Grippe-Impfung So gut ist die Spritze gegen Grippe wirklich

Alle Jahre wieder müssen wir uns erneut gegen die Infektion schützen. Jetzt entwickeln Forscher endlich einen länger wirksamen Breitband-Impfstoff gegen Influenza.

Was hinter den Gerüchten rund um Grippe und Erkältung steckt
Wer nießende und hustende Menschen meidet, ist vor Grippeviren sicher„Willst du mal von meinem Teller probieren? Ich bin nicht krank.“ – Diesen Worten sollte niemand trauen. Denn schon 48 Stunden vor dem Grippe-Ausbruch sind Menschen ansteckend und bis zu fünf Tagen danach. „Keine Sorge, ich bin wieder gesund“ ist deshalb genauso argwöhnisch zu betrachten. Quelle: obs
Nasensprays machen süchtigTatsächlich sollte abschwellendes Nasenspray nicht länger als fünf Tage hintereinander verwendet werden. Denn mit der Zeit tritt ein gegenteiliger Effekt auf: Anstatt die Nasenschleimhaut abschwellen zu lassen, lässt das Nasenspray sie dann anschwellen. Um wieder Luft zu bekommen sprühen Betroffene immer häufiger nach – und kommen so vom Medikament nicht mehr los. Dieser Suchtfaktor tritt auch bei leichteren Nasensprays für Kinder auf. Quelle: dpa
Eine Grippe-Impfung kann erst recht zur Grippe führenBei einer Grippe-Impfung bekommen Menschen Grippe-Viren gespritzt. Viele meiden daher eine Impfung, da sie befürchten als Nebenwirkung erst recht eine Grippe zu bekommen. Dies ist jedoch ein Irrtum, da tote Grippe-Viren gespritzt werden, die inaktiv sind und sich nicht im Körper vermehren. Quelle: dpa
Wer sich impfen lässt, muss sich keine Sorgen machenEine Impfung schützt nie zu 100 Prozent, sondern bei gesunden Erwachsenen zwischen 70 und 90 Prozent. Bei Älteren senkt eine Impfung die Infektionswahrscheinlichkeit um 60 Prozent. Quelle: dpa
Vor allem chronisch Kranke und ältere Menschen sind gefährdetEin Blick auf die Statistik entpuppt dieses Gerücht als Irrtum. Die Hälfte aller Grippekranken sind berufstätige Erwachsene.  Da eine Grippe jeden treffen kann, ist eine Impfung um so wichtiger. Quelle: dpa
Nach einer Grippe bleibt man erstmal verschontDies gilt nur in einem gewissen Maße, da sich Grippeviren ständig verändern. Daher hält eine Impfung auch nur zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Quelle: dpa
Wer nicht früh genug impft, kann es gleich sein lassenTatsächlich dauert es zwei bis drei Wochen bis eine Impfung wirkt. Aber zu spät ist besser als nie. Schließlich geht die Grippesaison meist bis Ende März. Am besten ist es, sich zwischen September und November zu impfen. Quelle: dpa
Vitamin C beugt Erkältungen vorStudien zeigen, dass Vitamin-C-Pillen Erkältungen weder verhindern noch verkürzen. Stattdessen kann übermäßige Vitamin-C-Einnahme  zu unerwünschten Nebenwirklungen führen, wie Durchfall. Quelle: AP
Antibiotika helfen gegen GrippeAntibiotika bekämpfen zwar Bakterien, sind jedoch gegenüber Grippeviren machtlos. Auch antivirale Medikamente können eine Grippe maximal ein bis zwei Tage verkürzen – und das nur, wenn sie innerhalb von 48 Stunden nach der Ansteckung eingenommen werden. Quelle: dpa
Mit einer leichten Erkältung können Kinder trotzdem zu Schule gehenDas stimmt. Allerdings sollten Kinder mit starken Beschwerden oder Fieber auf jeden Fall zu Hause bleiben, um sich auszukurieren  und Mitschüler und Lehrer nicht anzustecken. Quelle: dpa
Bei einer Erkältung hilft viel TrinkenDafür, dass es hilft, wenn Kranke mehr Flüssigkeit einnehmen, als ihr Durst verlangt, gibt es keine wissenschaftlichen Beweise. Widerlegt wurde das Gerücht jedoch auch nicht. Quelle: AP

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sucht das Super-Virus – eine lebenswichtige Aktion für unzählige Menschen gegen die Grippe. Von deren Erreger, dem Influenza-Virus, gibt es Hunderte verschiedene Stämme. Jedes Jahr zirkulieren andere rund um den Globus. Mehrere Hundert Forscher verfolgen daher akribisch, welche Varianten wo grassieren, und orakeln dann, welche von ihnen wohl im nächsten Winter – und damit der nächsten Grippe-Saison die Oberhand gewinnen könnten.

Nur gegen diese drei bis vier Top-Favoriten produzieren die Pharmafirmen daraufhin einen Impfstoff. Jedes Jahr einen neuen. Daher müssen sich die Menschen im Herbst immer wieder neu impfen lassen. Liegt das Orakel daneben, ist der Schutz dahin. Ein optimaler Impfstoff sieht anders aus.

Fragen und Antworten zur Grippe-Impfung

Wettrennen um die Lösung

Ärzte, Behörden und Konzerne arbeiten daher fieberhaft an einem universellen Schutz, der alle Influenza-Viren erwischt und viele Jahre lang hält. „Das würde den Grippeschutz effizienter und damit für die Gesundheitssysteme günstiger machen“, erwartet Hanneke Schuitemaker. Sie ist die Chefin der Virus-Impfstoff-Forschung bei Janssen, der Pharmatochter von Johnson & Johnson, mit Sitz im holländischen Leiden. Ihre und zwei weitere Forschergruppen haben nun erste Erfolge auf dem Weg zu solch einem Breitband-Impfstoff erzielt.

Schuitemaker kooperiert mit dem kalifornischen Scripps Research Institute. Die beiden anderen Teams arbeiten bei den staatlichen US-Gesundheitsinstituten National Institutes of Health und beim Impfstoff-Konzern Sanofi Pasteur. Alle drei eint, dass sie nach einer empfindlichen Stelle am Virus suchen, die sich nicht laufend ändert. Doch das ist gar nicht so einfach, weiß Schuitemaker.

Fakten zur Grippe: Das sollten Sie wissen

Die bisherigen Impfstoffe greifen – im Wortsinne – zu oberflächlich an. Sie richten sich gegen eine für die Viren lebenswichtige Molekülstruktur auf der Außenhülle der Grippeviren, den Hämagglutininen. Mit ihrer Hilfe heften sich die Viren an menschliche Zellen und dringen dann in diese ein. Eine Art Enterhakensystem, mit dem die Virenzellen förmlich gespickt sind. Diese Moleküle sähen pilzähnlich aus, erklärt Schuitemaker – und bisher hätten sich die Impfstoffe immer gegen leicht zugängliche Merkmale auf dem Hut dieser Minipilze gerichtet. Doch die verändern sich rasch, weil sich die Viren tarnen wollen. Denn auch das menschliche Immunsystem setzt im Kampf gegen die Viren hier an.

Mit einem Impfstoff gegen Strukturen im Stiel der Pilzmoleküle hatten die Forscher dagegen durchschlagenden Erfolg: Im Tierversuch schützte ein und derselbe Impfstoff gegen eine Vielzahl von Grippe-Viren.

Bis solch ein Impfstoff marktreif ist, müssen die Forscher dessen Schlagkraft aber noch weiter verbessern. Schuitemaker glaubt: „Das könnte noch Jahre dauern.“

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