WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Industrie 4.0 Bezahlbare Einzelstücke aus der digitalen Fabrik

Seite 5/5

Ökologisch und preiswert

Mit Daten gegen Stau und Krebs
Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Quelle: dpa
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl verholfen haben: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Soziale Netzwerke zurück. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. „Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“, warnte etwa Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU). Auch andere sind mit Big-Data-Projekten gescheitert. Quelle: dapd
Bewegungsdaten sind für die Werbewirtschaft Gold wert. Der Mobilfunk-Anbieter O2 wollte sie deswegen vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dafür gründete er Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. In Deutschland muss die Telefónica-Tochter allerdings auf dieses Geschäft verzichten: Der Handel mit über Handys gewonnenen Standortdaten sei grundsätzlich verboten, teilte die Bundesregierung mit. Quelle: AP
Welches Medikament wirkt am besten? Die Auswertung großer Datenmengen soll dabei helfen, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu entwickeln. So könnten die Mediziner eines Tages die Beschaffenheit von Tumoren genau analysieren und die Behandlung genau darauf zuschneiden. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd

Erst die Vernetzung hat das Tor zur vierten industriellen Revolution weit aufgestoßen. Am Ende der Entwicklung, glauben Experten wie Acatech-Präsident Kagermann, vergeben Unternehmen Aufträge in globalen Produktionsnetzwerken dorthin, wo gerade Kapazitäten frei sind und das benötigte Material am preiswertesten und zugleich ökologischsten zu beschaffen ist. Außerdem wenden sich die Hersteller von den heutigen Mammutfabriken ab. Stattdessen rücken sie mit kleinen, flexiblen Werken nah an ihre Kunden heran.

Organisieren die Unternehmen ihre Produktion zudem künftig in Kreisläufen, bei denen Materialien und Energie größtenteils zurückgewonnen werden, ist ein weiterer Schritt in eine grüne Wirtschaft getan. Der Leiter des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), Thomas Bauernhansl, ist überzeugt, dass diese Materialwende kommt. „Verschwender riskieren ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil ihnen die Kosten davonlaufen.“

Die digitalen Gedächtnisse in den Chips, mit denen alle Produkte künftig ausgestattet sein werden, erleichtern es, ihnen ein zweites Leben einzuhauchen. Denn die darauf gespeicherten Daten verraten, aus welchen Materialien sie bestehen und wie die sich recyceln lassen. Experten der britischen Ellen MacArthur-Stiftung errechneten, dass die Nahrungs-, Verpackungs- und Bekleidungsindustrien jährlich global 500 Milliarden Euro sparen könnten, wenn sie möglichst viele Ausgangsstoffe wiederverwerten.

Acatech-Präsident Kagermann ist sich sicher: Zählt man alle Effizienzgewinne von Industrie 4.0 zusammen, lassen sich Energie- und Ressourceneinsparungen von 20 bis 25 Prozent realisieren.

Dabei ist noch gar nicht ausgemacht, wie die Produktionswelt des Industrie-4.0-Zeitalters genau aussehen wird. Ebenso wenig, was der Totalumbau der Fabriken kostet. Einig sind sich die Fachleute aber darin, dass sich die Arbeitsinhalte der Fabrikbeschäftigten massiv verändern.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Statt für ermüdende Fließbandarbeit würden sie künftig vermehrt für kontrollierende und dirigierende Funktionen gebraucht, sagt Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer voraus. Ob die mit der Selbstorganisation einhergehende weitere Automatisierung der Fertigung Arbeitsplätze kostet oder zusätzliche schafft, darüber streiten die Experten noch.

Ganz Mutige, wie der Chefökonom des US-Industriekonzerns General Electric, Marco Annunziate, glauben sogar an ein neues Wirtschaftswunder. Wegen seiner höheren Produktivität, zitiert er das Ergebnis einer hausinternen Studie, könnte das industrielle Internet die Einkommen der Menschen um bis zu 30 Prozent erhöhen. Allerdings werden nach Meinung von Accenture-Chef Riemensperger noch zehn Jahre verstreichen, bis die ersten Fabriken komplett digitalisiert sind.

Das Warten aber, versprechen die Verfechter, werde sich lohnen: Die Produktionswelt wandelt sich zu einer Wünsch-dir-was-Ökonomie. Spaß garantiert.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%