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High-Tech Innovationen Das Bio-Wunder - Wie Zeltplanen sich selbst reparieren

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Nie wieder Laufmaschen

Künstliche Spinnenseide könnte die Baubranche revolutionieren - Mit Biotech-Seide versetzte Baustoffe werden stabiler und elastisch zugleich Quelle: dpa/dpaweb

Seit die Produktion läuft, optimieren die Forscher den Spinnprozess des Fadens, damit sich daraus Stoffe weben lassen, die elastisch wie Nylon, zart und glatt wie Seide und dennoch dreimal zug- und stoßfester sein sollen als die Kunstfaser Kevlar. Ideal für schusssichere Westen, feuerfeste Kleidung, medizinische Verbände oder Strumpfhosen, die nie Laufmaschen bekommen; oder eben als Betonzusatz.

Nun sucht Amsilk Partner, um den Spinnenfaden industriell zu verwerten – und steht vor dem Problem vieler Biotech-Unternehmen: Sie haben gewöhnlich keine Kontakte zu Herstellern von Seidenstrümpfen oder Baumaterialien.

Genau aus diesem Grund setzt Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Rahmen ihrer Bioökonomie-Initiative jetzt darauf, ungewöhnliche Forschungsallianzen zu knüpfen – auch zwischen Biotechnikfirmen und Garnherstellern, Bauchemiespezialisten oder Energieversorgern. Mehr als 50 Partner haben sich schon zusammengefunden. Das Fördervolumen von 84 Millionen Euro in den kommenden neun Jahren bringen je zur Hälfte das Ministerium und die Industriepartner auf.

Diese Lebensmittel sollten Sie besser Bio kaufen
Saftig, knackig, gesund? Obacht, meint die Umweltorganisation Greenpeace, denn frisches Obst und Gemüse enthält nicht nur viele Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe, sondern bringt auch unerwünschte Substanzen auf den Tisch. Das ergab eine aktuelle Auswertung von mehr als 22.000 Proben der deutschen Lebensmittelüberwachung aus den Jahren 2009 und 2010. Die Ergebnisse, in einem Einkaufsratgeber für Obst und Gemüse zusammengefasst, sind nicht immer appetitlich... Quelle: AP
PaprikaAuch wenn momentan darüber diskutiert wird, dass Bio-Lebensmittel nur wenig gesünder als konventionelles Essen sind: Sicher ist, dass sie bei der Belastung mit Pestiziden deutlich besser abschneiden. Die Auswertung von Greenpeace hat ergeben, dass vor allem Paprika aus der Türkei die gesundheitlich bedenklichen Konzentrationen besonders häufig überschreitet. Über 20 Pestizide fanden die Experten in dem Gemüse. Das Online-Magazin „Utopia“ berichtet davon, dass beim Paprikaanbau oft die gefährliche Chemikalie Ethephon verwendet wird, um das Gemüse schneller einzufärben. Im menschlichen Körper soll Ethephon wie ein Nervengift wirken. Quelle: dpa
TafeltraubenAuch Tafeltrauben aus der Türkei enthalten im Schnitt zu viele Pestizide. Darauf weist neben Greenpeace auch das Bundesamt für Verbraucherschutz hin. Nicht selten lassen sich Spuren von zehn Pestiziden in den Trauben nachweisen. Bei Tafeltrauben aus Deutschland sind es im Schnitt weniger als fünf. Quelle: dpa
BirnenUnd auch in Birnen, die aus der Türkei importiert werden, finden sich Substanzen, die den Umweltschützern Sorgenfalten auf die Stirn treiben. In ihrer Analyse konnten die Greenpeace-Experten im Schnitt zehn Pestizide finden. Quelle: ZB
GrünkohlAuch wenn das Wintergemüse Grünkohl nicht jedermanns Sache ist: spätestens wenn man sich die Belastungen mit Pestiziden ansieht, kann einem der Appetit vergehen, denn häufig werden die gesetzlichen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände überschritten. Quelle: dpa
WeinblätterOb türkisch, griechisch oder orientalisch: Weinblätter bereichern die mediterrane Küche. Allerdings sind auch sie besser mit Vorsicht zu genießen. Darauf weist die Zeitschrift „Ökotest“ hin. Das Fazit ihrer Untersuchung: Häufig lauern in den grünen Blättern so viel chemische Stoffe, dass sie den unbeschwerten Genuss völlig verderben. Die Zeitschrift sprach ein vielen Fällen sogar eine Nicht-Kauf-Empfehlung aus. Wer trotzdem darauf zurückgreifen möchte, sollte es auf jeden Fall Bio kaufen. Quelle: dpa
Kirschen Hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln tauchen regelmäßig auch in Süß- und Sauerkirschen auf. Von Kirschen aus konventionellem Anbau sollte man lieber die Finger lassen und sie statt dessen aus Nachbars Garten oder vom Biomarkt naschen. Quelle: gms

Kampf gegen die Pfunde

Nicht nur auf dem Bau, beim Zelten oder Strumpfhosenkauf sollen Menschen in Zukunft mit Biotechnik in Berührung kommen. Sie soll sich in allen produzierenden Branchen breitmachen.

So hat etwa Brain-Chef Zinke mit seinen Partnern nun Tiefkühltheken und Fast-Food-Läden ins Visier genommen. Denn in der westlichen Welt sind laut jüngsten Erhebungen bis zu zwei Drittel aller Menschen übergewichtig. Diesem Trend haben die Bioforscher den Kampf angesagt.

Künftig sollen unter anderem bioaktive Wirkstoffe dafür sorgen, dass Fast Food und Fertiggerichte viel weniger Zucker und Salz enthalten. Hier sollen Mikroorganismen ganz neue Substanzen liefern, die das Geschmacksempfinden intensivieren. Dann wird ein Stück Kuchen süß oder eine Pizzaecke würzig schmecken, obwohl kaum noch Zucker oder Salz darin enthalten ist.

Einen Fundus aus rund 20.000 Mikroben hat Brain weltweit eingesammelt – aus der Tiefsee, aus heißen Geysiren oder dem Wald- und Ackerboden rund um Zwingenberg. Dieser Schatz aus Bakterien, Hefen, Pilzen und Algen schlummert tiefgekühlt im Keller des Unternehmens. Ein paar heiße Kandidaten, die die gesuchten biotechnischen Geschmacksverstärker herstellen, haben die Hessen darin schon entdeckt.

In den Mikroben-Sammlungen finden sich aber noch ganz andere Helferlein: etwa solche, die wertvolle Kohlenstoffverbindungen aus Abwässern fischen können.

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