägt seine Feinde nämlich mit Chemikalien in die Flucht, die er bei Gefahr mischen und ausstoßen kann. Das Resultat sind kleine Explosionen, bei denen ätzende Gase freigesetzt werden. Im März 2014 veröffentlichten Jonas Halter, Nicholas Cohrs, Nora Hild, Daniela Paunescu, Robert Grass und Wendelin Stark einen Artikel im "Journal of Materials Chemistry", in dem sie auf diesen Käfer Bezug nehmen und die Möglichkeit erläutern, Materialien gegen Vandalismus zu sichern.

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Im konkreten Fall der Geldautomaten, soll die Geldkassette mit einer Folie ausgekleidet werden, die bei Beschädigung 80 Grad heißen heißen, farbigen Schaum produziert. Dafür werden zwei Folien übereinander geklebt - eine, deren Hohlräume mit Wasserstoffperoxid und eine deren Hohlräume mit Mangandioxid befüllt sind. Geht die Trennschicht zwischen den Folien kaputt, weil jemand versucht, gewaltsam die Geldkassette zu öffnen, vermischen sich die beiden Materialien, es entsteht ein 80 Grad heißes Sauerstoff- und Wasserstoffgemisch. Lebensgefährlich sei das für die Diebe nicht. Die Folie soll aber nicht nur bei mechanischen Öffnungsversuchen funktionieren, sondern auch bei Sprengungen der Automaten. "Dann wird alles noch besser verteilt", sagte Stark gegenüber dem Spiegel.

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