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Innovationspreis Die spannendsten Innovationen des Jahres geehrt

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Finalist Großunternehmen: Bosch Sensortec

Stefan Finkbeiner, CEO von Bosch Sensortec Quelle: Berthold Steinhilber für WirtschaftsWoche

Sie stecken in jedem zweiten Smartphone: die Sensoren von Bosch Sensortec. Bald sollen sie sogar selbst rechnen können.

Oft sind es die kleinen Dinge, die die Welt verändern. Im Fall der Sensoren, die inzwischen zigmilliardenfach in Smartphones, Spielekonsolen und anderen Elektronikgeräten stecken, sind es die ganz kleinen Dinge. Denn viele der elektronischen Fühler neuester Generation haben nicht mal mehr die Größe eines Stecknadelkopfes.

Gleichzeitig sind sie hochsensibel: Sie registrieren zum Beispiel, wie der Nutzer gerade sein Telefon hält, um die Inhalte am Bildschirm richtig herum anzuzeigen. Oder sie zählen die Schritte, die eine Joggerin macht, oder erfassen die Höhenmeter auf einer Skitour.

Sensoren von Bosch

Geht es nach Stefan Finkbeiner, CEO von Bosch Sensortec aus Reutlingen bei Stuttgart, werden die Fühler bald noch viel mehr können: Dann stecken sie in Kleidung und zählen den Herzschlag, dienen als mobile Wetterstationen, die den CO2-Gehalt der Luft messen, und registrieren die typische Bewegung, wenn wir das Handy in die Hosentasche stecken – um dann das Display abzuschalten.

Schon heute kommt rund die Hälfte aller Sensoren, die weltweit in Smartphones verbaut sind, von Bosch Sensortec, einer Tochter des Elektronikkonzerns Bosch. Der Automobilzulieferer baut schon seit den Neunzigerjahren Sensoren für Pkws.

Immer mehr interessierte sich aber auch die Konsumelektronikindustrie für die intelligenten Winzlinge. Der Vorstand gründete daher bereits 2005 Bosch Sensortec, um die Nachfrage mit gezielt entwickelten Produkten abdecken zu können. 600 Ingenieure arbeiten inzwischen bei Bosch im Bereich Mikrosystemtechnik. Bis heute haben sie rund drei Milliarden Sensoren gefertigt.

„Bei Sensoren in Autos ist Robustheit gefragt“, sagt Stefan Finkbeiner. Größe und Energieverbrauch spielen weniger eine Rolle. Genau darauf kommt es aber in Handys oder Spielekonsolen an. Aus diesem Grund hat Finkbeiner zusammen mit Sensortec-Technikchef Udo-Martin Goméz und dessen Team die Baugröße der Sensoren im Laufe der Jahre auf ein Fünfzigstel reduziert. Ihr Stromverbrauch sank sogar um den Faktor 100.

Das allein hätte jedoch noch nicht zum Sprung unter die Finalisten des Deutschen Innovationspreises gereicht, sagt Frank Riemensperger, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture. Fasziniert hat das Jury-Mitglied die Idee, „aus den Sensoren eine Art kleinen Computer zu machen, der Signale gleich selbst auswertet“.

Smarte Sensoren

Bisher geben die Fühler ihre Daten zu diesem Zweck an die Mikroprozessoren der Geräte weiter. Verarbeiten die Sensoren ihre Daten aber selbst, sinkt der Energieverbrauch eines Smartphones weiter – zugleich reagiert es noch schneller auf Befehle und Bewegungen.

Dabei sind Energieeffizienz und Geschwindigkeit nicht die einzigen Vorteile der smarten Sensoren. Auch gegen Störungen soll der IQ-Zuwachs der Zwerge helfen. So stören beispielsweise Metallbauteile wie etwa Treppen in der Umgebung heute noch die Signale. Künftig aber merkt der Sensor, wenn solche Hindernisse die Informationen beinträchtigen, und bezieht das in Berechnung ein.

Dabei sind Sensoren schon heute Wunderwerke der Technik: Um zum Beispiel die Schritte der Nutzer beim Joggen zu zählen, bewegen sich im Sensor kammähnliche Bauteile gegeneinander. Ihre Zinken sind zehn Mal dünner als ein menschliches Haar. Andere Sensoren messen stetig das Erdmagnetfeld, um den Bildschirminhalt zu drehen – je nachdem, wie der Nutzer das Gerät hält.

Schon jetzt liefert Bosch rund 500 Millionen der winzigen Bauteile pro Jahr an Kunden. In naher Zukunft könnten es laut Finkbeiner sehr viel mehr sein.

Wenn demnächst alle elektronischen Geräte in Haushalt oder Fabrik im sogenannten Internet der Dinge miteinander vernetzt sind und Informationen austauschen, könnten Hersteller jährlich rund 50 Milliarden der kleinen Fühler in die Geräte einbauen, schätzt Finkbeiner. Bosch will mit seinen Entwicklungen großen Anteil daran haben.

Dann hätten die Sensoren die Welt nicht nur verändert, sondern auch erobert.

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