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Gesundheit Sechs Erkenntnisse aus dem Arztreport 2019

Barmer-Arztreport 2019: So werden Deutsche von Ärzten betreut Quelle: imago images

Einmal im Jahr lassen große Krankenkassen ihre Versichertendaten auswerten. Heraus kommen Hinweise zum Gesundheitszustand der Deutschen und dazu, wie sich die Gesellschaft verändert. Sechs Erkenntnisse aus dem Barmer-Arztreport 2019, der repräsentativ zusammenfasst, wie die Menschen von niedergelassenen Medizinern und Psychotherapeuten betreut wurden.

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1. Frauen gehen häufiger zum Arzt

Nur sieben von hundert Krankenversicherten sind 2017 gar nicht zum Arzt gegangen. Die anderen 93 Prozent oder 77 Millionen Menschen waren mindestens einmal im Jahr in einer Praxis – im Schnitt waren es knapp neun Behandlungen im Jahr, vor allem bei Hausärzten.

Frauen sind dabei häufiger Patienten – sie gehen zum Beispiel häufiger zur Früherkennung. Rund 40 Prozent der Frauen lassen sich untersuchen, um etwa Krebs in einem frühen Stadium erkennen zu können. In Sachsen liegt der Anteil mit 43 Prozent der Frauen am höchsten, im Saarland mit gut 36 Prozent am niedrigsten. Männer in Mecklenburg-Vorpommern gehen am häufigsten zum Krebs-Gesundheitscheck – 13,6 Prozent in einem Jahr - und auch hier sind die Männer an der Saar mit 9,2 Prozent Schlusslicht.

2. Junge Männer sind seltene Patienten, ältere dafür umso eher

Bei Männern unterscheidet sich im Lebenslauf sehr deutlich, wie viele Leistungen sie beanspruchen. Insgesamt verursachen Frauen im Schnitt höhere Kosten pro Kopf in der Krankenversicherung. Der Arztreport vermerkt allerdings, dass die auch damit zusammenhängen, dass bei Teenager-Mädchen Verhütung zum Thema wird und erwachsene Frauen auch wegen Schwangerschaften und Geburten behandelt werden.

Männliche Versicherte verursachten 2017 durchschnittliche ambulante Kosten von 496 Euro, Frauen durchschnittlich 646 Euro. Bei 20- bis 24-jährigen Männern waren es nur 221 Euro, durchschnittlich aber 1.200 Euro je Jahr bei Männern im Alter zwischen 85 und 89 Jahren. Das sei mehr als bei gleichaltrigen Frauen und auch Krankenhausbehandlungen nähmen dann Männer häufiger in Anspruch. Ganz junge Männer gehen danach rund viermal im Jahr zum Arzt, jene über 80 Jahren dagegen 15 Mal.

3. Die Behandlung ist in der Großstadt teurer – und in Bayern

Im Schnitt hat die ambulante Versorgung beim Arzt für jeden Krankenversicherten 572,12 Euro im Jahr gekostet. Das sind zwei Prozent mehr als noch 2016. Doch es gibt Unterschiede. Vor allem in den Stadtstaaten fallen die Behandlungskosten relativ hoch aus. Das deutet darauf hin, dass die Behandlung in Großstädten insgesamt teurer ausfällt, zum Teil wohl weil Städter tendenziell eher zum Arzt kommen, aber wohl auch, weil es dort Spezialisten gibt. In Hamburg wurden je Versicherten 650 Euro für die ambulante Versorgung ausgegeben, in Berlin 643 Euro – deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt von 572 Euro. Die geringsten Kosten fielen im Berliner Umland an, in Brandenburg mit 531 Euro. Auch Bayern lag neben den Stadtstaaten als einziges Bundesland noch überm Kostendurchschnitt.

4. Psychotherapie kostet

Die Menschen landen am häufigsten beim Hausarzt. 2017 gaben die Kassen dafür durchschnittlich 181 Euro für jeden Versicherten aus. Bei einer Gruppe mit relativ geringen Fallzahlen fielen dagegen die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben an. 444 Euro kamen im Schnitt für die Behandlung bei Psychotherapeuten zusammen. Diese Berufsgruppe der Therapeuten könne ihre Leistungen nicht an Praxispersonal delegieren und habe in der Regel einen langen wie regelmäßigen Kontakt zu Patienten, begründen die Autoren der Studie.

5. Chronische Leiden werden häufiger

Bei mehr als einem Drittel der Bevölkerung haben Ärzte im Jahr 2017 ein Rückenleiden oder Beschwerden der Wirbelsäule diagnostiziert, darunter bei 39,5 Prozent der Frauen und 31,3 Prozent der Männer. Knapp ein Drittel der Menschen gingen wegen akuter Atemwegsinfektionen zum Arzt – also meistens mit Husten und Schnupfen oder grippalen Infekten. Ebenso viele bekamen die Diagnose Bluthochdruck.

Mit dem Alter und dem zunehmenden Alter der gesamten Bevölkerung nehmen die chronischen Leiden zu. Ab 40 Jahren nähmen die Herzbeschwerden ebenso zu wie dauerhafte Probleme mit Gelenken, Übergewicht und Diabetes. Immerhin neun Prozent der 40- bis 64-jährigen Männer hat auch Lebererkrankungen bescheinigt bekommen.

6. Manche Volkskrankheit bleibt lange unentdeckt

Einen Schwerpunkt legte der Arztreport diesmal auf eine Krankheit, unter der geschätzt bis zu elf Millionen Menschen in Deutschland leiden. Das so genannte Reizdarmsyndrom (RDS) treffe viele, bleibe aber lange unentdeckt. 2017 habe es „nur“ rund eine Million solcher Diagnosen gegeben. Viele Betroffene gingen bei Darmbeschwerden aus Scham nicht zum Arzt. Dazu zählen Bauchschmerzen, Krämpfe sowie Durchfall, Verstopfung und Blähungen. Auch seien Mediziner mitunter bei der Suche nach der Diagnose mit falschen Methoden unterwegs – etwa der Magnetresonanztomografie (MRT) oder sogar einer Computertomografie (CT). Sei die Krankheit schließlich erkannt, bekämen knapp 40 Prozent der Betroffenen Magensäureblocker, obwohl deren Nutzen fraglich sei. Wichtiger sei, die Ernährung und das Essverhalten zu kontrollieren und unter Umständen auch Psychotherapie einzusetzen. Auffällig ist nach dem Report, dass zunehmend Jüngere erkranken.

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