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Expo Dubai Siemens' Blaupause für intelligente Städte

Eingang des Expo-Geländes in Dubai. Quelle: REUTERS

Die Weltausstellung in Dubai ist für Siemens ein Referenzprojekt für das Internet der Dinge. Der deutsche Konzern will zeigen, wie sehr digital vernetzte Städte den Menschen das Leben erleichtern.

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Sie startet mit einem Jahr Verspätung. Gleichwohl ist die Expo 2020 in Dubai eine Veranstaltung der Superlative: Mit einer Fläche von rund 440 Hektar ist das Gelände gut doppelt so groß wie der Stadtstaat Monaco. Das Ausstellungsgelände im Hinterland zwischen den beiden Emiraten Dubai und Abu Dhabi wurde komplett neu errichtet, die Flughäfen der beiden Städte sind nur rund eine Autostunde entfernt. Erstmals seit der allerersten Weltausstellung im Jahr 1851 in London sind mehr als 190 Teilnehmerländer mit einem eigenen Pavillon auf der Expo vertreten. Und auch der deutsche Konzern Siemens möchte hier neue Maßstäbe setzen.

Die mehr als 130 Gebäude, in drei Themendistrikten sternförmig um die zentrale Al-Wasl-Plaza mit ihrer Kuppel im Durchmesser von 150 Metern und einer Höhe von 65 Metern angeordnet, sind miteinander vernetzt. Die Infrastruktur dafür stammt von Siemens: Der deutsche Industrie- und Elektronikkonzern ist Premium-Partner für die Digitalisierung der Infrastruktur der Expo 2020, die ein halbes Jahr läuft. „Unser Engagement soll eine Blaupause für intelligente Städte darstellen“, sagt Oliver Kraft, der für Aufbau und Betrieb der technischen Anlagen von Siemens auf dem Gelände verantwortlich ist. Dafür haben Kraft und sein Team insgesamt 137 Gebäude miteinander in den Bereichen Komfort, Sicherheit, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit verknüpft.

Die gesamte Expo ist ein Referenzprojekt für das Internet der Dinge und Smart City, das zeigt, was technologisch bereits möglich ist: So sammelt das System teils in Echtzeit die Daten von 210.000 über das Expo-Gelände verteilten Sensoren und Datenpunkte, etwa in Klimaanlagen und Thermostaten, und vernetzt 5500 Türen und gut 15.000 Kameras. Diese werden in Mindsphere, dem Cloud-basierten Betriebssystem für das Internet of Things (IoT) von Siemens eingespeist.

Digitaler Zwilling der gesamten Expo

Auf Basis dieser Daten haben die Siemens-Entwickler eine spezielle App gebaut, mit der die Expo-Manager 16 verschiedene Bereiche teilweise mit Echtzeitdaten überprüfen können, angefangen beim Wasser- und Energieverbrauch über die Müllbeseitigung bis hin zu Zugangskontrollen und öffentlicher Sicherheit. So läuft etwa der Eintritt zur Expo über ein zentral von 150 sogenannten Standortbetreibern gesteuertes Sicherheitssystem. „Mindsphere fungiert hier gewissermaßen als zentrales Nervensystem, in dem alle relevanten Expo-Daten zusammengeführt, aufbereitet und analysiert werden“, sagt Kraft.

Um auf Basis dieser Daten Entscheidungen treffen und Probleme schnell verorten zu können, ist das gesamte Expo-Gelände in der App virtuell nachgebaut - ein digitaler Zwilling. Wird ein bestimmter Grenzwert überschritten, etwa zu viel Wasser verbraucht, werden die Standortbetreiber der Expo alarmiert. „In der App können sie dann in dem digitalen Zwilling mit wenigen Klicks bis auf die Gebäude-, Flur und Raumebene hinunter gehen, um das nächstgelegene Ventil vom Schreibtisch aus zu schließen“, erläutert Kraft.

Für Siemens und Dubai ist das Expo-Projekt aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Über 80 Prozent aller Gebäude und der Infrastruktur sollen auch nach dem Ende der Weltausstellung zum 31. März 2022 als eigener Stadtteil mit dem Namen District 2020 erhalten bleiben – zum Wohnen und Arbeiten. Siemens hat sich bereit erklärt, seine Dubai-Niederlassung nach Ende der Expo auf das neue Gelände zu verlegen. „So können wir zeigen: Die Entwicklung einer Smart City hört nie auf“, sagt Kraft.

Wie hoch die Siemens-Investitionen für das Expo-Event sind, mag Kraft nicht verraten. Die in der Vergangenheit von Siemens berichteten 500 Millionen Dollar beziehen sich auf die Gesamtinvestitionen des Konzerns in Dubai und Abu Dhabi zwischen 2018 und 2021 und umfassen insbesondere zwei IoT-Entwicklungszentren in beiden Emiraten sowie Software-Lizenzen für Unterricht und Forschung an Bildungseinrichtungen der Region. Die Ausgaben für die Expo seien darin nicht enthalten.

Mehr zum Thema: Dubai lockt deutsche Unternehmer mit niedrigen Steuern und Luxus. Doch ausgerechnet zum Start der Expo wird klar: Dubais Wirtschaftstraum ist ausgeträumt. Unterwegs mit einem Mann, der den Ausweg kennt.

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