Gaia-Mission erfolgreich angelaufen ESA startet Vermessung der Milchstraße

Die Sojus-Trägerrakete mit Gaia an Bord ist am Morgen abgehoben. Das Esa-Teleskop soll die bislang größte und detaillierteste 3D-Karte unserer Milchstraße erstellen. Ein schwieriges Unterfangen.

Die Mission Gaia ist am Donnerstag erfolgreich gestartet. Quelle: ESA

Was für ein Jahresabschluss für die europäische Raumfahrt: Kurz vor Weihnachten startet die Europäische Raumfahrt Agentur (ESA) eine der wichtigsten Missionen des Jahres. Mit noch nie dagewesener Genauigkeit wollen die Wissenschaftler eine Milliarde Sterne der Milchstraße erfassen und so eine einzigartige Himmelskarte unseres Sonnensystems erstellen.

Um Punkt 10 Uhr am Freitagvormittag schauten Wissenschaftler aus aller Welt gebannt auf den Bildschirm. Von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana aus sollte die Arianespace-Sojus-Rakete ins All starten, an Bord eine 2023 Kilogramm schwere Raumsonde und das Astronomie-Teleskop „Gaia“, das die außergewöhnlichen Bilder aus dem All schießen soll. Erwartet werden nicht nur Daten über die Position der Sterne. Auch über die Temperatur, Helligkeit und Zusammensetzung soll das Teleskop Auskunft geben.

Trotz der Summe von einer Milliarde Sterne, misst „Gaia“ damit nur etwa ein Prozent der Milchstraße. Das Unterfangen scheint nahezu unmöglich. Nur ein Beispiel: Um die Position der Sterne auf den Abbildungen „in die realen Positionen der Sterne umzurechnen, muss die absolute Orientierung des drei Meter hohen Satelliten im Weltraum auf etwa einen Atomdurchmesser genau bekannt sein – und zwar für jeden Zeitraum der fünfjährigen Mission“, sagt Ulrich Bastian, Mitglied des 13-köpfigen Gaia-Science-Teams der Esa. Ein Atomdurchmesser entspricht 0,3 Nanometer, also 0,000000003 Meter.

Die atemberaubenden Twitterbilder der ISS-Astronauten
Ein aktiver Vulkan auf einer Insel – Astronaut Parmitano sieht am 1. Juni bei einem Rundflug um die Erde gleich zwei davon. Er verrät nicht, wo die Aufnahme entstanden ist. Lesen Sie >>hier, wie die Bilder entstanden sind. Quelle: NASA/ESA
Rauch strömt aus der Spitze des Ätna. Der „sizilianische Gigant“, wie Parmitano den Vulkan in Süditalien nennt, ist immer wieder aktiv. Quelle: NASA/ESA
Sonne und Mond gehen gleichzeitig auf – auch für die Astronauten ein besonderer Anblick. Quelle: NASA
Flüsse des brasilianischen Regenwaldes fließen in den Atlantik, in dem sich die untergehende Sonne spiegelt. Quelle: NASA/ESA
Der große Wagen steht am Firmament – was sich bewegt, ist die Erde. Quelle: NASA
Der Nil und sein Delta. Das von Unruhen geplagte Ägypten – von Bord der ISS sieht es nachts ganz friedlich aus. Quelle: NASA/ESA
Detroit, Cleveland und Toronto leuchten hell bis ins All. Rechts deutet sich der Sonnenaufgang an – in Europa ist es schon hell. Quelle: NASA
„Die sieben Schwestern“, nennt Parmitanos Kollegin Nyberg die Pleiaden. Hier hat sie sie über dem Inselstaat Mauritius fotografiert. Im Indischen Ozean spiegelt sich das Mondlicht. Quelle: NASA
Esa-Astronaut Luca Parmitano schwebt Anfang Juni mit seinem Fotoapparat in der Cupola. Damals ist er seit fünf Tagen an Bord der ISS. „Warte auf ein Foto-Motiv“, schreibt er zu dem Foto von ihm auf Twitter. Quelle: NASA/ESA
Felder in Kansas, USA: „Wie ein Gemälde von Mondrian“, staunt Parmitano. Quelle: NASA/ESA
„Wir fliegen direkt über der Tag-Nacht-Grenze“, schreibt Parmitano. 16 Sonnenauf- und Untergänge sehen die Astronauten jeden Tag. Quelle: NASA/ESA
„Falls Ihr Euch fragt, wie ein Gewittersturm aus dem All aussieht“, schreibt Parmitano – und twittert das passende Bild dazu. Quelle: NASA/ESA
Ende Juli zieht ein Gewittersturm über Asien hinweg. „Die Blitze waren fantastisch“, schwärmt ISS-Astronautin Karen Nyberg auf Twitter. Quelle: NASA
Am 9. August fotografiert Nyberg das japanische Versorgungsmodel HTV4, das gerade an die Raumstation andockt. Rechts der Roboterarm der ISS. Quelle: NASA
Kurz vorher schwebt das Modul (links, mit grünem und rotem Licht) über der nächtlich erleuchteten Stadt Houston in Texas. Quelle: NASA
Kolossaler Schnappschuss: Das Mittelmeer, der Sternhaufen der Pleiaden (über dem Stiefelabsatz Italiens) und ein Gewitter über dem Balkan. Quelle: NASA/ESA
„Wenn Du diese Landmarke siehst, weiß Du, dass Du in Mauretanien bist“, schreibt Parmitano. Es handelt sich nicht etwa um einen Meteroitenkrater, sondern um einen erodierten Vulkan. Quelle: NASA/ESA
Astronautin Nyberg nimmt die gleiche Stelle rund einen Monat später aus einer anderen Perspektive auf. „Das Auge der Sahara“, nennt sie die Landmarke mit einem Anflug von Poesie. Quelle: NASA
Parmitano sieht den Mond aufgehen – hinter dem blauen Schleier der Erdatmosphäre. Quelle: NASA/ESA
Parmitano in der Aussichtskuppel Cupola: Bei einem Weltraumspaziergang vor wenigen Wochen floss dem Italiener Wasser in den Helm, er bekam fast keine Luft mehr. Quelle: NASA/ESA

Dennoch haben Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure Lösungswege gefunden. Zu den Wunderwerken der Raumsonde gehören die eine Milliarde Pixel starke Digitalkamera aus 106 CCD-Sensoren, die Elektronik zur Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung und die Mikrotriebwerke für die Lageregelung in der Umlaufbahn.

In Arbeit
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„Gaia ist die größte Entdeckungsmaschine der Astronomie. Dadurch wird Europa zum Vorreiter in Sachen Präzisionsastronomie“, sagt Álvaro Giménez Cañete, ESA-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration.

Der Start am Donnerstag verlief reibungslos. Tage zuvor war der Himmel über dem Land im Nordosten Südamerikas noch voller Regenwolken gewesen. Pünktlich zum Start zeigte sich der Himmel größtenteils blau, so dass der Schweif der Rakete lange zu sehen war.

„Gaia“ beginnt seine Arbeit eineinhalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Insgesamt soll die Mission fünf Jahre dauern. Vor 2020 wird die Karte kaum fertig gestellt sein, glauben die Wissenschaftler. Überwacht wird die Forschungsreise vom Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt.

Mit Material von dpa

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