Einzelhandel Wenn der Roboter beim Einkauf hilft

Der Roboter „Pepper“ soll im Einzelhandel bei der Beratung helfen. Quelle: dpa

Schuhverkäufer setzen auf soziale Medien, Lebensmittel gibt es online und künftig könnten uns Roboter beim Einkauf helfen. Die Kunden empfinden die künstlichen Helfer schon heute als Bereicherung, zeigt eine neue Studie.

Aus hundert Kilometern Entfernung per Knopfdruck das Haus vorheizen, bevor eine Stunde später das Auto selbst in die enge Parklücke manövriert: Dass nicht schon viel mehr Menschen ein ferngesteuertes Zuhause oder ein intelligentes Auto besitzen, dürfte eher an den hohen Kosten als an mangelnder Akzeptanz der intelligenten Technik liegen. Wie wäre die Welt, wenn die Technologie der Zukunft aussähe wie ein Mensch?

Noch begegnet man diesen humanoiden Robotern eher selten im täglichen Leben. Doch es gibt sie bereits: Seit November 2016 rollt Paul bereits durch die Gänge der Ingolstädter Saturn-Filiale. Seit September ist der vom Fraunhofer-Institut entwickelte Roboter auch in einem Schweizer Mediamarkt anzutreffen. In Zukunft sollen auch Märkte in Hamburg und Berlin von dem elektronischen Verkaufsassistenten unterstützt werden.

Und auch in den Supermärkten ziehen die Roboter ein. In einer Edeka-Filiale in Fürth hilft Pepper, ein humanoider Roboter des japanischen Herstellers Softbank, den Kunden beim Einkauf. Er soll den Ausflug in den Supermarkt zum Erlebnis machen, Kostproben anbieten, Kunden unterhalten und sie zu den gesuchten Produkten begleiten. Die Investition könnte sich lohnen, wie Doktorand und Berater Patrick Meyer in der Feldstudie „Robotics in Retail“, einem gemeinschaftlichen Promotionsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Unternehmensberatung elaboratum, zeigt.

Er untersuchte in einer ersten Feldstudie die Akzeptanz von humanoiden Robotern im Einzelhandel. Denn besonders im stationären Geschäft könnten diese wieder zu mehr Besuchen von Kunden führen, die zu immer größerer Zahl online einkaufen. Für stationäre Händler sei es deshalb besonders wichtig, das enorme Potenzial der Digitalisierung zu entfalten, neue Entertainment-Strategien zu entwickeln und für innovative Einkaufserlebnisse zu sorgen, um das Geschäft mit neuen Ideen voranzutreiben, betont Meyer. Voraussetzung ist aber, dass die Kunden der ganzen Sache positiv gegenüber stehen.

Das testete Meyer eine Woche lang im Stuttgarter Einkaufszentrum „Das Gerber“ unter Realbedingungen. Der 1,20 Meter große und 28 Kilo schwerer Roboter Pepper bewegte sich mit seinen großen dunklen Augen und der kindlichen Stimme durch das gut besuchte Shoppingcenter. Dabei spielte er mit den Kunden das Spiel „Schnick Schnack Schnuck“, posierte mit ihnen auf Selfies und befragte sie nach ihrer Zufriedenheit.

Eine große Einkaufshilfe war der Roboter noch nicht. Trotzdem stieß der kleine weiße Kerl auf große Begeisterung und entpuppte sich als Publikumsmagnet. „Pepper hat das Potenzial, wieder mehr Menschen in die Läden zu locken und ihnen ein positives Einkaufserlebnis zu bieten“, ist Meyer überzeugt. So hatten vier von fünf Befragte nach eigenen Angaben viel, beziehungsweise sehr viel Spaß bei einer Unterhaltung mit dem menschlichen Roboter.

Ein bisschen Smalltalk und lustige Spiele kommen bei den Besuchern also gut an. Um aber einen echten Mehrwert im Einzelhandel zu bieten, müssen Roboter noch einiges lernen. Ein bisher noch sehr aufwendiges Unterfangen: Einen Roboter „einzuarbeiten“, das dauert. Media-Saturn-Roboter Paul zum Beispiel muss seine Arbeitsumgebung erst einmal genau kennenlernen. Um Kunden zu gesuchten Artikeln zu bringen, müssen Mitarbeiter die Position jedes einzelnen Artikels manuell in den Roboter eingeben. Ein Aufwand, um den sich bald ein weiterer Roboter kümmern soll, der allerdings vom Fraunhofer-Institut noch entwickelt werden muss.

Bei so vielen von Robotern übernommenen Aufgaben stellt sich unweigerlich die Frage, was da noch für die menschlichen Arbeitskräfte übrig bleibt. Studienleiter Meyer sieht aber keine Jobs in Gefahr: „In den Läden wird Pepper den Verkäufer nicht ersetzen, weil ihm einfach diverse Fähigkeiten und Eigenschaften eines Menschen fehlen“, sagt er. Vielmehr können sich die Verkaufsberater durch die Hilfe der Roboter noch intensiver um die persönliche Kundengespräche kümmern.

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