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Grüne Woche Kühe züchten ist ein Auslaufmodell

Kühe züchten wird zum Auslaufmodell. Quelle: Getty Images

Pflanzen säen, Tiere schlachten: Die Landwirtschaft arbeitet trotz aller Industrialisierung schon ewig nach den gleichen Verfahren. Das könnte sich jetzt grundlegend ändern.

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Die Proteste der Bauern zur Grünen Woche waren beeindruckend. Auch 1000 Trecker aber dürfen nicht den Blick auf die Fakten verstellen: Höfe verbreiten zu viel Gülle, zu viele Pestizide, zu viel C02. Landwirtschaft, wie sie heute betrieben wird, funktioniert nicht mehr.

Und das nicht nur, weil die Politik ihr strengere Regeln setzt, sondern weil der Markt dafür sorgen wird. Neue Technologien werden die Art, wie wir Lebensmittel produzieren, schon bald radikal verändern. Vor allem die Viehzucht, eine Branche, die weltweit 1000 Milliarden Dollar umsetzt, steht vor der Disruption.

Die hat bereits begonnen – mit Burgern von Beyond Meat und anderen, die aus Pflanzen bestehen statt aus Fleisch. Die gibt’s inzwischen sogar bei McDonald’s. Das ergibt nicht nur ökologisch Sinn, weil viel weniger Fläche, Wasser und Energie nötig sind - sondern auch ökonomisch. Nüchtern betrachtet ist eine Kuh heute eine Maschine, die uns mit Proteinen versorgt. Sie tut das sehr ineffizient - für ein Kilogramm Fleisch muss sie sieben Kilogramm Pflanzen essen. Warum also nicht gleich das Grünzeug nutzen?

Der nächste Schritt sind Proteine aus dem Labor. Eine uralte Technik macht es möglich: Die Fermentation, mit der Menschen seit Jahrtausenden Bier, Brot und Käse herstellen. Die Grundzutaten sind simpel: Zucker, speziell entwickelte Hefe, Wasser und ein Stahltank. Biotechnologen stellen so etwa schon das Insulin für Diabetiker her. Nun haben Start-ups sich Proteine fürs Essen vorgenommen: Perfect Day braut Milch im Tank, Just das Weiße vom Ei, Geltor Gelatine.

Diese Produkte gehen bald in die Massenproduktion. Die Preise für Proteine aus dem Tank dürften dann schnell fallen – und sogar billiger werden als die Produkte, die wir heute aus Kühen melken oder mit Hühnern brüten. Als Erstes werden sie in Kuchen, Desserts und ähnlichen Nahrungsmitteln verarbeitet – ein Drittel der Milchproduktion landet heute in solcher Supermarkt-Ware. Danach werden auch Milch und Käse im Labor hergestellt – und sogar Fleisch. Schon am Ende des Jahrzehnts werden vegane Produkte und Fleisch ohne Tier 28 Prozent des Fleischmarkts ausmachen, so die Prognose der Beratung Kearney.

Die Landwirtschaft ist eine Erfindung der Steinzeit. Tausende Jahre haben Makroorganismen unsere Lebensmittel hergestellt, jetzt übernehmen die Mikroorganismen. Die Lebensmittelindustrie hat das erkannt und in den vergangenen Jahren Milliarden in disruptive junge Nahrungsmittelunternehmen investiert.

Die Bauern sollten die Augen davor nicht verschließen – und lieber schauen, wie sie Teil der Umwälzung werden.

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