Gentechnik Kein genereller Bann fürs Baby-Design

Am Ende eines dreitägigen internationalen Treffens beschloss die Elite der Gentechnik-Forscher kein Moratorium der Keimbahntherapie. Derzeit seien solche Eingriffe verfrüht, aber in der Zukunft durchaus denkbar.

Designer-Babys sind nur noch eine Frage der Zeit. Quelle: REUTERS

Tagelang konferierte in Washington die Forscher-Elite, die bereits mit den brandneuen und hocheffektiven Methoden der präzisen Genveränderung arbeiten – dem sogenannten Gene-Editing.

Auch all jene saßen mit dabei, die diese Techniken entwickelt und zum Patent angemeldet haben oder die in ihren Firmengründungen die neuen präzisen Genscheren in heilsame Therapien verwandeln oder damit neue Hochleistungspflanzen designen wollen: Die in Deutschland forschende Emmanuelle Charpentier saß ebenso auf dem Podium wie die Kalifornierin Jennifer Doudna – die beiden gelten als Erfinderinnen der neuen, hochpräzisen Genscheren mit dem sperrigen Namen Crispr-Cas.

Auch ihre Widersacher im bereits entbrannten Patentstreit – Feng Zhang und George Church aus der Ostküsten-Forscherhochburg Massachusetts debattierten dort mit. Ebenso wie Forscher aus Großbritannien, die bereits Anträge gestellt haben, um diese Technik an menschlichen Embryonen auszuprobieren. Und solche aus China, die das bereits im Frühling dieses Jahres getan haben. Sie alle diskutierten auf Einladung der nationalen Forschungsakademien der USA, Großbritanniens und Chinas darüber, welche Chancen für Medizin und Landwirtschaft – aber auch welche möglichen Gefahren – die neuen biotechnischen Werkzeuge bieten.

Diese Konzerne sind Forschungsweltmeister
Platz 10 - Merck & Co - Forschungsausgaben: 7,5 Milliarden US-DollarBeim US-Pharmakonzern wurden die Forschungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr zurückgefahren, machen aber immer noch 17 Prozent des Umsatzes aus. Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters Quelle: AP
Platz 9 - Google - Forschungsausgaben: 8 Milliarden US-DollarDie einstige Suchmaschine ist innerhalb von zehn Jahren zum Internetriesen aufgestiegen - und forscht nun auch in Bereichen, die eigentlich nicht zum Kerngeschäft gehören. Mit dem Google Car (Foto) haben die Kalifornier bereits einen Prototyp für ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Quelle: dpa
Platz 8 - Johnson & Johnson - Forschungsausgaben: 8,2 Milliarden US-DollarDer Pharma- und Konsumgüterkonzern verkauft auch in Deutschland seine Marken wie Penaten und Listerine. 11,5 Prozent des Umsatzes werden in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte gesteckt. Quelle: AP
Platz 7 - Toyota - Forschungsausgaben: 9,1 Milliarden US-DollarAls erster Hersteller wollen die Japaner schon 2015 ein Wasserstoff-Auto auf den Markt bringen. Obwohl der Konzern nur 3,5 Prozent seines Umsatzes in die Forschung und Entwicklung steckt und die Ausgaben in diesem Bereich gekürzt hat, reicht das locker für die Top Ten. Quelle: AP
Platz 6 - Novartis - Forschungsausgaben: 9,9 Milliarden US-DollarDer Pharmariese aus der Schweiz kann damit an Toyota vorbeiziehen. Denn hier wurde bei den Forschungsausgaben nachgelegt, obwohl diese heute schon 17 Prozent des Umsatzes ausmachen. Quelle: AP
Platz 5 - Roche - Forschungsausgaben: 10 Milliarden US-DollarUnter den großen Pharmariesen gibt keiner mehr für Forschung und Entwicklung aus als die Schweizer. Satte 19,8 Prozent des Umsatzes fließen in den Forschungsetat. Quelle: REUTERS
Platz 4 - Microsoft - Forschungsausgaben: 10,4 Milliarden US-DollarOft gehasst, doch nie verschwunden - die Erben von Microsoft-Gründer Bill Gates haben den IT-Riesen bisher durch jede Krise gesteuert, auch weil das Unternehmen die Zukunft nicht vernachlässigt. 13,4 Prozent des Umsatzes fließen in die Forschung und Entwicklung. Quelle: REUTERS
Platz 3 - Intel - Forschungsausgaben: 10,6 Milliarden US-DollarAuf dem Chipmarkt sind die US-Amerikaner unangefochtener Marktführer. Sie haben es früh geschafft, sich auch bei mobilen Geräten zu etablieren - und stecken von den Forschungsriesen mit 20,1 Prozent den größten Umsatzanteil in die Forschung und Entwicklung. Quelle: REUTERS
Platz 2 - Samsung - Forschungsausgaben: 13,4 Milliarden US-DollarDie Koreaner fordern Apple heraus und haben ihre Forschungsausgaben im neuen Jahr um satte drei Milliarden Dollar aufgestockt. So entwickelt sich der Technologieriese schneller als die Konkurrenz - obwohl der Aktienkurs zuletzt darunter leiden musste. Quelle: dpa
Platz 1 - Volkswagen - Forschungsausgaben: 13,5 Milliarden US-DollarKein Konzern gibt weltweit mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als der deutsche Autoriese aus Wolfsburg. Satte 5,2 Prozent fließen in die Entwicklung neuer Modelle und Antriebe. Damit sind die Deutschen Forschungsweltmeister. Quelle: dpa

