WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Hepatitis C Große Hoffnung auf Heilung einer Volksseuche

Hepatitis gilt als Krankheit der Drogensüchtigen. Dabei ist sie weit verbreitet. Gegen das tückische Virus Typ C wurden 2014 zahlreiche neue Medikamente zugelassen. Sie versprechen hohe Heilungschancen.

Zehn Krankheiten, die nicht auszurotten sind
MalariaForscher warnen, dass der Klimawandel Einfluss auf die Verbreitung von Malaria haben könnte. Durch die Erderwärmung vermehren sich die als Malariaüberträger bekannten Mücken stärker als früher. Mehr als eine Million Menschen sterben laut Universität Washington weltweit jedes Jahr an Malaria. Quelle: dpa
BotulismusDie klassische Lebensmittelvergiftung, der sogenannte Botulismus, wird meist durch verdorbenes Fleisch und nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufen. Botulismus ist nicht ansteckend und zeigt sich meist durch Sehstörungen sowie Probleme beim Sprechen und Schlucken. In schweren Fällen lähmt der Erreger Clostridium botulinum die inneren Organe, Erbrechen und Durchfall stellen sich ein. Betroffene sterben ohne Behandlung meist an Ersticken. Quelle: dpa
StaublungeEine zu Zeiten des Kohleabbaus im Ruhrgebiet weit verbreitete Krankheit ist die Staublunge. Trotz spezieller Filter und Schutzmasken, die die Lungen der Bergarbeiter schützen sollen, gibt es immer noch Krankheits- und Todesfälle durch die hohe Feinstaubbelastung. Jüngere Bergarbeiter sollen laut National Public Radio stärker betroffen sein, da die Krankheit bei ihnen schneller voranschreitet. Quelle: AP
CholeraDie Durchfallerkrankung Cholera fordert jedes Jahr unzählige Todesopfer. Schuld ist verunreinigtes Wasser, deshalb verbreitet sich die Krankheit vor allem in den Armenvierteln dieser Welt. Das Erdbeben von Haiti rief vor vier Jahren eine große Cholera-Epidemie hervor. Seitdem sind laut Statistiken rund 8400 Menschen an Cholera gestorben. Quelle: dapd
TuberkuloseTrotz Impfmöglichkeiten und Antibiotika konnte die Tuberkulose bisher nicht besiegt werden. Ein Grund ist eine resistente Mutation des Erregers, die sich seit den Achtzigern verbreitet hat. Die Krankheit befällt meist die Atemwege, allerdings ist auch ein Befall des Nervensystems und der Organe möglich. Tuberkulose ist nach Aids der zweitgefährlichste Erreger, laut WHO starben 2010 1,4 Millionen Menschen an der Krankheit. Quelle: dpa
Polio/KinderlähmungPolio war bereits einmal beinahe ausgerottet – ein Mangel an Impfungen führte seit der Jahrtausendwende allerdings zu zahlreichen Neuerkrankungen. Vor allem in Afrika ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch, die WHO will mit Hilfe von Impfprogrammen dagegen vorgehen. Da sich der Erreger seit jeher kaum verändert hat, ist eine Ausrottung der Krankheit mittelfristig nicht unwahrscheinlich, die nötige Schluckimpfung ist kostengünstig und einfach umzusetzen. Quelle: dpa
SyphilisSyphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die aktuell vor allem in Deutschland und Australien verbreitet ist. 2013 meldete das Robert-Koch-Institut 5017 Neuerkrankungen, das sind 600 mehr als im Jahr 2012. Syphilis ist durch die Gabe von Penicillin heilbar. Quelle: Gemeinfrei

Die Diagnose Hepatitis C war für Eva-Christa Aurich ein Fluch, ihre Heilung empfindet sie als Wunder. Die 74-Jährige aus der Nähe von Berlin erfuhr 2002 bei einer Blutuntersuchung, dass sie mit den gefährlichen Viren infiziert ist. Vermutlich hatte sie sich Ende der 80er Jahre durch eine verunreinigte Blutkonserve angesteckt. „Von da an lebte ich mit der Angst vor Leberkrebs. Ich war mir sicher, das geht nicht gut aus“, sagt Aurich. Darüber hinaus begann ein Spießrutenlauf. Verwandte wollten nicht mehr bei ihr essen, ein Zahnarzt verweigerte die Behandlung. Dabei wird Hepatitis C hauptsächlich durch Blut übertragen, die Ansteckung durch andere Körperflüssigkeiten ist sehr unwahrscheinlich.

