Entwicklungspsychologie Ein Nickerchen fördert das Langzeitgedächtnis

Eine neue Studie zeigt, dass das Erinnerungsvermögen bei Kleinkindern zunimmt, wenn sie nach einer lehrreichen Erfahrung schlafen.

Was wirklich hinter Lernmythen steckt
Bloß nicht mit den Fingern rechnen Quelle: Fotolia
Eine Lehrerin schreibt mit Kreide an die Tafel Quelle: dpa
Schüler mit dem Smartphone auf dem Schulhof Quelle: dpa
Fehler helfen beim LernenWer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird. Quelle: Fotolia
Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen Quelle: dpa
Gelerntes erzählen, hilft es sich zu merken Quelle: AP
Hochbegabte sind LernüberfliegerWer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten. Quelle: Fotolia

Ein Nickerchen nach dem Lernen festigt einer Studie zufolge bei Kleinkindern das Langzeitgedächtnis. Wie Forscherinnen aus Bochum und dem britischen Sheffield herausfanden, werden Erinnerungen an Fakten und Ereignisse besser abgespeichert, wenn das Kind nach einer lehrreichen Erfahrung schläft.

Die Psychologinnen besuchten mehr als 200 Babys Zuhause und untersuchten das Erinnerungsvermögen der Kinder mit einem Handpuppentest. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS").

„Dass der Rat „Schlaf mal drüber“ bei Erwachsenen funktioniert, ist bereits wissenschaftlich gut belegt“, sagte die Entwicklungspsychologin Sabine Seehagen von der Ruhr-Universität Bochum, die die Studie leitete. Auch bei Schulkindern wurde das Phänomen bereits untersucht. „Weil kleine Kinder viel lernen und erinnern und auch viel schlafen, haben wir uns Babys im Alter von sechs bis zwölf Monaten angeschaut.“

Die Forscherinnen spielten den Kindern aus Bochum und Umgebung bei einem ersten Besuch mit einer Handpuppe bestimmte Handlungen vor. Beim nächsten Treffen beobachteten sie, welche dieser Handlungen das Kind nachzuahmen versuchte, als es die Handpuppe erneut sah.

Ein Teil der kleinen Probanden hatte innerhalb von vier Stunden nach dem Puppenspiel mindestens eine halbe Stunde am Stück geschlafen, die anderen waren wach geblieben oder nur ganz kurz eingenickt.

