Flugzeugtechnik Air Berlin entwickelt Einparkhilfe für Flugzeuge

Rückwärtsgang und Rückspiegel sucht man bei Passagierjets vergebens. Das macht die Abfertigung der Flieger kompliziert, zeitraubend und laut. Eine neue Erfindung soll das ändern.

Das sind die Flugzeuge der Zukunft
FanWingDas Bild zeigt die Computerillustration eines
VolocopterEnde 2013 hob der Volocopter erstmals zu seinem Jungfernflug ab. Der unbemannte Elektro-Senkrechtstarter wird von Elektromotoren angetrieben und per Joy-Stick oder Autopilot gesteuert. Statt eines Propellers, wie beim einem Helikopter, ist er mit mehreren ausgestattet. Langfristig sollen in dem Fluggerät zwei Personen transportiert werden können. Quelle: dpa
Clip-AirFliegen geht schneller als Zugfahren. Doch ehe ein Reisender im Flieger sitzt und die Reise wirklich losgeht, vergehen Stunden in Warteschlagen und vor dem Boarding. Dass das Fliegen genau so komfortabel wird, wie das Zugfahren, ist das Ziel eines Schweizer Forscherteams. Dazu haben sie eine Art Luft-Lok an der einzelne Passagier- oder Logistik-Wagen angehängt werden können. Der
Flug-Floh Quelle: PR
So könnte das Passagierflugzeug der Zukunft aussehen: Das Konzept für den Nurflügler wurde im Rahmen des EU-Projekts NACRE (New Aircraft Concepts Research) entwickelt. Quelle: PR
Solar ImpulseDas Schweizer Solarflugzeug Solar Impulse ist das aktuelle Projekt des Schweizer Luftfahrtpioniers Bertrand Piccard. Das Flugzeug zieht seine Energie ausschließlich aus Sonnenenergie. Dafür sin Solar-Paneele auf den Flügeln angebracht. Um zu zeigen, dass das Projekt funktioniert, plant der Schweizer zwischen April und Juni 2014 eine Erdumrundung. Quelle: dpa
Spike AerospaceReise für Reiche: Ein Startup aus Boston entwickelt derzeit den Überschall-Privatjet Spike Aerospace. Damit soll die Flugzeit von New York nach London nur noch drei Stunden dauern. Die gigantischen Panorama-Fenster bestehen aus Displays auf denen das, was draußen vorbei zieht, übertragen wird. Wer schlafen möchte, kann die Bildschirme abdunkeln. Angeblich sollen die Flieger bereits 2018 an den Start gehen. Quelle: Screenshot

Rückwärts um die Ecke mit dem Ferienflieger einparken? Nein soweit ist’s noch nicht, woran die Entwickler der Fluggesellschaft Air Berlin gemeinsam mit zwei Technologie-Partnern arbeiten, aber das Ziel – so sonderbar es klingt – ist genau das: Künftig sollen die Airbusse oder Boeings tatsächlich in der Lage sein, nicht mehr nur mit Turbinenkraft vorwärts bis zum Gate zu rollen. In Zukunft sollen die Piloten ihre Jets auch rückwärts zu manövrieren können.

Die dafür erforderliche Technik wollen die deutsche Airline und die beiden Unternehmen WheelTug und FTI Engineering Network nun gemeinsam entwickeln, so die am Rande der Luftfahrtmesse Farnborough International Air Show getroffene Vereinbarung.

Wie die Airlines ihre Flugzeuge leichter machen wollen

Möglich machen soll das eine Kombination aus einem Elektroantrieb für die Bugräder der Jets und einem Kamerasystem zur Bodenüberwachung unter und hinter dem Flugzeug. Denn bisher braucht’s– mangels genauer Bodensicht, Rückwärtsgang und Rückspiegel – fürs Ein- und Ausparken Bodenlotsen und sogenannte Push-Back-Fahrzeuge, die die Flieger nach dem Einsteigen wieder auf die Rollfläche zurück drücken.

Das im Technik-Jargon „Pilot Ground Situation Awareness System“ (PGSA) genannte System, das die Entwicklungspartner als Nachrüstlösung für Flugzeuge entwickeln wollen, nicht nur die Abfertigung der Flugzeuge beschleunigen. Schließlich müssen die Maschinen nicht mehr auf die Push-Back-Wagen warten. Der von WheelTug entwickelte Elektroantrieb fürs Bugrad soll auch Lärm vermeiden sowie Sprit sparen helfen und so einen effizienteren Einsatz der Jets ermöglichen.

Denn wenn es reicht, mit der Kraft der in den Naben der Vorderräder montierten Elektromotoren von der Parkposition zur Startbahn zu rollen, „ist das viel effizienter, als den Jet auf dem Weg mit den Turbinen vorandrücken zu müssen“, sagt Oliver Lackmann, Chefpilot der Air Berlin. „Die Triebwerke sind schließlich für den Vortrieb beim Fliegen optimiert und nicht zur Fortbewegung auf den Rollbahnen.“

Was Umwelt und Flughafen-Anwohner schont, entlastet auch die Budgets der Airlines. Denn die stehen aktuell unter extremem Kostendruck und versuchen mit vielfältigsten Tricks, ihre Kosten zu drücken, beziehungsweise die Profitabilität ihrer Flieger zu steigern.

In Arbeit
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Um Unfälle beim autonomen Rollen zu vermeiden, sollen die von FTI gelieferten Kamerasysteme am Rumpf und am Leitwerk sowie Sensoren an den Flügelspitzen dafür sorgen, dass der Cockpit-Crew beim Vorwärts- und erst recht beim Rückwärtsfahren nicht der Überblick über das Geschehen unter und hinter dem Flieger verloren geht.

Wann die Technik marktreif ist - dazu äußert sich bisher keiner der Partner offiziell. Kenner der Branche aber gehen davon aus, dass sich der Entwicklungs- und – mehr noch – der Zertifizierungsprozess für die neue Rückfahrhilfe leicht über zwei bis fünf Jahre hinziehen kann.

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