Ebola Pharmakonzerne bekämpfen die Seuche

Lange zögerte die Industrie, doch nun testet sie erste Impfstoffe gegen die Seuche am Menschen. Positive Nebenwirkung: ein neues, effizientes Herstellverfahren – auch für andere Impfungen.

Am Hamburger Universitätsklinikum testen Forscher zum ersten Mal einen Ebola-Impfstoff an Menschen. Quelle: dpa

Seit vorigem Sommer steht für Hanneke Schuitemaker die Welt kopf. Bis dahin war es die Impfstoff-Forscherin und Virologie-Professorin aus dem niederländischen Leiden gewohnt, mit einer Handvoll Mitarbeitern auszukommen – jedenfalls wenn es um ihr Ebola-Projekt und die Suche nach einem Impfstoff gegen die tödliche Seuche ging.

Das fanden zwar viele Menschen spannend beim US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J), der Schuitemakers Arbeitgeber, das Unternehmen Crucell, vor vier Jahren geschluckt hatte. Trotzdem erschien ihnen die Viruserkrankung zu selten, exotisch und vor allem wenig umsatzträchtig. Erst als der Ebola-Ausbruch in Westafrika mehrere Tausend Todesopfer gefordert hatte und außer Kontrolle zu geraten drohte, wurde den Pharmagranden klar, dass ihr Beitrag dringend gefragt war.

Seither ist alles anders: Schuitemakers Ebola-Projekt rangiert nun ganz oben auf der Agenda der Konzernvorstände. Das Team, das die ansteckend tatkräftige Frau jetzt dirigiert, ist auf 150 Köpfe angewachsen. Denn Paulus Stoffels, Forschungschef der J&J-Pharmasparte, wies all seine Abteilungen rund um den Globus an, sämtliche verfügbaren Ressourcen in die Entwicklung des Ebola-Impfstoffs zu stecken.

Nun hat Schuitemaker „mehr von allem“, wie sie sagt: Geld, Forscher und Aufmerksamkeit. Anfang Dezember rief Stoffels höchstpersönlich an und fragte: „Was brauchst du, damit wir noch 2014 mit den klinischen Versuchen am Menschen beginnen können?“

Nicht nur die Manager von J&J haben in Sachen Ebola umgedacht. Nach langem Zögern haben mehrere Unternehmen die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten endlich in Angriff genommen. Weil Pharmaindustrie und Zulassungsbehörden angesichts der dramatischen Lage ausnahmsweise extrem konstruktiv zusammenarbeiten, geht das sogar erstaunlich schnell. Statt jahrelang herumzulaborieren, erproben die Forscher nun schon nach wenigen Monaten erste Therapien und Impfstoffe am Menschen. „Das habe ich so noch nie erlebt“, sagt Schuitemaker.

Das Ganze hat zudem einen sehr positiven Nebeneffekt, weil die Wissenschaftler im Zuge ihres Kampfs gegen Ebola auch neue, sehr effiziente Herstellungsverfahren für Impfstoffe erproben. So produzieren die Zellen, die in Schuitemakers Biotech-Braukesseln – den Fermentern – schwimmen, zehnmal mehr Impfstoff als bisher. Denn gegenüber den aktuell üblichen Zellentypen braucht der neue Kandidat aus Leiden nur sehr wenig Platz. In einem Liter Nährlösung gedeihen so viel mehr der Miniorganismen. Echte Massentierhaltung sozusagen.

Das ist das Ebola-Virus

Wenn sich diese Leistungssteigerung vom Labormaßstab auf die Massenproduktion übertragen lässt, könnten auch andere Impfstoffe etwa gegen Polio oder Grippe um den Faktor zehn günstiger – und schneller – produziert werden.

Drei Kandidaten im Rennen

Besonders bei Ebola drängt die Zeit. Gerade meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen erneuten Anstieg der Todesfälle: Über 8000 Menschen hat das Fieber in Westafrika dahingerafft. Über 19 000 Ebola-Infizierte hat die WHO registriert. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen.

Bereits Erkrankten können nur Medikamente helfen, die gerade entwickelt und erprobt werden. Um aber zu verhindern, dass sich das tödliche Virus weiter in Afrika und möglicherweise über die ganze Welt ausbreitet, müssen Forscher einen Impfstoff finden.

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