Ebola Deutschland will sich an Impfstoff-Erprobung beteiligen

Ein Impfschutz gegen Ebola - daran forschen viele Unternehmen. Deutschland will sich Anfang 2015 an der Erprobung eines vielversprechenden Mittels beteiligen.

Ebola: Deutschland will sich an der Erprobung eines Impfstoffs beteiligen Quelle: dpa

Deutschland will sich an der Erprobung eines Impfstoffs zum Schutz vor der Ebola-Seuche beteiligen. Es gebe die Hoffnung, Anfang nächsten Jahres mit den Tests einer kanadischen Produktion beginnen zu können, hieß es am Donnerstagabend in Berliner Regierungskreisen.

Denkbar sei, dass dann auch deutsche Helfer im westafrikanischen Seuchengebiet von einem Impfschutz profitieren könnten, wenn sie sich an der Studie beteiligten. Allerdings wird vermutlich weltweit nur eine kleine Impfstoffmengen zur Verfügung stehen. Schätzungen liegen bei rund 10.000 Impfdosen, wovon auf Deutschland nur ein kleiner Teil fallen würde.

Deutschen Experten zufolge sind weltweit zwei erfolgversprechende Impfstoffe in Arbeit. Hinter der kanadischen Produktion stehe ein US-Unternehmen. Allerdings forschen deutlich mehr Firmen an einem Impfmittel gegen die tödliche Krankheit.

Das ist das Ebola-Virus

Bertrand Draguez, medizinischer Direktor der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen, teilte jüngst mit, dass die Organisation sich an Tests für neue Medikamente gegen die Seuche beteiligen will. Hier wolle man mit Organisationen, Universitäten, Unternehmen, Gesundheitsministerien und der WHO zusammenarbeiten, um vor Ort in den von der Krankheit betroffenen Gebieten schnelle Testreihen realisieren zu können. Aufgrund des massiven Ausbruchs der Seuche greife man zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme, sagte Draguez. An Tests potentieller Impfstoffe sei man derzeit nicht beteiligt, da diese an gesunden Testpersonen durchgeführt werden.

"Wir sehen ein Katastrophen-Szenario"

Bis experimentelle Behandlungen durchgeführt werden können, sei allerdings noch ein Stück Weg zu gehen und einige Hürden zu überwinden, so Draguez, allen voran die Sicherheit der neuen Behandlungen für die Patienten. Um die Epidemie zu stoppen, seien unmittelbar und am dringendsten mehr Betten für die Kranken nötig. Auch werde mehr Pflegepersonal benötigt. Man brauche eine bessere Überwachung der Kontakte der Patienten und größere Anstrengungen, die Verbreitung der Seuche in den betroffenen Ländern zu unterdrücken. "Was wir derzeit in Westafrika sehen, ist ein Katastrophen-Szenario, und alle Beteiligten - Pharmaunternehmen wie Regierungen - sollten alles in ihrer Macht stehende tun, um die Bekämpfung zu beschleunigen."