Faulsein mit Stil
Abwarten, Tee trinken!Kaffee vor Arbeitsbeginn, Kaffee in der Mittagspause und Kaffee als Überstunden-Überlebenshilfe – kennt jeder. Finger weg, sagt aber Tom Hodgkinson und ruft zum Teetrinken auf. Denn den trinke man langsam und bedächtig – und möglichst gaaaanz entspannt, nicht wie Kaffee, in mächtigen Pappbechern "to go" und hektisch zwischendurch. Sein Vorbild ist die chinesische Teezeremonie, bei der Haltung, Geschirr und Stille eine Einheit eingehen. Kaffee dagegen sollte der Müßiggänger meiden, er sei ein Feind der Ruhe und des Müßiggangs. „Wir sind vom freudlosen Kaffeetrinken befallen und verseucht worden […] Wir sollten uns ihm widersetzen und uns zum Tee bekennen, dem uralten Getränk von Dichtern, Philosophen und Grüblern.“ Quelle: AP
Weg mit dem Wecker!„Der Schlaf ist ein mächtiger Verführer, daher die furchterregende Apparatur, die wir zu seiner Bekämpfung entwickelt haben. Ich meine die Weckeruhr. Großer Gott! Welches boshafte Genie hat diese beiden Feinde des Nichtstuns – Uhr und Wecken – zu einer Einheit zusammengefügt?“ Verschlafen als Sünde? Das gilt vielleicht für die Arbeitswelt aber nicht für Tom Hodgkinson. Er rät, aufzustehen, wenn wir es wollen und erst dann, wenn wir glauben, es lohne sich. Also fort mit dem Wecker und den Tag gemütlich starten. Quelle: dpa
Ein kleiner Spaziergang schadet nie!„Sei ein Flaneur der Mittagspause. Schlendere. Trödele. Lass dich treiben. Es ist ein höchst angenehmes Gefühl, anderen überlegen zu sein und selbst über sein Schicksal bestimmen zu können, wenn man einfach den Schritt verlangsamt und sich willenlos treiben lässt. Auf diese Weise zu schlendern heißt, sich zu weigern, ein Opfer der Stadt zu werden, es hilft einem vielmehr, sie zu erfassen und zu genießen.“ Zur Kunst des rechten Spazierengehens zitiert Hodgkinson Walter Benjamin. Ihm zufolge soll man die Straße, die Bäume so sehen als wäre man gerade in einem fremden Land angekommen. Quelle: dapd
Ein Drink zwischendurch fördert den Müßiggang!„Der Cocktail symbolisiert ein Wohlgefühl des Geistes, also träume all die Träume, die deinem Herzen am nächsten sind. Sie können wahr werden, und zu keiner anderen Zeit wird ihre Erfüllung so nah erscheinen. Denn dies ist die Cocktailstunde.“ Mit Cocktails, Wein oder Bier den Arbeitstag beenden, die irdischen Sorgen zur Seite legen und Geselligkeit zulassen, das rät Hodgkinson dem gewillten Müßiggänger. Den ersten Drink sollte man möglichst früh zu sich nehmen, damit der Abend schön wird. Und wem das noch nicht reicht, für den hat Hodgkinson noch einen Tipp auf Lager: "Absinth tötet dich, aber er bringt dich zum Leben." Quelle: AP
Krank sein, aber richtig!Krank sein ist nervig? Weit gefehlt! Krank sein gehört zum Leben dazu, meint Hodgkinson, und das soll bitteschön akzeptiert werden. Das beste was der Müßiggänger dann machen kann, ist die Krankheit in Ruhe aussitzen und entspannt genesen. Früher gab es tagelange Ruhe- und Liegekuren für Erkältete oder monatelange Aufenthalte in Badeorten für nervös Leidende. Hodgkinsons Tipps für eine schnell Genesung: „Wie es bei vielen anderen Aspekten des müßigen Lebens der Fall ist, ist die vernünftige Lösung für die Krankheit nicht der Versuch, sie zunichte zu machen, sondern Strategien für den Umgang mit ihr zu entwickeln.“ Quelle: dpa
Angeln - altmodisch, aber entspannend!Angeln zur Entspannung? Das ist nicht abwegig, meint Hodgkinson und weiß auch warum: "Der wahre Inhalt des Angelns, sein Kern, ist sicherlich die vollkommene Stille und Reglosigkeit. Es geht darum, ruhig und bewegungslos zu sein; und es geht ums Warten. Es geht um Sein und gleichzeitig Nichtsein. Es ist etwas für Philosophen und Poeten. Ja, es ist Philosophie und Poesie.“ Quelle: dpa
Rauchen befreit von Lastern!Das ständige „Ja“ und „Nein“ sagen zum Rauchen beschreibt Hodgkinson als ständigen Kampf und gibt einen einfachen Tipp ab, wie man sich von diesem Laster befreien kann: „Rauchen heißt Müßiggang, und es ist schwierig, stolz zu sein, wenn man arbeitet und beschäftigt ist. Wie das Angeln verwandelt das Rauchen den gewöhnlichen Menschen in etwas Heldenhafteres, Vollkommeneres; es macht einen Herrn aus einem Sklaven (…) Wie das Angeln bringt das Rauchen Tätigkeit und Untätigkeit miteinander in Einklang. Wenn man raucht, tut man nicht nichts, man raucht. Man ist gleichzeitig beschäftigt und bewegungslos.“ Quelle: dpa

Eine Kontrollgruppe von Kindern bekam beim ersten Besuch keine Handlungen zu sehen; somit konnte getestet werden, wie die Kinder spontan reagierten, wenn sie die Puppe sahen.

Die Kleinkinder mit Schlaf machten signifikant mehr Handlungen nach als Kinder in der Kontrollgruppe, wie die Psychologinnen feststellten. Anders sah es bei den Versuchsteilnehmern aus, die wach geblieben waren. Sie hatten sich laut Studie nicht gemerkt, was die Forscherin mit der Handpuppe vorgemacht hatte.

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