Vor zwei Jahren erhielt Aurich im Rahmen einer Studie am Berliner Virchow-Klinikum 24 Wochen lang das damals noch nicht zugelassene Präparat Harvoni. „Mir waren alle Mittel recht, um die Krankheit loszuwerden“, erinnert sich die 74-Jährige. Und tatsächlich: Bald schon waren die Hepatitis-Viren bei ihr nicht mehr nachweisbar. „Das Glück der Heilung kann ich nicht beschreiben. Ich war tränenüberströmt vor Freude“, sagt sie. Jetzt will die Rentnerin anderen Betroffenen Mut machen. Bis zu einer Million Menschen sind bundesweit mit Hepatitis-Viren infiziert, aber nur jeder fünfte weiß etwas davon. Es ist eine stille Volksseuche.

Die Lebererkrankungen Hepatitis A bis E

Die chronische Virushepatitis kann zu Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs führen und damit tödlich enden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will mit dem Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli auf diese Bedrohung aufmerksam machen.

Nur ein Drittel der Hepatitis-Infizierten entwickelt eine Gelbsucht als Folge einer Lebererkrankung, ein Drittel hat Grippe-Symptome, ein weiteres Drittel spürt gar nichts. Auch Eva-Christa Aurich lebte vermutlich länger als ein Jahrzehnt mit der infektiösen Leberentzündung, ohne dass sie etwas bemerkte.

Der Leberspezialist Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sagt: „Jeder Patient mit erhöhten Leberwerten sollte sich testen lassen.“ In der Vergangenheit konnte rund die Hälfte der Hepatitis-C-Patienten mit der Standardthearpie Interferon plus Ribavirin geheilt werden. Wegen der starken Nebenwirkungen kam das Medikament jedoch nicht für alle Betroffenen in Frage. Doch dann begann eine Therapie-Revolution: Begleitet von weltweiten Studien wurden binnen eines Jahres bis Januar 2015 sieben neue Mittel gegen Hepatitis C zugelassen.

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen
Eine junge Frau putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase Quelle: dpa
Mann mit Rückenschmerzen sitzt im Büro Quelle: obs
In einer Zahnarztpraxis werden die Zähne eines Jungen untersucht Quelle: dpa
Ein Fieberthermometer liegt auf verschiedenen Arten und Formen von Tabletten Quelle: dpa
Ein Mann zieht an seinem Finger und erzeugt ein Knackgeräusch. Quelle: dpa
Angela Merkel hält ein Schnapsglas in der hand Quelle: AP
Ein Junge steht unter einer Dusche Quelle: dpa

„Die MHH hat an der Entwicklung aller sieben mitgewirkt“, sagt Manns. „Die Heilungsraten der neuen Medikamente liegen bei über 90 Prozent.“ Den Forschern gelang es, den Lebenszyklus des Virus in der Leberzelle aufzuschlüsseln. „Die Frage war: An welchen Schlüsselstellen kann man mit kleinen Molekülen den Lebenszyklus des Virus unterbrechen?“ Dafür seien drei Stellen geeignet, sagt der Mediziner. „Die Protease, die Polymerase und das NS5A-Protein. Das NS5A-Protein ist ein Protein des Virus selbst, das für die Vermehrung und Reifung der Viren erforderlich ist.“

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Die Behandlung mit den neuen Medikamenten dauert acht bis 24 Wochen. Die Kosten liegen Manns zufolge zwischen 44 000 und 60 000 Euro und konnten im Vergleich zu 2014 um etwa die Hälfte gesenkt werden. Die Kostenträger verhandelten mit den Herstellern über Kostenreduktion und Rabattverträge, sagte Manns. Zunächst hatten die Krankenkassen wegen der hohen Kosten zögerlich auf die neuen Mittel reagiert. Die Initiative „Hepatitis C eliminieren“ wirbt dafür, dass mehr Menschen ihre Leberwerte testen lassen und frühzeitig eine Therapie beginnen. Langfristig könnten so die Zahl der Leberkrebsfälle drastisch verringert werden, sind die Initiatoren überzeugt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%