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Hyperloop Schneller als Elon Musk

Blick in die Teströhre: Eine Simulation soll einen Eindruck davon geben, wie sich die Reise per Hyperloop anfühlen kann. Quelle: PR

Mit dem Hyperloop will Elon Musk die Mobilität revolutionieren. Ein Start-up in den Niederlanden ist bei der Neuerfindung der Mobilität schon viel weiter. Ein Besuch auf der Teststrecke.

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Die Brille drückt ein wenig auf der Nase. Dafür erweitert sich der Zweisitzer in der Industriehalle mitten in Delft, zu einem gesamten Zugabteil, sobald man sie aufsetzt: 60 Sitze sind in der Augmented-Reality-Anwendung auf einmal zu sehen. Allesamt erinnern sie an italienische Design-Ohrensessel aus dem Hause Vitra. Es riecht nach frischem Leder. Im Ohr eine Stimme, die erklärt, wie der Hyperloop einmal funktionieren wird. Oben die Simulation eines Sternenhimmels. Den können die Entwickler je nach Tageszeit anpassen, damit die Reisenden ein Gefühl für die Uhrzeit bekommen. 

Doch das Wichtigste fehlt – leider: Die Simulation ist nur statisch, da bewegt sich nichts. Es bleibt das unbestimmte Gefühl, dass sich das Ganze wie eine Achterbahnfahrt anfühlen muss.

Juliette de la Rie, Sprecherin des Unternehmens Hardt, das diesen Hyperloop-Prototypen entworfen hat, schüttelt lachend den Kopf: Insgesamt könne der Hyperloop eine Geschwindigkeit von bis zu 1000 Kilometern pro Stunde erreichen – das kommt immer auf die Strecke an. Die Hyperloops, in denen wir später einmal reisen oder Güter verschicken werden, fahren dann je nach Strecke zeitweise aber auch mal „nur“ zwischen 500 und 700 Kilometer pro Stunde. Damit der Achterbahneffekt ausbleibt, verteilt sich die Beschleunigung des futuristischen Zugs auf mehrere Kilometer – geschmeidig und ruckelfrei soll sich das Ganze dann laut de la Rie anfühlen.

Das Reisen der Zukunft? Ein Kabinen-Rendering von Hardt.

Das Team von Hardt ist nicht das einzige, das an der Entwicklung eines Hyperloops arbeitet. Ihr wohl bekanntester Konkurrent ist Elon Musk: Mit Tesla hat der visionäre Techunternehmer bereits die Autobranche aufgeschreckt, mit seinem Unternehmen The Boring Company will er nun einen unterirdischen Schnellzug bauen – und damit ein weiteres Element der Mobilität neu erfinden.

Daneben gibt es weitere Projekte zum Beispiel in Frankreich, Spanien, Polen oder den Niederlanden. Doch Hardt ist mit dem Testkanal schon ziemlich weit. Weiter jedenfalls als die Technische Universität München, die Elon Musks Hyperloop-Wettbewerbe oft für sich entschied – und jüngst mit der Nachricht für Schlagzeilen sorgte, dass dort eine Teststrecke aufgebaut wird. Was die Münchner für 2021 anpeilen, ist in Delft schon heute Realität.

Bequemer Sessel, aber kein Fenster

Im Showroom des Unternehmens – an der Wand das Gesicht Alfred Nobels mit der Frage „who’s next?“ - steht er also: der Prototyp des Hyperloops. Die zwei Ohrensessel in der Kapsel sind einander zugewandt, zwischendrin steht ein Tischchen. Fenster fehlen, der Hyperloop fährt schließlich in Röhren. Deshalb ist an der Wand eine digitale Fahrtanzeige, die die restliche Fahrtzeit, die Geschwindigkeit und die Außentemperatur angibt.

Wie die Technik genau funktioniert, lässt sich ein paar Kilometer von der Kapsel entfernt auf dem Campus der Uni Delft erahnen. Hier steht der 30 Meter lange Testtunnel, in dem die Technologie erfolgreich erprobt wurde. Prinzipiell basiert alles auf Magnetismus: Zwischen zwei Führungsschienen gehalten, schwebt der Hyperloop in einem Vakuum. Durch das gezielte An- und Abschalten von Elektromagneten oberhalb der Führungsschiene kann der Zug anfahren und bremsen. Was Hardts Hyperloop von den anderen Projekten unterscheidet, ist die Option des Spurwechsels: Ebenfalls durch die Magneten, kann der Hyperloop je nach gewünschter Richtung an Abzweigungen rechts oder links andocken. Dazu braucht es keine beweglichen Teile, wie beispielsweise bei herkömmlichen Zugsystemen.

Im 30 Meter langen Testtunnel konnte zwar die Technik an sich erprobt werden, Hardt konnte dort aber noch nicht auf Geschwindigkeit testen – dafür ist der Tunnel  schlicht zu kurz. Deshalb baut das Unternehmen gerade einen knapp drei Kilometer langen Tunnel in Groningen. 2022 soll er fertiggestellt werden, die ersten Tests mit Reisenden, werden dann aber erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts stattfinden. Bis man sich also wirklich in einen Hyperloop setzen und die Geschwindigkeit fühlen kann, wird es noch etwas dauern. Bis dahin bleibt das Reisen im Hyperloop noch Zukunftsmusik, aber eine, die immer lauter wird.

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Seit den ersten Skizzen vor sieben Jahren ist eine kleine Industrie von Hyperloop-Projekten entstanden, erste Teststrecken für die Reise der Zukunft stehen. Doch so optimistisch die Gründer sich auch zeigen: Fundamentale Probleme sind noch ungelöst.

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