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Innovationsforum Szenen einer Partnerschaft: Wenn der Großkonzern auf das Start-up trifft

Der Kleine braucht das Geld und die Kontakte. Der Große will die Kreativität und den Schwung. Wenn Gründer mit Konzernmanagern arbeiten, knirscht es meist erst einmal, wie Vertreter beider Seiten kurz vor der Verleihung des Deutschen Innovationspreises berichteten.

Burkhard Dümler, Uli Huener, Martin Sinner, Frank Riemensperger, Georg Oenbrink, Florian Krummheuer Quelle: Marcus Schröper für WirtschaftsWoche

Die Sache mit dem Fax. Catharina van Delden verdreht die Augen. Emre Akdagcik nickt eifrig. Die beiden Gründer hätten nie gedacht, dass sie sich einmal mit der Technik aus dem gefühlten Steinzeitalter der Telekommunikation beschäftigen müssten. Doch sie ist immer noch gefragt, zumindest bei den Buchhaltern deutscher Konzerne. Die wollen Aufträge nur abrechnen, wenn sie eine förmliche Auftragseingangsbestätigungsmitteilung per Fax erhalten.

„Wir haben jetzt eine Fax-Software angeschafft, die die Dokumente verschickt“, erzählt van Delden. Sie ist Geschäftsführerin des Münchner Innovationsdienstleisters Innosabi, der das Wissen der Crowd für die Produktentwicklung anzapft. Aber trotz mancher dieser bürokratischen Umstandskrämereien profitiere er natürlich auch von der Zusammenarbeit mit den Großunternehmen, berichtet Akdagcik, „sie verschafft uns Glaubwürdigkeit und öffnet Türen“.

Er hat die Deutsche Technikberatung gestartet, die Kunden Zuhause bei der Einrichtung des Wlans oder dem Aufrüsten des Laptops hilft. Mit seiner Idee hat er einen Platz im Münchner Accelerator Spacelab des Elektrofachhändlers Media-Saturn ergattert.

Konzernmanager treffen Gründer
Inka Schneider, Louis-Victor Jadavji, Emre Akdagcik, Catharina van Delden, Stephan Kühr, Michael Hübl Quelle: Marcus Schröper für WirtschaftsWoche
Burkhard Dümler, Uli Huener, Martin Sinner, Frank Riemensperger, Georg Oenbrink, Florian Krummheuer Quelle: Marcus Schröper für WirtschaftsWoche
Der 3D-Lebensmitteldrucker Bocusini von Print2Taste druckt Marzipan. Quelle: Marcus Schröper für WirtschaftsWoche
Thomas Gyöngyösi, (Bankhaus Carl Spängler), David Chia (Innosabi) und Jan Fischer (Innosabi) im Gespräch (v.l.). Quelle: Marcus Schröper für WirtschaftsWoche
Frank Riemensperger (Accenture), Louis-Victor Jadavji (Wiivv) und Frank T. Piller, (RWTH Aachen) im Gespräch (v.l.). Quelle: Marcus Schröper für WirtschaftsWoche

Beide Gründer diskutierten am heutigen Freitag auf dem Innovationsforum der Unternehmensberatung Accenture in München. Die Veranstaltung findet traditionell im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Innovationspreises statt. Neben den Start-up-Vertretern schilderten auch Konzernmanager wie Martin Sinner ihre Erfahrungen mit den innovativen kleinen Firmen. Er ist CEO der Electronic Online Group und damit verantwortlich für den Accelerator Spacelab. Mit dessen Einrichtung hofft er, seinem Konzern Zugriff auf neue Geschäftsideen zu verschaffen, indem er Start-ups zu einem sehr frühen Entwicklungsstadium fördert. Das ist deutlich günstiger als viel Geld für den Kauf eines schon reiferen Geschäftsmodells ausgeben zu müssen. Und er vermeidet, mühsam im eigenen Konzern eine spezielle Abteilung für neue Projekte aufbauen zu müssen, die der Rest der Organisation leicht als Fremdkörper betrachtet.

Frischzellenkur für die Deutsche Bahn

So wie Sinner betrachteten auch die anderen Konzernvertreter die Kooperation mit Start-ups als Frischzellenkultur. „Wir haben den Trend zur individualisierten Mobilität verpasst“, räumte etwa Florian Krummheuer ein, der Projektleiter Geschäftsentwicklung bei der DB Regio Bus ist, der Bus-Tochter der Deutschen Bahn. Deshalb hat sich sein Unternehmen mit Flinc verbündet, einem Start-up aus Darmstadt, das bundesweit Mitfahrgelegenheiten vermittelt.

Dessen Mitgründer Michael Hübl hat seine Erfahrungen mit Konzernen – neben der Bahn auch General Motors – zu ein paar Regeln verdichtet: „Der Große darf nicht einfach nur von der Kreativität des Kleinen lernen wollen“, warnt er, sondern müsse sich selbst in einem konkreten Projekt mit Geld und Zeit engagieren. Und ein Konzern müsse lange Entscheidungswege abkürzen und den eigenen Managern in der Kooperation eine Art „Fast Lane“ einrichten, die ihnen erlaubt schnell zu entscheiden. Dann könne die Zusammenarbeit mit dem Start-up sogar auf Dauer die oft behäbige Kultur eines Großunternehmens verändern.

Und vielleicht ist dann auch irgendwann das Fax nicht mehr so wichtig.

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