WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Dieter Kempf "Wir müssen bürokratische Hürden abbauen"

Seite 2/2

Je eine Milliarde Euro

Mit Daten gegen Stau und Krebs
Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Quelle: dpa
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl verholfen haben: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Soziale Netzwerke zurück. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. „Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“, warnte etwa Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU). Auch andere sind mit Big-Data-Projekten gescheitert. Quelle: dapd
Bewegungsdaten sind für die Werbewirtschaft Gold wert. Der Mobilfunk-Anbieter O2 wollte sie deswegen vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dafür gründete er Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. In Deutschland muss die Telefónica-Tochter allerdings auf dieses Geschäft verzichten: Der Handel mit über Handys gewonnenen Standortdaten sei grundsätzlich verboten, teilte die Bundesregierung mit. Quelle: AP
Welches Medikament wirkt am besten? Die Auswertung großer Datenmengen soll dabei helfen, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu entwickeln. So könnten die Mediziner eines Tages die Beschaffenheit von Tumoren genau analysieren und die Behandlung genau darauf zuschneiden. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd

Brüssel wählt einen anderen Weg und fördert jetzt zwei Leuchtturm-Projekte mit je einer Milliarde Euro. Bringt viel Geld wirklich viel Ertrag?

Die Ideen, die zur Auswahl stehen, haben alle großes Potenzial. Solche Leuchtturm-Projekte können ein Aufbruchsignal aussenden. Aber ob viel Geld viel bringt, wird davon abhängen, wie gut die Forschungsergebnisse sind. Und davon, wie gut uns der Transfer von der Erfindung zur Innovation gelingt.

Wäre die Finanzierung von High-Tech-Startups nicht effektiver?

In der Tat haben wir gerade in Deutschland zahlenmäßig viele Startups. Zu häufig aber ist nur die Finanzierung erster Entwicklungen gesichert, dagegen fehlt das Geld für den Aufbau von Produktion und Vertrieb. Das funktioniert in den USA viel besser.

Was könnte die EU tun?

Wie wäre es, wir würden die Erträge aus Risikofonds zeitweilig steuerfrei stellen. Da kämen garantiert enorme private Finanzmittel zusammen.

Welches Projekt sähen Sie persönlich gerne stärker gefördert?

Ich fände ein Forschungsprojekt für neue stromleitende Materialien hochinteressant, für deren Herstellung wir nicht auf Importe angewiesen sind. Das würde Europas Abhängigkeit von Rohstoffen wie Seltene Erden verringern und hätte große strategische Bedeutung.

Forschung



Und bei welchen Anwendungen hätte Europa das Zeug, Taktgeber zu sein?

Große Chancen sehe ich beim Internet der Dinge und dem Thema Industrie 4.0, bei denen wir unser Fertigungs- und Prozess-Know-how mit intelligenten IT-Systemen verknüpfen. Führend können wir auch überall dort werden, wo es darum geht, die rapide wachsenden Datenmengen zu sichern und zu analysieren. Das dritte Standbein könnte die IT-gestützte Steuerung weltweiter Warenströme werden.

Europa ist also noch nicht verloren?

Nein, das Potenzial ist groß – wir dürfen es nur nicht verschenken.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%