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Innovationspreis Die spannendsten Innovationen des Jahres geehrt

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Finalist Großunternehmen: BMW

Marcus Bollig, Leiter Effiziente Dynamik (links) und Frank Weber, Leiter Entwicklung Gesamtfahrzeug bei BMW Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche

Früh schalten, sanft Gas geben: Ein digitaler Assistent gibt BMW-Fahrern Tipps, wie sie 20 Prozent Sprit sparen können.

Marcus Bollig stand vor einem Problem. Der Leiter der Abteilung Effiziente Dynamik beim Autohersteller BMW sollte ein System ersinnen, das den Fahrern zeigt, wie sie mit jedem Liter Kraftstoff besonders weit kommen. Aber dies, ohne sie zu belehren oder gar zu bevormunden. Denn das scheuen die Münchner so sehr wie der ADAC das Tempolimit.

Bollig fand eine elegante Lösung: Er aktiviert den Spieltrieb der Fahrer – und ein wenig auch ihren Spartrieb. Wer die Tipps des digitalen Fahrassistenten befolgt, kann unmittelbar auf dem Bordcomputer ablesen, wie viele Extrakilometer er dank frühem Schalten und sanftem Druck aufs Gaspedal herausgefahren hat. Die Bonusmeilen könnten bei vielen Fahrern den Ehrgeiz anstacheln, sich selbst übertreffen zu wollen, erwarten die Experten des Autobauers. Bollig jedenfalls ist sicher: „Ich ändere meine Fahrweise am ehesten, wenn mir direkt vor Augen geführt wird, wie effizient ich gerade unterwegs bin.“

Zwar rüstet BMW im Rahmen des Spritsparpakets Efficient Dynamics seine Modelle serienmäßig mit diversen Spritspartechnologien aus, etwa mit der Start-Stopp-Automatik.

Doch der wichtigste Faktor bleibt der Fahrer. „Wir wissen, dass der Verbrauch bis zu 20 Prozent sinken kann, wenn der Fahrer vorausschauend fährt“, sagt Ingenieur Bollig. In aktuellen BMW-Modellen kann er dazu zum Beispiel vom Sport- auf den besonders Treibstoff sparenden Eco-Pro-Modus umschalten. Den neuen 7er-BMW, das Spitzenmodell der Münchner, haben die Entwickler weiter aufgerüstet.

Die Finalisten bei den Großunternehmen

So analysiert der Bordrechner das individuelle Fahrverhalten. Das Navigationssystem schlägt auf Basis dieser Daten die verbrauchsgünstigste Route vor und berücksichtigt dabei die aktuelle Verkehrslage sowie Streckenprofile. Und es weist den Fahrer darauf hin, dass in Kürze eine Geschwindigkeitsbeschränkung folgt, sodass er frühzeitig vom Gaspedal gehen kann.

Das ist längst nicht alles. Sobald der Fuß vom Gaspedal geht, nutzt das Fahrzeug die eigene Bewegungsenergie als Antrieb. In einer Art Leerlauf bremsen allein Luft- und Rollwiderstand das Fahrzeug. Das funktioniert im Geschwindigkeitsbereich zwischen 50 und 160 Kilometer pro Stunde. „Leerlaufsegeln“ nennen Experten das. Eine App fürs Smartphone bedient wiederum den Spieltrieb: Sie erfasst und bewertet den Fahrstil und gibt Tipps zum sparsameren Fahren.

Das Gesamtpaket hat die Jury des Innovationspreises überzeugt. „BMW war schon führend beim intelligenten Spritsparen. Jetzt erweitern die Bayern das Paket um ein Energiemanagement, das dem Fahrer Tipps für eine Sprit sparende Fahrweise gibt, ohne ihn zu bevormunden“, lobt Frank Riemensperger, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture.

Die Anstrengung zahlt sich aus: BMW hat die Verbrauchssenkungen der Fahrzeugflotte, die der Gesetzgeber bis 2015 vorschreibt, trotz seiner PS-starken Autos schon zu 93 Prozent geschafft. VW, Audi und Mercedes hinken da hinterher.

Kraftvoller Motor, sparsamer Verbrauch – bei BMW scheint die widersprüchliche Gleichung aufzugehen.

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