Interaktion Siri war nur der Anfang

Apples Sprachsteuerung soll Konkurrenz bekommen. Digitale Assistenten erleichtern bald die Bedienung von immer mehr Elektronik.

Apple iPhones 4s mit Siri, Apples Spracherkennung Quelle: Apple

„Alles spricht dafür, dass es Schokolade ist.“ Sicher hätten auch andere so ironisch auf die Frage nach dem Sinn des Lebens antworten können. Dass die Antwort aber ausgerechnet von einem Mobiltelefon kam, war eines der technischen Highlights des Jahres. Denn was das Verständnis von Mensch und Maschine angeht, hat Apple mit Siri, dem digitalen Assistenten für das neue iPhone 4S, Standards gesetzt: Nur Wochen nach dessen Marktstart plaudern schon Tausende Handynutzer mit ihren Telefonen über Wetter, Aktienkurse und Einkäufe.

Mensch und Maschine im spontanen Gespräch – was Siri und das iPhone erstmals massentauglich demonstrieren, wird 2012 in immer mehr elektronischen Geräten Einzug halten. Rivale Google hat schon angekündigt, seine Handysoftware Android in Sachen Sprachverständnis ebenfalls nachzurüsten, und auch Amazon arbeitet an einer solchen Technik.

Dabei ist die Kommunikation per Sprache mit Telefonen und Computern erst der Anfang. Forscher und Entwickler arbeiten daran, Autos digitale Co-Piloten zu implantieren, mit denen sich der Fahrer in natürlicher Sprache unterhalten kann. Im Berliner Forschungszentrum der Deutschen Telekom, den T-Labs, etwa arbeiten Experten für Sprachtechnologie an einem interaktiven Auto-Assistenten, der im natürlichen Dialog mit dem Fahrer das Info-Display im Armaturenbrett steuert, die Kommunikationstechnik bedient und die Navigation zum Ziel organisiert.

Körperbewegungen und Gesten

Und wenn Microsoft wie erwartet im kommenden Jahr die nächste Generation seiner interaktiven Spielesteuerung Kinect für die Xbox auf den Markt bringt, könnte die Interaktion eine ganz neue Qualität bekommen. Schließlich wollen Eingeweihte wissen, dass die neue Spielebox nicht mehr nur auf Bewegungen reagiert. Kamera und Software sollen zudem in der Lage sein, die Mimik der Spieler zu erkennen und so deren Gefühle zu interpretieren.

Daran arbeitet auch der Chipriese Intel, der dafür extra in das israelische Startup Omek Interactive investiert hat. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Computern und Tablet-Pcs beizubringen, Körperbewegungen und Gesten von Nutzern per 3-D-Kameras zu verstehen. Doch auf dem Weg zum natürlichen Miteinander von Mensch und Maschine sind all das nur Etappenziele. Mark Rolston, der Chief Creative Officer der Designschmiede Frog Design, skizzierte kürzlich, was möglich werde, wenn man Techniken wie Apples Siri, Microsofts Kinect und die Rechenleistung moderner IT kombiniert: „Die Technik wird unsichtbar, Tische und Wände verwandeln sich in Bildschirme, und jeder von uns kann mit Sprache oder Gesten mit den Computern kommunizieren.“

Die Technik-Trends des Jahres 2012:

Es ist der Megatrend der Generation Facebook: Millionen Menschen vermieten online Zimmer, Geräte und Autos.

Die Energiewende erfordert tausende Kilometer neuer Stromtrassen. Dank neuer High-Tech-Leitungen könnten weniger reichen.

Rohstoffe: Zinngräberstimmung

Die hohen Preise von Zinn, Kupfer und Seltenen Erden sorgen für eine Renaissance des Bergbaus in Deutschland.

Ernährung: Zucker light

Der Naturstoff Stevia ist viel süßer als Zucker und dennoch kalorienfrei. 2012 kommen die ersten Produkte mit diesem Süßstoff der Zukunft auf den Markt.

Elektronik: Das Haus denkt mit

Das Licht angelassen, die Heizung nicht ausgestellt? Intelligente Wohnungen und Häuser managen sich künftig selbst.

Hirnforschung: Autos mit Gedanken lenken

Wissenschaftler verfeinern die Technik zum Gedankenlesen. Autos und sogar Hubschrauber sollen mit Gedanken gesteuert werden.

Raumfahrt: Live aus dem All

Ab 2012 senden Satelliten Live-Bilder der Erde ins Internet. Das könnte unseren Blick auf die Welt für immer ändern.

Medizin: Schlag den Keim

Viele Medikamente sind heute gegen aggressive Krankheitserreger wirkungslos. Nun schlagen Forscher mit neuen Wirkstoffen zurück.

Emissionshandel und Spritpreise befeuern den Wettbewerb um sparsame Langstreckenflieger. Boeing und Co. setzen auf Kunststoff statt Aluminium.

Fotovoltaik: Energiewände

Fassaden, Rechner, Autos: Neue, hauchdünne Solarzellen versorgen Alltagsgegenstände und ganze Gebäude mit Elektrizität.

Neben den erfolgreichen Tablet-PCs kommt 2012 eine Flut superflacher Laptops auf den Markt. Der Sieger ist keineswegs gesetzt.

Luftfahrt: Drohnen im Anflug

Verbrecher jagen, Vulkane überwachen und vielleicht sogar den Welthunger bekämpfen – Drohnen erobern den Himmel.

Mit neuen Hybrid- und Elektroautos eifern deutsche Hersteller den Pionieren Toyota und Honda nach.

Lebensrettende Ersatzorgane sind knapp. Bald sollen sie aus dem Drucker kommen.

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