Fiese Keime
EbolaDie Ausbreitung dieses Filovirus ließ sich in der Vergangenheit durch Isolation der Kranken sehr gut eingrenzen, weil der Erreger nur durch engen Kontakt mit Erkrankten und deren Körperausscheidungen oder Blut weiter gegeben wird. Zudem können Menschen, die sich mit Ebola angesteckt haben, andere erst dann infizieren, wenn sie selbst offensichtlich erkrankt sind. Während der bis zu 21 Tage dauernden sogenannten Inkubationszeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit besteht keine Ansteckungsgefahr. Die fadenförmigen Viren befallen vor allem die Fresszellen unter den weißen Blutkörperchen sowie Zellen in der Leber, den Lymphknoten und der Milz. Sie lösen dabei hohes Fieber und Blutungen aus. 60 bis 90 Prozent der Erkrankten sterben innerhalb weniger Tage oder Wochen an diesem hämorrhagischen Fieber. Weil die Seuche so tödlich ist, hat sie sich bisher immer nach wenigen Wochen selbst auslöscht. Weil sie aber auch Tiere befällt, kommt es immer wieder zu Infektionen von Menschen und neuen Epidemien. Quelle: AP
AidsDas Immunschwäche auslösende Virus (Humanes Immundeffizienz Virus, HIV) wird zwar ebenfalls durch Blut und Körperflüssigkeiten vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen, hat aber eine ganz andere Ausbreitungsdynamik. Hier dauert es im Mittel zehn Jahre, bis die Erkrankung offensichtlich wird. Trotzdem kann der Infizierte schon während dieser jahrelangen Inkubationszeit andere Menschen anstecken. Vor allem in den ersten Wochen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. So hat sich das Aids-Virus, seit es Anfang  der 1980er Jahre vom Affen auf den Menschen übersprang, sehr erfolgreich über die ganze Welt verbreitet. Die Pandemie hat seither etwa 28 Millionen Menschenleben gefordert. Aids kam vor allen in den Anfangsjahren einem Todesurteil gleich. Heute lässt sich das Virus – zumindest in der westlichen Welt – mit einem Dreifach-Cocktail aus zwischenzeitlich entwickelten Medikamenten recht gut unter Kontrolle halten. Auch  die Ausbreitung wurde durch Aufklärung deutlich eingegrenzt: Am wirksamsten ist der Schutz durch Kondome beim Sex. Quelle: Gemeinfrei
Hepatitis BDiese Form der Leberinfektion wird wie Aids vor allem beim Geschlechtsverkehr weitergegeben. Aber auch Piercing, Spritzen oder Blutkonserven sind potenzielle Übertragungswege. Mit über 350 Millionen Infizierten gehört das Hepatitis-B-Virus zum erfolgreichsten Krankheitserreger der Welt. Es ist vor allem in China und Südostasien, dem Nahen Oste und Afrika weit verbreitet. Bei 90 Prozent der Infizierten heilt die Erkrankung aber schnell und vollständig aus – oft sogar ohne die typischen Gelbsucht-Symptome wie Gelbfärbung der Haut oder Gliederschmerzen. Dennoch sind auch diese unerkannten Infizierten anstecken. Und bei jenen zehn Prozent der Betroffenen mit chronischem Verlauf kommt es zu schweren Leberzirrhosen und zum Leberkrebs. Durch eine Impfung konnte das Virus vor allem in der westlichen Welt allerdings drastisch eingedämmt werden. In Deutschland werden seit 1995 alle Neugeborenen gegen Hepatitis B geimpft. Quelle: Gemeinfrei
Hepatitis CAuch dieses Virus wird über Blut und Körperflüssigkeiten weitergegeben. Es befällt wie sein naher Verwandter, das Hepatitis-B-Virus, die Leber und bleibt oftmals unerkannt. Der Anteil chronischer Erkrankungen ist allerdings deutlich höher: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen zerstört das Hepatitis-C-Virus (HCV) das Organ. Weltweit sind rund 170 Millionen Menschen mit HCV infiziert, allein 300.000 in Deutschland. Besonders betroffen ist zum Beispiel Ägypten, wo 15 bis 20 Prozent der Menschen das Virus in sich tragen. Auch Nicht-Erkrankte können den Erreger weiter geben. An einer Impfung arbeiten Forscher derzeit – zum Beispiel beim Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und beim  schweizerischen Biotechnik-Unternehmen Okairos, das 2013 vom britischen Pharma- und Impfstoff-Konzern GlaxoSmithKline aufgekauft wurde. Seit Ende vorigen Jahres ist zudem ein sehr wirksames Medikament des kalifornischen Unternehmens Gilead Sciences auf dem Markt, das allerdings wegen seines hohen Preises ebenso hohe Wellen schlägt: Eine einzelne Sovaldi-Pille kostet 700 Euro, die zwölf Wochen dauernde Behandlung schlägt mit gut 60.000 Euro zu Buche. Quelle: Gemeinfrei
InfluenzaAnders als Ebola, Aids oder Hepatitis befallen Grippe- oder Influenza-Viren die Atemwege der Menschen und verbreiten sich beim Husten oder Niesen durch winzige Tröpfchen sehr effektiv über die Luft. Damit ist es sehr schwer, sich vor einer Ansteckung zu schützen – und Infizierte sind bereits eine Ansteckungsgefahr für Mitmenschen, lange bevor sie selbst mit hohem Fieber und Gliederschmerzen schwer krank im Bett liegen. Anders als eine gewöhnliche Erkältung kann eine echte Grippe durchaus lebensbedrohlich sein. Allein in Deutschland fordert die saisonale Wintergrippe jedes Jahr bis zu 15.000 Menschenleben. Vor allem ältere und immun geschwächte Menschen sind gefährdet. Da jedes Jahr andere Grippestämme grassieren, besteht die Schutzimpfung alljährlich aus drei unterschiedlichen Virentypen, die von den Beobachtungsteams der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgewählt werden. Quelle: Gemeinfrei
SchweinegrippeDa Influenza-Viren auch Vögel und Schweine befallen, entstehen laufend neue Erregertypen. So brachte zwischen 1918 und 1920 solch ein für den Menschen völlig neuer und besonders virulenter Influenza-Stamm – die sogenannte spanische Grippe – weltweit mindestens 25 Millionen Menschen um. Der Erreger gehörte zum Subtyp A/H1N1, der unter dem Namen Schweinegrippe im Frühjahr 2009 erneut für Aufsehen sorgte. Damals war die Sterblichkeit bei den Erkrankten des zuerst in Amerika auftretenden Erregers extrem hoch. Später zeigte sich jedoch, dass vor allem ältere Menschen teilweise gegen den neuen Schweinegrippe-Erreger immun waren. Die zunächst befürchteten zigmillionen Toten blieben aus. Das Virus hat sich aber inzwischen aber weltweit ausgebreitet und unter die saisonalen Grippeerreger gemischt. Quelle: dpa
VogelgrippeUnter ständiger Beobachtung stehen Influenza-Viren der Subgruppe A/H5N1 und A/H9N7, die bei Geflügelzüchtern verheerende Schäden anrichten und sich auch über wildlebende Zugvögel weltweit verbreiten. Vor allem eine Infektion mit dem H5N1-Typ, der auch unter dem Namen Geflügelpest bekannt ist, endet für Legehennen oder Masttiere wie Enten, Truthähne oder Gänse in der Regel tödlich. Immer wieder springen Vogelgrippe-Erreger vor allem im asiatischen Raum auch auf den Menschen über, was bisher aber nie zur befürchteten Pandemie beim Menschen mit avisierten sieben Millionen Toten führte. Quelle: AP

