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Fieber im All Astronauten laufen heiß

Reisen ins All sind aufregende Erfahrungen, gesund sind sie aber auf keinen Fall. Einer bislang unbekannten Gesundheitsgefahr sind Berliner Forscher jetzt auf die Spur gekommen: Astronauten laufen im Weltraum heiß.

Astronauten müssen im All mit vielen Gesundheitsgefahren rechnen.

BerlinAstronauten leben gefährlich: Sie rasen auf einer mit Tonnen hochexplosivem Treibstoff gefüllten Rakete ins All, verbringen Tage, Wochen oder gar Monate in einer absolut lebensfeindlichen Umgebung und müssen dann hoffen, dass ihr Raumschiff den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre meistert und der Fallschirm zur Landung sich rechtzeitig öffnet.

Doch nicht nur versagende Technik kann den Raumfahrern gefährlich werden. Längere Aufenthalte im All stellen auch eine enorme Belastung für den menschlichen Körper dar. Unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit kommt es zu Knochenschwund und Muskelabbau, das Immunsystem arbeitet nur noch eingeschränkt und die Sehkraft schwindet.

Wer das schützende Erdmagnetfeld verlässt, setzt seinen Körper zudem verstärkt der gefährlichen kosmischen Strahlung aus. Mediziner vermuten, dass die auffällige Häufung von tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Astronauten der Apollo-Mondmissionen mit dieser Strahlung in Zusammenhang steht.

Die Beispiele zeigen: Reisen ins All sind sicher aufregende Erfahrungen, gesund sind sie aber nicht. Jetzt sind Forscher der Berliner Charité einer weiteren Gesundheitsgefahr auf die Spur gekommen: Die Mediziner um Hanns-Christian Gunga vom Institut für Physiologie entdeckten, dass der Körper von Weltraumfahrern in der Schwerelosigkeit regelrecht heiß läuft. Selbst im Ruhezustand liegt die Körpertemperatur bei rund einem Grad über dem Normalwert von 37 Grad. Betätigten sich die Raumfahrer sportlich, stieg ihre Temperatur sogar häufig auf mehr als 40 Grad, berichten die Forscher im Fachmagazin Scientific Reports.

Gunga und seine Kollegen entwickelten spezielle Stirnsensoren, mit denen sie die Kerntemperatur im Gehirn und in den inneren Organen von Astronauten bei längeren Aufenthalten auf der Raumstation ISS maßen. „Wir haben eine neue Technologie entwickelt, die einen Hautoberflächentemperatursensor mit einem Wärmestromsensor kombiniert, um selbst geringfügige Veränderungen der arteriellen Bluttemperatur zu messen“, so Gunga.

Wie sich zeigte, stieg die Körpertemperatur der Astronauten über zweieinhalb Monate hinweg allmählich an, bis sie sich bei etwa 38 Grad einpendelte. Dass es sich um einen derart schleichenden Prozess handelt, dürfte nach Einschätzung der Forscher der Grund dafür sein, dass dieses Weltraumfieber bislang noch nicht entdeckt wurde.


Dem Körper fällt es schwer, die Hitze loszuwerden

Sobald die Raumfahrer ihr übliches Trainingsprogramm absolvierten, mit dem sie unter anderem dem Muskelschwund entgegenarbeiten sollen, kletterte die Temperatur rapide an und erreichte Werte über 40 Grad Celsius – ein Temperaturbereich, bei dem Patienten auf der Erde der Gang zum Arzt empfohlen wird. Als Ursache für diesen drastischen Anstieg sehen die Forscher die besonderen Bedingungen im Weltraum an.

„Der Körper kann die überschüssige Hitze in der Schwerelosigkeit kaum loswerden. Der Wärmeaustausch zwischen Körper und Umgebung ist in diesem Umfeld deutlich erschwert“, so Gunga. Schweiß verdampfe weniger als auf der Erde, was erklärt, warum der Körper während der Trainingseinheiten im All besonders schnell überhitzt.

Vor dem Hintergrund künftiger bemannter Marsmissionen sind die Erkenntnisse der Berliner Forscher von besonderem Gewicht. Denn die monatelange Reise zum Mars und zurück stellt auch ohne Weltraumfieber schon große Anforderungen an die körperliche Belastbarkeit der Astronauten.

Bevor Menschen zu derartigen Langzeitmissionen ins All aufbrechen, so das Fazit der Forscher, sollten Wege gesucht werden, wie sich dem Fieber wirksam begegnen lässt.

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