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Dem Amoklauf auf der Spur

Der Diagnoseautomat von Bioverfahrenstechnikerin Miriam Strauß (von rechts), Elektroniker Matthias Wende, Aesku-Chef Torsten Matthias und Assistent Alexander Frey erkennt Leiden wie Rheuma oder Schuppenflechte. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Autoimmunerkrankungen zu erkennen war aufwendige, manuelle Arbeit. Nun erledigt sie ein Roboter von Aesku Systems.

Es ist ein tragischer Irrtum: Nicht immer funktioniert das Abwehrsystem des Menschen so, wie es sollte. Statt Krankheitserreger zu bekämpfen, greift es zuweilen den eigenen Körper an – und schädigt ihn dabei schwer. Rheuma und Diabetes sind bekannte Beispiele für solche Autoimmunerkrankungen, von denen es Hunderte gibt. Was sie eint: Sie sind oft nur schwer zu diagnostizieren.

Die Folge: „Viele Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Morbus Crohn oder Zöliakie leiden nicht nur erheblich – Ihre Krankheiten werden oft jahrelang nicht richtig erkannt“, sagt Jurymitglied Frank Mastiaux. Der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers EnBW setzt daher große Hoffnungen auf den Mittelständler Aesku Systems aus Wendelsheim in Rheinland-Pfalz: „Die schnelle und kostensparende Analysetechnik des Helios-Systems kann hier Abhilfe schaffen.“

Denn Torsten Matthias, der Chef von Aesku Systems, hat mit seinem Team den weltweit ersten Diagnoseroboter entwickelt, der den Amoklauf des Immunsystems vollautomatisch aufspüren kann. Die Helios genannte Maschine – das Kürzel steht für Helmed Integrated Optical System – sieht aus wie ein Helm mit verdunkeltem Visier. Es bereitet Blut- oder Serumproben von Patienten nicht nur für die bisher sehr zeitaufwendige Immunfluoreszenzanalyse auf, sondern wertet sie auch gleich aus.

Das Verfahren erzeugt typische Leuchtmuster, die ihrerseits die Autoimmunerkrankungen verraten. „Die Probenröhrchen bekommen einen Barcode und werden in den Automaten gestellt, alles andere macht der Helios ganz alleine“, sagt Wissenschaftler Torsten Matthias, der vor zehn Jahren das auf Labordiagnostik spezialisierte Unternehmen gründete.

Zuvor forschte er selbst gut 20 Jahre lang an Autoimmunerkrankungen. Deshalb weiß Matthias genau, wie mühsam es ist, diese Leiden zu analysieren. Bisher nämlich müssen Labormitarbeiter die Proben auf beschichteten Objektträgern ausstreichen, sie dann – nach unterschiedlich langen Wartezeiten – mit anderen Flüssigkeiten beträufeln und schließlich mit einem Deckgläschen verschließen. Erst dann können sie die Proben mit einem Mikroskop untersuchen.

Dabei müssen die Laboranten die Muster jeder Probe genau betrachten, bewerten und fotografieren – und zwar bei völliger Dunkelheit. „In großen Labors, die Tausende solcher Tests täglich durchführen, stehen die Mitarbeiter oft bis zu fünf Stunden am Stück in der Dunkelkammer“, erzählt Matthias.

Der Helios-Roboter, den er nach dem griechischen Sonnengott benannte, macht damit Schluss. Das Gerät fasst bis zu 190 Proben und übernimmt alle Arbeitsschritte zeit- und kostensparend vollautomatisch – vom Aufbereiten der Proben bis zu den fertigen Digitalfotos der Muster. Die können die Mitarbeiter dann im Hellen auf dem Rechnerbildschirm begutachten.

Mehr als 60 Mal hat Aesku Systems den Roboter bereits weltweit verkauft.

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