Hochschulwatch.de Wo Wirtschaft und Wissenschaft verflochten sind

Ein Internetportal der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International zeigt die Verflechtungen von Wissenschaft und Wirtschaft. Alleine 1000 Stiftungsprofessuren gibt es in Deutschland - die meisten in München.

Studenten sitzen einem Hörsaal der Technischen Universität in München. Quelle: AP

Verflechtungen von Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland untersucht das Internetportal „hochschulwatch.de“, dessen Neuauflage an diesem Dienstag (10.00 Uhr) in Berlin präsentiert wird. „Bis heute wurden dort über 10.000 Kooperationen zwischen Wirtschaft und Hochschulen gesammelt - Sponsoring-Verträge, Stiftungsprofessuren, geförderte Institute oder Forschungsaufträge“, teilten die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International und die Berliner „Tageszeitung“ (taz) mit. Sie sind die Initiatoren der vor zwei Jahren gestarteten Webseite.

Die Zeitung hatte am Wochenende unter dem Titel „Das Geld des Geistes“ über das Einwerben sogenannter Hochschul-Drittmittel aus der Wirtschaft und damit mögliche Abhängigkeiten der Universitäten berichtet. In Deutschland gebe es demnach rund 1000 Professuren, die von Wirtschaftsunternehmen oder privaten Stiftungen finanziert würden.

Die großzügigsten Uni-Spenden
3 Millionen für StuttgartEine fast kleine Summe im Vergleich mit den Spenden für andere Unis. Jetzt könnte man die sprichwörtliche Geizigkeit der Schwaben bemühen, doch das Land selbst zahlte nur zwei Millionen Euro für den Neubau eines Saales – erst mit dem privaten Investor (Ehrensenator Otto Rettenmaier) wird der nun möglich. Und der künftige Saal wird entsprechend benannt: „Otto Rettenmaier Audimax“. Quelle: Uni Hohenheim/Emmerling
30 Millionen für HamburgKlaus-Michael Kühne, Hauptaktionär von Kühne+Nagel, gab 2007 beim Sektempfang seines 70. Geburtstags bekannt, dass es der Firma in den letzten Jahren sehr gut gegangen sei. Eine satte Finanzspritze für die Hochschule Hamburg war das Resultat, das Geld ist gedacht für ein Logistik-Institut. Quelle: KLU/Dirk Laschke
33 Millionen für FrankfurtDie Johann-Wolfgang-Goethe-Universität bekam vom 1975 verstorbenen Privatbankier Alfons Kassel 33 Millionen Euro. Das Land Hessen verdoppelte den Betrag. Die Uni wollte mit dem Geld Projekte finanzieren. Quelle: dpa
200 Millionen für KarlsruheDer Mitbegründer von SAP, Hans-Werner Hector zeigte sich spendabel und wollte eher in die Forschung investieren anstatt in Luxus. Horst Hippler, Rektor des Karlsruher Instituts für Technologie, wollte mit der Spende aus dem Jahr 2008 Spitzenwissenschaftler an die Uni locken. Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
200 Millionen für BremenDie waren auch bitter nötig. Denn die Privatuniversität stand 2006 kurz vor der Pleite, die Schweizer Jacobs Foundation investierte in die Universität. Daraufhin benannte diese sich prompt „Jacobs Universität Bremen“ um. Quelle: dpa
300 Millionen für ChicagoInvestmentmilliardär David Booth bedankte sich auf eigene Art bei seiner ehemaligen Alma Mater. Die stellte daraufhin mehr Professoren an – und benannte sich in Booth School of Business um. Quelle: Creative Commons/Rdsmith4
350 Millionen für HarvardGerald Chan, Milliardär aus Hongkong, überwies den Betrag an die Elite-Universität in die USA. Diese soll davon Studien über Seuchen, Umweltschäden oder Gesundheitssystem finanzieren. Quelle: REUTERS
400 Millionen für OklahomaDer Hedgefonds-Milliardär T. Boone Pickens finanzierte die Oklahoma State University mit einem großzügigen Griff in den Geldbeutel mit. Quelle: Gemeinfrei

Die meisten Stiftungsprofessuren hatte nach den „taz“-Recherchen die Universität München (56), vor Dresden (45), Erlangen-Nürnberg (40), Berlin (Humboldt-Uni, 37) und Bonn (32).

Auf der Webseite „hochschulwatch.de“, die am Dienstag mit aktuellen Daten online geht, können Nutzer gezielt nach den Geldgebern suchen oder eigene Angaben zu Beispielen von Einflussnahme machen. Dort würden alle Kooperationen aufgelistet - damit werde deutlich, welche Firmen wie viel an deutsche Unis zahlen.

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Nach jüngsten vorliegenden Zahlen von 2012 gaben die Hochschulen knapp 45 Milliarden Euro aus. 22,2 Milliarden Euro zahlten die Länder für die sogenannte Grundfinanzierung. 16,1 Milliarden Euro kamen von den Krankenkassen für die Versorgung an Uni-Kliniken. Fast 6,8 Milliarden Euro stammten aus der Wirtschaft oder waren öffentliche Fördergelder (Drittmittel).

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