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Elektrolyse-Hersteller So will Sunfire führender Wasserstoff-Player werden

Quelle: Presse

Das Dresdner Wasserstoff-Unternehmen Sunfire hat einen Schweizer Spezialisten übernommen – und will auf dem Multimilliarden-Markt jetzt ganz vorne mitmischen.

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Schon wieder eine Übernahme in der boomenden Wasserstoff-Branche: Der Dresdner Wasserstoff-Technologieanbieter Sunfire hat den Schweizer Elektrolyseanlagenbauer IHT Industrie Haute Technology gekauft, wie die WirtschaftsWoche erfahren hat. „Wir wollen damit zu einem der weltweit führenden Anbieter von industriellen Elektrolyse-Lösungen werden“, sagt Nils Aldag, CEO von Sunfire.

Neben Thyssenkrupp und Siemens ist Sunfire dank der Übernahme nun der dritte große Anbieter für die Technologie in Deutschland und kann große Teile der Wertschöpfungskette der Wasserstoffproduktion abbilden. Die Kunden könnten nun zwischen verschiedenen Technologien zur Herstellung von Wasserstoff auswählen, sagt Aldag, und auch kurzfristig Anlagen mit einer Leistung von bis zu 100 Megawatt ordern.

Bei der Elektrolyse wird Wasser mit Hilfe von elektrischem Strom in die Bausteine Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Sie gilt als Schlüsseltechnologie, um Energie künftig umweltfreundlich nicht als elektrischen Strom, sondern in chemischer Form zu speichern. Wasserstoff lässt sich lagern, transportieren, in der Industrie als Energieträger einsetzen oder in Brennstoffzellen wieder in Strom umwandeln. Auch Düngemittel oder synthetischer Kraftstoff lassen sich daraus umweltfreundlich herstellen.

Sunfire hat seit 2010 eine eigene Technologie entwickelt, die sich vor allem für den Einsatz in Stahlwerken oder Raffinerien eignet – die sogenannte SOEC-basierte Hochtemperaturelektrolyse, bei der heißer Wasserdampf verwendet wird. Der entsteht in vielen Fabriken als industrielle Abwärme, die bisher meist nicht genutzt wird. Im Vergleich zu anderen Verfahren benötigt die Sunfire-Technik weniger Strom, was Kosten spart.

Massive staatliche Wasserstoff-Programme

Mit dem Zukauf von IHT erweitern die Dresdner ihr Portfolio nun um die so genannte alkalische Elektrolyse, mit der Wasserstoff aus flüssigem Wasser hergestellt wird. Die Technik gilt als ausgereift, verhältnismäßig preiswert und flexibel. Ob an einem Depot für Wasserstoffzüge oder auf einer Offshore-Windfarm – an vielen Orten lassen sich damit große Mengen Wasserstoff produzieren.

IHT habe 70 Jahre Erfahrung mit der Technologie, heißt es bei Sunfire, und weltweit Anlagen mit einer Gesamtleistung von 240 Megawatt installiert. Die Elektrolyseure der Schweizer sollen mit 90.000 Betriebsstunden besonders lange haltbar und dabei im Vergleich zur Konkurrenz verhältnismäßig preiswert sein.

Mit der Übernahme kann Sunfire die Technologie der Schweizer nun auf breiter Front nutzen und seine Angebotspalette um einen wichtigen Baustein ergänzen. „Wir haben nun ein einzigartiges Portfolio, mit dem wir alle Anwendungen im Wasserstoff- und E-Fuel-Bereich abdecken können“, sagt CEO Aldag.

Lange war es ziemlich still um die Elektrolysehersteller, doch seit im vergangenen Jahr Staaten weltweit massive Wasserstoff-Förderprogramme gegen den Klimawandel gestartet haben, steht das Geschäft vor einem gewaltigen Boom. Allein die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende des Jahrzehnts 40.000 Megawatt an Elektrolyse-Kapazität aufzubauen. Australien, Saudi-Arabien, Chile und die Mittelmeeranrainer haben ebenfalls ambitionierte Pläne.

„Die Nachfrage übersteigt das Angebot“

Darum plant Sunfire, seine Produktion nun hochzuskalieren. In den nächsten Jahren wollen die Dresdner schnell wachsen, die Produktionskapazität soll sich vervielfachen. „In drei Jahren wollen wir Anlagen mit einer Leistung von zusammen deutlich mehr als 100 Megawatt pro Jahr herstellen“, sagt Aldag.

Dazu will das Start-up auch weiteres Geld einsammeln. „Wir werden kurzfristig über eine Kapitalerhöhung nachdenken.“ Mit dem Anlagenbauer SMS aus Düsseldorf haben die Dresdner einen strategischen Investor an Bord, der auch beim Bau der Elektrolyseanlagen helfen kann.



Doch die Konkurrenz schläft nicht: Nel aus Norwegen, ITM aus Großbritannien und McPhy aus Frankreich haben im vergangenen Jahr hunderte Millionen Euro an Kapital eingesammelt und errichten Elektrolyse-Fabriken, die pro Jahr ein Gigawatt und mehr Kapazität ausliefern sollen. Sunfire-Chef Aldag glaubt trotzdem, dass für Unternehmen, die große Anlagen zuverlässig aufbauen können, geradezu eine Auftragsflut ins Haus steht. „Die Nachfrage wird das Angebot in den nächsten fünf bis zehn Jahren übersteigen“, sagt Aldag.

Gemessen an der Zahl der Mitarbeiter – aktuell knapp 250 – ist Sunfire heute schon eines der größten Elektrolyseunternehmen weltweit. Und es sollen mehr werden: „Wir werden dieses Jahr ganz sicher weitere Arbeitskräfte einstellen“, sagt Aldag. Aktuell sucht das Unternehmen auf seiner Seite mehr als ein Dutzend Prozessentwickler, Anlagenbauer und andere Spezialisten.

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Aktuell stattet Sunfire unter anderem ein Stahlwerk der Salzgitter AG mit Wasserstoff-Technologie aus und arbeitet mit Partnern an einer CO2-neutralen Produktion für Flugzeug-Kerosin in Norwegen. Ab 2023 sollen dort zehn Millionen Liter erneuerbare Kraftstoffe entstehen, drei Jahre später soll die Anlage schon 100 Millionen Liter jährlich erzeugen.

Dass der Wasserstoff-Hype ein jähes Ende nehmen könnte, glaubt der Sunfire-Chef nicht. „Ohne grüne chemische Energieträger wie Wasserstoff ist es ausgeschlossen, dass wir CO2 neutral werden“, sagt Aldag. Auch die Konkurrenz etwa aus China sieht er gelassen. „Eine Elektrolyse-Anlage zu bauen ist ähnlich kompliziert, wie eine Chemiefabrik hochzuziehen“, sagt Aldag. „Das macht die Eintrittshürden für neue Unternehmen sehr hoch.“ Sunfire, vor zehn Jahren als Drei-Mann-Unternehmen gestartet, hat schon viele Jahre Erfahrung aufgebaut. Die wollen die Dresdner jetzt ausspielen.

Mehr zum Thema: Kaum ein Trend weckt derzeit an der Börse so viel Fantasie wie Wasserstoff. Deutschland und die EU haben eigene Wasserstoff-Strategien vorgestellt. Lohnt sich ein Einstieg in Aktien aus der Branche?

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