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Früherkennung Narrenfreiheit bei der Diagnose

Anders als Arzneimittel werden Vorsorgemethoden nie geprüft, ob sie den Patienten auch nutzen.

Vorsorgemethoden unterstehen keiner staatlich geregelten Prüfung - Ein Missstand, meint IQWiG-Chef Windeler Quelle: dpa

Wer hierzulande als Arzt Vorsorgedienste oder Früherkennungstests anbietet, hat eine Art Narrenfreiheit. Denn diagnostische Verfahren und Tests werden nie von einer unabhängigen und fachkundigen Instanz auf ihren Nutzen für den Patienten geprüft. Ganz anders als bei Arzneimitteln, die seit dem Contergan-Skandal ein strenges Zulassungsverfahren durchlaufen müssen.

Wie Ärzte und Bürger das Gesundheitssystem bewerten

Was Mediziner aus Kernspintomografie-Bildern ablesen, wie oft sie bei der Interpretation solcher Aufnahmen richtig liegen oder falsch, wie häufig sie mit Gentests Fehlalarm auslösen oder irrtümlich Entwarnung geben – das alles kontrolliert kein Mensch.

Zwar müssen Medizingeräte, zu denen auch die Kernspintomografen zählen, ein sogenanntes CE-Kennzeichen haben, bevor der Hersteller sie vertreiben darf. Doch das Zeichen ist kein medizinisches Gütesiegel. Es besagt nur, dass das Produkt den EU-Richtlinien entspricht, dass es funktioniert und dass es ein paar Mindestanforderungen in puncto Sicherheit erfüllt. Das gilt ebenso für Kühlschränke, Spielzeug oder Kondome. Auf ein MRT-Gerät übertragen, heißt das zum Beispiel, dass es scharfe Bilder liefert und dass von dem Dauermagnetfeld keine Gefahren für Personal oder Patienten ausgehen.

Frei von jeder Kontrolle

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Für die Vermarktung aber kommt es nicht darauf an, ob die beworbenen medizinischen Tests wirklich Klarheit schaffen – oder Hokuspokus sind. „Das ist ein seit Jahren bekannter Missstand“, beklagt der IQWiG-Chef Jürgen Windeler. „Und es wäre höchste Zeit, dass dafür eine gesetzliche Regelung und ein staatliches Zulassungsverfahren geschaffen werden.“

Es könne nicht sein, dass Diagnosen und Tests anders behandelt würden als Arzneimittel.

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