Bakterien nutzen solche Enzymkomplexe wie Crispr-Cas9 und ähnliche Genscheren zwar schon seit Jahrmillionen, um sich vor Krankheitserregern zu schützen. Das Potential für die biotechnische Forschung erkannten Charpentier und Doudna aber erst vor drei Jahren und stellten sie der Wissenschaftlergemeinde durch ihre Veröffentlichungen vor. Seither hat sich die Technik in rasendem und bisher selbst in dieser Hightech-Disziplin noch nie dagewesenem Tempo in nahezu alle Biotech-Labors der Welt ausgebreitet.

Schnell zeigte sich, dass die Handhabung dieses Gen-Bastel-Werkzeugs so spielend einfach ist, dass nahezu jedermann, der biologische Labor-Grundkenntnisse besitzt, sich damit ans Neu-Design des Erbguts machen kann – von Joghurt-Kulturen, Pflanzen, Krankheitserregern, Tieren und auch des Menschen.

Die Vorstellung, dass Terroristen sich dieser Technik bedienen und neue, extrem tödliche Seuchen entwickeln könnten, erschreckte die Forscher selbst. Auch die Vorstellung, dass Wissenschaftler mit diesen neuen Methoden der Gen-Chirurgie die Spezies des Menschen einer grundlegenden Optimierung unterziehen könnten, gefiel nicht allen Forschern.

So verlockend es klingt, die Menschheit mit mehr Intelligenz, Gesundheit, Langlebigkeit – und aktuell eventuell auch mehr Friedfertigkeit auszustatten. Die meisten Forscher hatten das Gefühl, dass sie eine solche Entscheidung nicht alleine treffen könnten, sondern dass sie eine breite gesellschaftliche Debatte erfordere.

So riefen mehrere Forscher Anfang des Jahres in den beiden weltweit renommiertesten Wissenschaftszeitschriften „nature“ und „Science“ zuallererst zu einer gewissen Zurückhaltung auf. Und organisierten diese Tagung, um darüber zu beraten, ob sie sich selbst ein Moratorium auferlegen wollten, das zumindest das Hantieren an der Keimbahn des Menschen – also die Ei- und Samenzellen – zunächst bannen würde. Denn für die einen stellt die Keimbahn aus religiösen Gründen eine ethisch-moralische Schwelle dar.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%