Erderwärmung Umweltbundesamt stellt Klima-Kritiker an den Pranger

Seit 15 Jahren stagniert die globale Durchschnittstemperatur auf der Erde. „Und sie erwärmt sich doch“, hält das Umweltbundesamt in einer aktuellen Broschüre trotzig dagegen – und kanzelt Klimaskeptiker als Lobbyisten ab, „die Zweifel säen“. Dabei sind diese durchaus angebracht.

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

 

In Harz und Schwarzwald schneite es am Wochenende zeitweise. Und überall zwischen Ostsee und Bodensee heizen die Deutschen gegen die Kälte am Ende des vermeintlichen Wonnemonats Mai an und fragen sich verwundert: Könnte es sein, dass die Klima-Apokalypse ausfällt? Schließlich waren auch die vergangenen beiden Winter ungewöhnlich frostig und trüb.

Dass Umweltbundesamt (UBA) und sein Präsident Jochen Flasbarth möchten offenbar verhindern, dass aus den Fragen Zweifel werden. Just in diesen Tagen hat die Behörde eine 122-seitige Broschüre aufgelegt, die dem Steuerzahler auf dessen Kosten erklärt,  dass die Erde sich doch erwärmt. Immer wieder wird darin der Eindruck erweckt, als bestünde unter den wahren Klimawissenschaftlern ein breiter Konsens, vor allem unter jenen, die im Weltklimarat IPCC mitarbeiten.

Umso leichter lassen sich eine Handvoll namentlich genannter Kritiker auf den hinteren Seiten der Broschüre in die Nörglerecke stellen, darunter Fritz Vahrenholt, ehemalige Hamburger Umweltsenator und späterer Manager beim Essener Energiekonzern RWE. Er erklärt die stagnierenden Temperaturen in seinem Buch „Die kalte Sonne“ mit der schwankenden Sonnenaktivität.  Gezielt unterstellen die UBA-Autoren den Skeptikern, zu denen auch die Wissenschaftsjournalisten Michael Miersch vom „Focus“ und Dirk Maxeiner gehören, entweder Ahnungslosigkeit oder Nähe zur Lobbyarbeit der fossilen Industrie.

Ganz sicher gehört es nicht zur Aufgabe einer staatlichen Behörde, Wissenschaftler, Manager und Journalisten mit einer abweichenden Meinung zum Klimawandel öffentlich an den Pranger zu stellen. Das ist eine Anmaßung. Der Vorgang zeigt jedoch, dass das Thema inzwischen weitgehend ideologisch statt wissenschaftlich diskutiert wird. Statt Abstand zu halten, machen sich die UBA-Autoren zu Glaubenskriegern.

Es ist Kern der Wissenschaft, dass die Forscher Thesen aufstellen und anhand der Wirklichkeit überprüfen. Schon manche schöne Theorie wurde auf diese Weise entkräftet. In der Klimadebatte gerät dieser Grundsatz in Vergessenheit. Zu viele Forscher und ihre Gegner setzen lieber auf steile Thesen und wollen Politik machen, statt sich nüchtern an den Fakten abzuarbeiten, wie der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch jüngst in einem Interview der WirtschaftsWoche beklagte. Sein Appell an die eigene Zunft: „Sie muss selbstkritischer mit ihren eigenen Aussagen umgehen und bereit sein, Minderheitsmeinungen und Einwände von außen ernsthaft zu prüfen.“ Die gleichen Maßstäbe gelten natürlich auch für die Skeptiker.

Vieles im komplexen Klimageschehen verstehen die Wissenschaftler bisher nur unzureichend. Das einzugestehen, stärkt die Glaubwürdigkeit, statt so zu tun, als gäbe es bereits Gewissheiten, wie die UBA-Broschüre suggeriert. So häufen sich die Studien, die sich von den ursprünglichen Horrorszenarien des IPCC distanzieren. Noch 2009 bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen warnte das Gremium davor, die Erde könne sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts um sieben Grad erwärmen, wenn keine entschiedenen – und teuren – Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

In Arbeit
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Ein internationales Team an der Universität Oxford kommt jetzt auf Basis aktueller Temperaturdaten aus aller Welt zu einer anderen Prognose: Es hält diesen Extremanstieg  für weniger wahrscheinlich und rechnet eher mit einem Temperaturplus von zwei bis 4,5 Grad Celsius. Aber auch dann noch, so betonen die Forscher, bleibe die Situation bedrohlich genug. Warum die Erde sich weniger aufheizt als befürchtet, obwohl der CO2-Anteil in der Atmosphäre steigt, können Sie hier noch einmal nachlesen 

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