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Fossilienfunde in Los Angeles Das Mammut von der Metro-Baustelle

Kalifornien verlangt bei Bauarbeiten die Einbindung von Forschern, die den Boden nach Relikten vergangener Zeiten durchsuchen. Nicht immer sind deren Funde so spektakulär wie der auf einer Metro-Baustelle in Los Angeles.

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Der Hunderte Pfund schwere Schädel ist besonders selten, weil er noch beide Stoßzähne hat. Quelle: AP

Los Angeles Ashley Leger hat ihre Sicherheitsausrüstung immer in Reichweite. Sobald ihr Telefon summt, zieht die Paläontologin Neonweste, Schutzhelm und Brille an und klettert tief in die riesige Baustelle unter den Straßen von Los Angeles, wo die Metro nach Westen erweitert wird.

Die Bauarbeiten werden dann ausgesetzt, so dass Leger sorgfältig Erde von der fraglichen Stelle bürsten kann. Schließlich besteht immer die Möglichkeit, den ganz großen Fund zu machen.

Leger hat sich auf Ausgrabungen in Städten spezialisiert und arbeitet für das Unternehmen Cogstone Resource Management, das die Transportbehörde von Los Angeles engagiert hat, um etwaige Funde bei Tiefbauarbeiten zu begutachten. Aufgrund der strengen Denkmalschutzvorschriften Kaliforniens müssen solche Experten bei Bauarbeiten immer vor Ort sein.

„Sie stellen sicher, dass jedes einzelne Fossil ausgegraben wird, das möglicherweise auftauchen könnte“, sagt Leger über ihr Team. „Sie rufen mich an, sobald ein großes Teil freigelegt wird und wir eine Ausgrabung durchführen müssen.“

Seit Beginn der Bauarbeiten zur Metro-Erweiterung 2014 tauchen immer wieder versteinerte Überreste auf von Tieren auf, die während der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren in den Graslandschaften und Wäldern der Region lebten. Unter den Funden sind Teile eines Kaninchenkiefers, ein Mastodonzahn, das Vorderbein eines Kamels, die Wirbelsäule eines Bisons sowie Zahn und Fußknöchel eines Pferdes.

Doch die Sensation kam vor etwa einem Jahr, kurz nach Beginn der zweiten Phase des Projektes. Leger schüttelt noch immer ungläubig den Kopf, wenn sie daran denkt. „Es sieht nach was Größerem aus“, hatte einer ihrer Kollegen spätabends am Telefon gesagt. Am nächsten Morgen kniete Leger vor den Knochen und glaubte Umrisse eines Elefantenschädels zu erkennen.

Doch nach 15 Stunden mühsamer Ausgrabungen legte das Team einen intakten Mammutschädel frei. „Da ist ein absoluter Traum wahr geworden“, schwärmt sie. „Das ist so ein Fossil, wie man es immer finden will in seiner Karriere.“ Zehn Jahre hatte Leger auf einer Mammut-Ausgrabungsstätte in South Dakota verbracht, ohne etwas zu entdecken, das auch nur annähernd so groß war wie dieser Schädel in Los Angeles.


Ein Schädel von der Größe eines Sessels

Nach Angaben des Sprechers der Transportbehörde für den Bezirk Los Angeles waren Paläontologen bei allen Tiefbauarbeiten für die Metro in den 1990er Jahren dabei, als die Arbeiten für die erste Linie begannen. Die Kosten für die Experten würden in die Projektkosten eingepreist, betont Dave Sotero.

Sobald die Wissenschaftler hinzugezogen werden, müssten Bagger und Arbeiter weichen und an anderer Stelle weiter arbeiten. „Wir machen ihnen dann Platz“, sagt Sotero. „Unsere Leute sind so aufmerksam wie möglich, um ihnen bei ihrer Arbeit zu helfen.“

Der Mammutschädel ist nun ausgestellt im La Brea Tar Pits and Museum in Los Angeles. Die stellvertretende Kuratorin Emily Lindsey nennt ihn einen „ziemlich bemerkenswerten Fund“: Zwar seien hier Tausende Fossilien der ausgestorbenen Hundeart Canis dirus und von Säbelzahnkatzen gefunden worden, doch nur rund 30 Mammuts.

Der Hunderte Pfund schwere Schädel von der Größe eines Sessels ist besonders selten, weil er noch beide Stoßzähne hat. Nun kann er im Fossil Lab des Museums hinter Glas besichtigt werden, wo er auch untersucht wird.

Als Hommage an Hollywood wurde der zwischen acht und zwölf Jahre alte Präriemammut Hayden genannt, nach der Schauspielerin Hayden Panettiere aus den Serien „Nashville“ und „Heroes“. Legers Kollege an der Baustelle hatte Hayden im Fernsehen gesehen, bevor er den Knochen entdeckte, der sich als intakter Schädel herausstellte.

Auch in anderen Städten wurden dank Experten vor Ort unterirdische Schätze zutage gefördert: Auf einer Baustelle in San Diego legten sie Teile eines Mammuts, eines Grauwals und zahlreiche Schichten versteinerter Muscheln frei. Bei Arbeiten am Hafen in Boston erschien im vergangenen Jahr ein 15 Meter langes Holzboot im Erdreich, das aus dem späten 18. Jahrhundert stammen könnte.

Lindsey lobt die Maßnahmen Kaliforniens, bei der Stadtentwicklung Archäologen einzubinden. Gleichzeitig befürchtet sie den Verlust wertvoller Funde, bevor die Vorschriften in den frühen 1970er Jahren in Kraft traten. „Das meiste aus der Vergangenheit liegt unter der Erde, also findet man es nur, wenn man gräbt“, betont sie. „Wenn die Stadt weiter wächst, finden wir sicher noch mehr aufregende Fossilien.“

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