Die Bundesregierung ließ am Freitag verlauten, dass sie die Hilfen für den Kampf gegen die Epidemie aufstockt. Die Mittel würden um knapp 85 Millionen Euro auf gut 100 Millionen Euro erhöht, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz mit. Mit dem Geld sollten Maßnahmen der Bundesregierung und von Hilfsorganisationen unterstützt werden. Kanzlerin Angela Merkel hatte erklärt, sie sehe die internationale Gemeinschaft im Kampf gegen die tödliche Krankheit gefordert. "Ebola ist in der globalisierten Welt nur mit einer deutlich engeren internationalen Zusammenarbeit und mit deutlich effektiveren Strukturen einzudämmen."

Pflegekraft auf Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne

Unterdessen ist eine Pflegekraft der texanischen Klinik, in der der Ebola-Patient Thomas Eric Duncan kürzlich verstarb, auf einem Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne gestellt worden. Wie das US-Außenministerium am Freitag weiter mitteilte, zeige sie bislang aber keine Ebola-Symptome. Sie sei auch nicht direkt mit dem Patienten in Kontakt gekommen - möglicherweise aber mit dessen Körperflüssigkeiten.

Die Pflegekraft sei am Sonntag in Galveston an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen. Dem Ministerium zufolge beobachtet die Person ihre körperliche Verfassung seit Montag und hat bislang keine Anzeichen einer Ebola-Erkrankung. Sie habe sich mit ihrer Reisebegleitung freiwillig in ihrer Kabine isoliert. US-Behörden veranlassten die Rückkehr des Schiffes in die USA.

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